Blumenbunte Bergwiesen, urige Steinriegel, unzählige Tier- und Pflanzenarten sowie ein fantastischer Ausblick: Das sind die Markenzeichen des Graineter Fauna-Flora-Habitat-Gebietes (FFH-Gebiet) „Borstgrasrasen und Bergwiesen in Obergrainet und Gschwendet“ am Südhang des Haidels.

Während anderen Orts eine immer intensivere Landwirtschaft und Maisanbau die Artenvielfalt und das Landschaftsbild gefährden, ist es in dem FFH-Gebiet genau das Gegenteil.
Die steilen Wiesen und mageren Borstgrasrasen liefern wenig Ertrag und sind mit großen landwirtschaftlichen Maschinen kaum zu bewirtschaften. Deshalb wird entlang der vielen steinigen Waldränder häufig nicht gemäht oder die Flächen werden beweidet. Doch auch die Pferde können nicht verhindern, dass die Steinriegel verbuschen und immer mehr Gehölze auf den Weiden sprießen. Über die Jahre hinweg führt dies zu einem allmählichen Zuwachsen der Flächen. Dann ist es vorbei mit Blumenwiesen und Ausblicken. Auch die Artenvielfalt geht zurück. Denn der Konkurrenz durch Bäume und Büsche sind die Wiesen-Orchideen und andere niedrigwüchsige Kräuter wie die Schwarzwurzel, die Silberdistel und die Arnika nicht gewachsen.

Obergrainet – ein Ausblick aus dem Archiv des Planungsbüros FNL

Der Rückgang der Artenvielfalt in dem FFH-Gebiet hat den Landkreis alarmiert. „Die Aufgabe der traditionellen Nutzung von immer mehr Flächen führt zur Verringerung der Tier- und Pflanzenarten und verändert die Landschaft für immer. Nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen vor Ort profitieren davon, wenn die verbliebenen Offenlandbereiche gepflegt werden. Deshalb haben wir zum 25-jährigen Bestehen der europäischen FFH-Richtlinie mit finanzieller Unterstützung durch den Landkreis Freyung-Grafenau und der Gemeinde Grainet ein Umsetzungsprojekt ins Leben gerufen“, stellt Frau Müller von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Freyung-Grafenau fest. Mit Förderung durch den Freistaat wurde vom Landkreis ein erfahrener Projektbetreuer engagiert, der sich um die Umsetzung von Landschaftspflege- und Artenhilfsmaßnahmen kümmert. Auf Grundlage des FFH-Managementplans sowie der Ortskenntnisse der Unteren Naturschutzbehörde und des Projektbetreuers wurden eine Vielzahl von möglichen Maßnahmen ermittelt. Hierzu zählen Entbuschungen, Gehölzentnahmen, Weidepflege, Brachemahd und Freistellung von Steinriegeln. Da die Maßnahmen für Eigentümer und Nutzer freiwillig und unverbindlich sind, wurden Vor-Ort-Begehungen organisiert und Gespräche geführt. Wie bereits im vergangenen Dezember am Runden Tisch zur FFH-Managementplanung stehen die Eigentümer den Umsetzungsmaßnahmen sehr offen gegenüber.

Auch der Gemeinde Grainet ist viel am Erhalt ihrer Kulturlandschaft gelegen. Denn verschwindet die über Jahrhunderte in mühevoller Arbeit geschaffene bäuerliche Kulturlandschaft, so geht auch ein Stück Heimat verloren. Zudem ist eine attraktive, naturnahe Landschaft das wichtigste Kapital für den Tourismus.

Aus diesem Grunde ist auch die Gemeinde an der Umsetzung von Maßnahmen interessiert. Da es sich um ein FFH-Gebiet handelt, sind hierfür hohe Förderungen möglich. Ein entsprechender Antrag der Gemeinde wurde nun von der Regierung von Niederbayern genehmigt. So kann es losgehen mit der Brachemahd und im Herbst mit den Gehölzentnahmen. Die Arbeiten werden auf Grundlage der orstüblichen Maschinenringsätze bezahlt und von den ortsansässigen Landwirten und Grundeigentümern durchgeführt.

 

Der Projektbetreuer Herr Rossa vom Büro FNL-Landschaftsplanung weist zudem alle interessierten Grundeigentümer und Landwirte darauf hin, dass er für ein Beratungsgespräch gerne bei Ihnen vorbeischaut. Denn im FFH-Gebiet ist nicht nur die Finanzierung von Landschaftspflegemaßnahmen möglich, sondern es stehen auch Gelder aus dem Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm zur Verfügung.

(Titelbild: Obergrainet 1951, aus dem Archiv der Gemeinde Grainet)

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