Vorstellung einer Biographie über den Passauer Kulturpolitiker und Journalisten Reinhard Raffalt

(von Tobias Schmidt)

Seine Nachlasswerke „Große Kaiser Roms“ und „Abendländische Kultur und Christentum“ findet man noch in so manchem Haushalt. Womöglich ja gekauft, weil die Leser sich zuvor als Hörer für die Radiofassungen der Kaiserporträts Reinhard Raffalts (1923-1976) begeisterten.

Die Hörbilder des gebürtigen Passauers, in den 1950er Jahren für den Bayerischen Rundfunk produziert, waren seinerzeit beliebte Sendungen. Der aus einer Passauer Verlegerfamilie stammende Schriftsteller, Journalist und Musikwissenschaftler Raffalt hatte als Vatikankorrespondent der Passauer Neue Presse und war später zum Rundfunk gewechselt. Insbesondere der Kirchenmusik nahestehend, gründete Raffalt die Römische Bachgesellschaft, das Auswärtige Amt wurde auf ihn aufmerksam und machte ihn zum Direktor der Biblioteca Germanica. Raffalt half also auch, nach dem Zweiten Weltkrieg bis hinein in die 1970er Jahre die auswärtige Kulturpolitik mitzugestalten.

Doch in Erinnerung bleibt er wohl vor allem als der Radiomann, als Bayerns Stimme in Rom. Wo er jedoch nicht nur Kaiser Kirchen und Reisewege den Hörern näher brachte. Nein, seine Begeisterung fürs Geschichtenerzählen ließ ihn eines Tages in der Via Cavour (der Straße vom römischen Bahnhof Termini hinüber zum Forum Romanum) auf die Familie Battistini stoßen. Vier ganz gewöhnliche Menschen, mit Neigung zur lauten Lamentation über so manche Widrigkeit des Lebens. Mit den Battistinis schuf Reinhard Raffalt eine Reihe außergewöhnlich dicht und O-tonbasiert erzählter Radioreportagen, nach Art einer frühen Soap Opera. Liebenswürdig, mitfühlend und ganz vom Originalklang erzählt. Diese heute leider ein wenig in Vergessenheit geratenen Neuigkeiten aus der Via cavour sind ein Lehrstück über die Möglichkeiten des Mediums Rundfunk und darüber wie man bei aller journalistischer Distanz engagiert über die so genannten „kleinen Leute“ berichten kann.

Im Verlag Friedrich Pustet erschien jüngst eine Dissertation über Reinhard Raffalt „Ein Leben für die Kultur – Reinhard Raffalt (1923-1976) zwischen Deutschland, Bayern und Italien“ von Julian Traut, Mitarbeiter am Haus der Bayerischen Geschichte in München.

Am Dienstag, 5. Juni 2018 wird Dr. Traut das Buch in der Passauer Buchhandlung Pustet, Nibelungenplatz 1, vorstellen. Die um 19.30 Uhr beginnende Veranstaltung zu einer für die Deutsch-Italienischen Beziehungen essenziellen Stimme aus Passau wurde in Kooperation mit der heuer 25 Jahre alten Deutsch-Italienischen Gesellschaft in Passau e.V. organisiert. Eintritt frei.