Die Stadtarchäologie in Passau ist untrennbar mit dem Namen Dr. Jörg-Peter Niemeier verbunden. Nach 30-jähriger Dienstzeit tritt er nun mit Wirkung zum 1. Januar 2019 in den Ruhestand ein. Die entsprechende Urkunde wurde ihm von Oberbürgermeister Jürgen Dupper überreicht, verbunden mit einem herzlichen Dankeschön.


„Dr. Niemeier ist der Pionier der Stadtarchäologie. Er war der Erste, der 1988 die Leitung dieser neu geschaffenen Dienststelle übernahm. Seither hat er wesentlich zur Erforschung der Vorgeschichte, der Römischen Zeit und des Mittelalters sowie zur Sicherung wertvoller Funde in der Dreiflüssestadt beigetragen. Gleichzeitig war er für das Römermuseum Kastell Boiotro verantwortlich, das er zu einem modernen Hotspot für Geschichtsinteressierte weiterentwickelt hat. Für all das sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet“, so das Stadtoberhaupt.


Nach nur sporadischen Ausgrabungen bis in die 1970er-Jahre hinein erlebte die Archäologie in Passau mit den Aktivitäten des Prähistorikers Dr. Rainer Christlein vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eine Renaissance. Er leistete einen maßgeblichen Beitrag zur Bestandssicherung bei den Ausgrabungen der spätantiken Kastelle Batavis in der Altstadt und Boiotro in der Innstadt, dessen Fundamente im Römermuseum bis heute zu besichtigen sind. Da aber das Stadtgebiet vom Landesamt nur punktuell betreut werden konnte, entschloss sich die Stadt, selbst einen Archäologen einzustellen. Die Wahl fiel 1988 auf den gebürtigen Düsseldorfer Dr. Jörg-Peter Niemeier – bei 60 Mitbewerbern. Zentral für seine Tätigkeit war die rechtliche Legitimation, vor sämtlichen Bauvorhaben den Boden archäologisch zu untersuchen. Hinzu kamen eigene Grabungsvorhaben. Im Laufe der Jahre konnten so 175 Projekte unter seiner Aufsicht realisiert werden. Die daraus resultierenden Forschungsergebnisse fanden ihren Niederschlag in Fachpublikationen.


Ein weiterer Schwerpunkt in Dr. Niemeiers Arbeit lag in der Leitung des Römermuseums Kastell Boiotro. Er organisierte nicht nur den Umbau, der mit einer Erweiterung der Museumsfläche verbunden war und 2010 abgeschlossen wurde, sondern auch eine Neukonzeption der Ausstellung, die 2013 der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte. Seither besteht dort die Möglichkeit, die 600 spektakulärsten Funde aus Passau in Augenschein zu nehmen und sich über die Periode zwischen der Mittelsteinzeit und dem Ende des Römischen Reiches zu informieren. Dazu dienen Touchscreens, Hörstationen, Modelle, verständliche Texte, ein Film sowie Audioguides in verschiedenen Sprachen und für Kinder. Seit 2017 können Besucher auch
das Angebot nutzen, über die Museums-App und das eigene Smartphone eine Audioführung zu unternehmen.


Die Nachfolge von Dr. Jörg-Peter Niemeier tritt Dr. Thomas Maurer an.