Eine neue Initiative will Verbrauchern einfacheren Zugang zu heimischen Lebensmitteln eröffnen und regionale Erzeuger stärken. Sie könnte zum Vorbild für viele deutsche Regionen werden

Landshut (obx) – Genuss und Lebensmittel von höchster Güte sind seit jeher Bestandteil der niederbayerischen „DNA“: Die Hallertau, größtes Hopfenanbaugebiet der Welt, liegt zur Hälfte in dieser Region Ostbayerns. Ein niederbayerischer Braumeister war einst Wegbereiter des berühmten deutschen Reinheitsgebots. Mit dem „Abensberger Spargel“ wächst in Niederbayern jedes Jahr edles Gemüse von Weltruf heran. Der fruchtbare Gäuboden gilt als „Kornkammer“ Bayerns. Zwei Drittel der deutschen Gurkenernte stammt von niederbayerischen Feldern. Eine eigene Initiative will Niederbayerns Ruf als Genussregion künftig noch besser erlebbar machen – und vor allem auch Einheimische als Kunden stärker mit einbeziehen: Seit diesem Jahr kümmert sich ein eigener „Genussmanager“ darum, Niederbayerns Potenzial als Gegend des feinen Geschmacks und der schmackhaften Lebensmittel noch besser zu erschließen.

Die Genussregion ist eine gemeinsame Initiative des Bezirks Niederbayern und des Amts für Ländliche Entwicklung Niederbayern. Das Ziel: in der Bevölkerung das Bewusstsein für regionale Lebensmittel stärken, ein Netzwerk von zertifizierten Produzenten und Lieferanten sowie eine starke Marke aufbauen, auch um nachhaltig wirtschaftenden Betrieben mehr Wertschöpfung zu bieten. „Ich will mithelfen, Lebensmittel in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu stellen und mich für gute, saubere und faire Produktion einzusetzen“, sagt Lukas Dillinger, der neue Manager der Genussregion. Der studierte Master in Essenskultur, Kommunikation und Marketing ist selbst Niederbayer aus dem Landkreis Freyung-Grafenau im Bayerischen Wald.

 Dillinger sieht einen roten Faden „vom Acker bis zum Teller“ und Transparenz als Schlüssel dafür, um regionale Lebensmittel stärker in den Fokus zu rücken. Mit der Passauer Regiothek, ihrer Genießerfibel und ihrer „Genussvermittlung“, der Online-Vermarktungsplattform www.regiothek.de, gibt es bereits erste niederbayerische Initiativen, um dieses Ziel Wirklichkeit werden zu lassen. Die Bedeutung kurzer Lieferketten beispielsweise bei Fleisch und Fisch betont auch Michael Kreiner, stellvertretender Leiter des niederbayerischen Amts für Ländliche Entwicklung: „Wir müssen die Nähe zur Erzeugung zurückgewinnen“, mahnt Kreiner. „Also Forelle statt Pangasius und Weidfleisch statt argentinischem Rindfleisch.“

Der neue „Genussmanager“ sieht hier großes Potenzial: Denn die Branchen, die im Zusammenhang mit der Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung stehen, wie beispielsweise Landwirtschaft, Gastronomie, Handel und Tourismus, seien in Niederbayern noch weitgehend unvernetzt, sagt er. „Das bedeutet, dass jeder sozusagen sein eigenes Süppchen kocht, potentielle Synergien und Wertschöpfungsketten ungenutzt bleiben und sich der Verbraucher Informationen über regionale Bezugsquellen nur mit großer Eigeninitiative verschaffen kann“, so Dillinger. 

Direktvermarkter zu fördern und mit möglichen Abnehmern zu verbinden ist nach Dillingers Worten eines der Ziele auf dem Weg zur Genussregion. Für einen besseren Informationsfluss vom Erzeuger zum Verbraucher gibt es viele Ideen, wie die einer kulinarischen Niederbayerntour. Wegen Corona kann diese aber frühestens 2021 stattfinden. In den nächsten Monaten will der Projektmanager der Genussregion vor allem zusätzliche Partner für die Initiative gewinnen. Auch die Gründung eines eigenen Vereins wird dabei derzeit diskutiert, wie Niederbayerns Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich jetzt sagte. „Niederbayerische Kommunen und Institutionen wünschen sich mehr regionale, qualitativ hochwertige Lebensmittel für ihre Bürgerinnen und Bürger, eine intakte Umwelt und eine starke Wirtschaft. Auf der Basis eines Vereins können wir aktive Mitstreiter gewinnen und somit der Vernetzung in Niederbayern einen gehörigen Schub verleihen“, so der Präsident. 

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