„So etwas wie euch habe ich noch nie erlebt“

Annathal. Im vergangenen September weihten die Malteser ihre Rettungswache in Annathal offiziell ein. Damals ist in dem kleinen Ort etwas in Gang gekommen, das ganz Groß ist und bei den Maltesern in der ganzen Diözese Passau einmalig. Eine Handvoll Kinder war es, die einen Entschluss fasste, den sie zielstrebig und hartnäckig verfolgte und nun in die Tat umsetzen konnte: „Wir wollen auch Malteser werden!“

Isabella Gibis, Nico Stadlbauer und Florian Gibis waren die treibenden Kräfte. „Eines Tages haben wir beschlossen, uns die Rettungswache anzuschauen“, berichtet Nico Stadlbauer. „Wir sind dann ein paar Mal hingegangen und die Malteser haben uns Kugelschreiber gegeben. Denn wir hatten ihnen ein Türschild gemacht.“ In der Zeit ist der Entschluss in den Kindern gereift, eine Malteser-Gruppe gründen zu wollen. Und sie verloren keine Zeit, richteten gleich eine eigene WhatsApp-Gruppe ein.

Als sie ihr Anliegen wiederholt an der Wache vorgetragen hatten, gab ihnen Hans Kloiber, der gerade Dienst hatte, ein Blatt Papier. Sie sollten aufschreiben, ob noch mehr Kinder in Annathal mitmachen wollten. „Wir sind gleich durch das Dorf gegangen und haben gefragt. Die meisten haben gesagt, sie schauen sich das einmal an“, berichtet Isabella Gibis.

„Am Vormittag haben wir damit angefangen und um zwei Uhr nachmittags waren wir mit 19 Namen auf der Liste schon wieder an der Rettungswache“, erinnert sie sich noch ganz genau. Hans Kloiber, auch Vorstandsmitglied bei den Maltesern, und seine Rettungsdienst-Kollegen konnten da nur staunen. Im Laufe der Zeit wurden es noch mehr Jung-Malteser: Sage und schreibe 29 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 15 Jahren, fast alle aus Annathal, sind jetzt bei der Gruppe dabei. Damit ist sie die jüngste und zugleich mitgliederstärkste Gruppe der Malteser Jugend in der ganzen Diözese Passau.

Ein Teil der Kinder- und Jugendgruppe Annathal mit ihren Leiterinnen Martina Fastner (3.v.r.) und Lisa Nußhart (l.) sowie Diözesanjugendreferent Johannes Breit (r.) bei der kürzlich stattgefundenen Gruppenstunde (Foto: Krenn)

Nicht nur Diözesanjugendreferent Johannes Breit aus Passau, der kürzlich bei einer Gruppenstunde vorbeischaute, ist schwer beeindruckt von diesem Engagement. „Ich musste erst einmal nachschauen, wo Annathal überhaupt ist“, gibt er zu. Als er merkte, wie ernst es den jungen Leuten mit der Malteser-Gruppe war – sie kamen immer wieder an der Wache vorbei und fragten, wann es denn nun endlich los geht – machte er sich auf die Suche nach einer Leitung. Er brauchte glücklicherweise nicht lange zu suchen, den im Mauther Gemeindegebiet gibt es gleich zwei Malteserinnen, die für diese Aufgabe prädestiniert sind und auch die dafür erforderliche Qualifikation vorweisen können: Martina Fastner, langjähriges Malteser-Mitglied und schon in verschiedenen Führungsfunktionen bewährt, und Lisa Nußhart, die in ihrem Heimatort Karlsbach bereits erfolgreich eine Kindergruppe geleitet hat. Bei ihr rannten die Malteser offene Türen ein: „Ich hatte mir ohnehin gedacht, wenn meine Kinder größer sind, schau ich, ob hier etwas geht“, erklärt sie.

Als die Gruppenleiterfrage geklärt war, gab es grünes Licht: „Jetzt könnt ihr Action machen“, habe er die Kinder aufgefordert, sagt Johannes Breit. Das ließen sich die nicht zwei Mal sagen. Am 20. März konnte endlich die erste Gruppenstunde stattfinden, anfangs waren diese im Gasthaus Gibis, jetzt treffen sich die Akteure im Feuerwehrhaus. Die Verantwortlichen hätten sofort Ja gesagt, bei der Frage, ob der Raum genutzt werden könne, freut sich Martina Fastner.

Das Interesse der Kinder für die Malteser war kein Strohfeuer, es hat nicht nachgelassen. Im Gegenteil: „Ich fungiere als Ausbilderin und gebe den Startschuss. Wir bringen Ideen ein und die Kinder machen den Rest“, berichtet eine sichtlich stolze und zufriedene Martina Fastner. So war es auch bei der Maiandacht, die die Gruppe zusammen organisierte und feierte. Die Kleinen bereiteten den Lichtreichen und Freudenreichen Rosenkranz mit den entsprechenden Gesätzen vor, die sie auch illustrierten, die Großen suchten die Lieder und die Lesung aus. „Die Gruppe traut sich an Glaubensdinge heran. Man sieht, es ist sehr gut umsetzbar“, lobt Johannes Breit diese Initiative.

Darüber hinaus gab und gibt es in der relativ kurzen Zeit, in der sich die Gruppe jetzt trifft, schon zahlreiche andere Aktivitäten. So wurden verschiedene Erste-Hilfe-Themen behandelt, wie die stabile Seitenlage, die Rettungsdecke und es wurden Verletzungen geschminkt. „Ich bekam eine Platzwunde. Die sah so echt aus, meine Mama wäre fast ohnmächtig geworden“, erzählt ein Mädchen.

Auch für die Zukunft ist einiges geplant: Erst soll der Erste-Hilfe-Kurs abgeschlossen werden, dann stehen Grillen, Wandern und eine Schnitzeljagd auf dem Programm. In nächster Zeit wird auch ein Mitglied des Diözesanjugendführungskreises nach Annathal kommen und eine Gruppenstunde unter dem Motto „Rund um die Welt“ gestalten, wie Johannes Breit ankündigte.

Er ist ganz begeistert von den Annathalern Maltesern. Oft fehle bei geplanten Gruppengründungen einer dieser Faktoren: Raum, Leitung oder Kinder. „Hier ist alles da und alle harmonieren sehr gut.“ Die Kinder sind zum Teil Geschwister und die große Altersspanne ist überhaupt kein Problem.

Johannes Breit weiß jetzt natürlich, wo Annathal ist. Und nicht nur das. Er kennt sogar den Namen der Einheimischen: „Annathal ist da, wo die Howareit ist“, sagte er bei der Gruppenstunde und erntete zustimmendes Nicken. Er war voll des Lobes über so viel Engagement: „Ihr seid fantastisch. So etwas wie euch habe ich noch nie erlebt. Dass eine Gruppe so schnell gewachsen ist und dass immer noch so viele da sind.“

Wer auch bei den Maltesern in Annathal mitmachen möchte, kann sich bei Martine Fastner melden: Tel. 08557 1481, E-Mail martinafastner@aol.com.

(Titelbild: Zur Einweihung der Rettungswache im September vergangenen Jahres schenkten Nico Stadlbauer (v.l.), Florian Gibis und Isabella Gibis den maltesern ein selbst gemachtes Willkommensschild. Darüber freute sich auch Rettungsdienst-Mitarbeiterin Judith Egger. Es war der Startschuss zur Kinder- und Jugendgruppe Annathal – Foto: Krenn)

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