„Kontemplationen“ von Sebastian Gessenharter in Spektrum Kirche

(von Tobias Schmidt)

Seit dem Studienende im vergangenen Spätherbst lebt der Kunstmaler Sebastian Gessenharter (31) wieder im Bayerischen Wald. Mit einer Bilderausstellung stellt er sich gegenwärtig im Exerzitienhaus Spectrum Kirche vor. „Kontemplationen“, also nachdenkliche Betrachtungen heißt sie.

Etwa anderthalb Jahre lang nahm sich Gessenharter um die Weihnachtszeit gelesene Bibeltexte vor, und „dachte mit dem Pinsel darüber nach“. Was sind das für Worte und für Charaktere, die uns am Beginn des dritten Jahrtausends da entgegentreten? Etwa die Aussage, dass am Weltenbeginn, dass „im Anfang das Wort bei Gott“ gewesen sei, wie es zu Beginn des Johannesevangeliums heißt. Oder dann das „Personal“ des biblischen Geschehens rund um Weihnachten: Hirten, also einfache Typen vom Land, die den neugeborenen Messias anbeten; und drei weise Männer, die auf der Suche nach eben jenem Messias an den zwielichtigen König Herodes geraten, der einem Kind nach dem Leben trachtet. Ob in einer „heiligen“ Familie nicht auch einmal der Haussegen schief hängt?

Gessenharter entwickelte aus diesen Gedanken Bildthemen. Manches kennt man, ohne besonders kunsthistorisch beschlagen zu sein, anderes ist bewusst „in unsere Zeit hineingemalt“. Apropos Zeit, wie lässt sich überzeitliche Gültigkeit dieser Texte malerisch ausdrücken? Gessenharter tut dies, indem er Bewegungsphasen ins Bild einbringt. Schemenhaft ist etwa noch der Jesus zu sehen, bevor er zur Taufe in den Jordan steigt, die Gottessohnschaft, der Hinweis auf den kommenden Christus ist also als Ablauf als zukünftiges Geschehen mitgedacht. Eine andere Form der Darstellung sind Vexierbilder, die Gessenharter aus der italienischen Renaissancemalerei entlehnt hat. Sein „kosmischer Christus“ schwebt quasi in und über allem: über Johannes dem Täufer, Adam und Eva, die miteinander ringen, einem Affenkopf, der auf die Evolutionslehre verweist, einer unserer säkularen Moderne entlehnten Zweiflergestalt.

Hängt in einer heiligen Familie auch mal der Haussegen schief? Wird besonders engagiert diskutiert? Sind Heilige immer „irgendwie entrückt“? Beim Bild „Interde-pendenzen“ setzte sich der Maler mit dem Bildtypus der „sacra conversazione“ aus-einander. Und während auf den Renaissancevorbildern das Sprechen immer nur angedeutet ist, nimmt Gessenharter es hier ganz wörtlich (Foto: Schmidt)

Ein weiterer Clou: Die Farbgebung dieses Bilds im Bild lehnt sich an die kosmische Hintergrundstarhlung an, wie sie das Hubble-Teleskop für das menschliche Auge sichtbar macht.

Die wegen ihrer vielen Skizzen spannende und umfangreiche Ausstellung ist noch bis 2. Februar 2020, in Spectrum Kirche Passau-Mariahilf, Heilig-Geist-Kapelle, Schärdinger Str. 6, zu sehen. Um telefonische Anmeldung unter 0851 93144103 wird gebeten, der Eintritt ist frei.  

Gebauchpinselt fühlt sich Sebastian Gessenharters König Herodes, dass er nach dem neugeborenen Jesus gefragt wird. Doch in Wahrheit ist er auf Mord aus. Eine janusköpfige Gestalt. Also malt ihn Sebastian Gessenharter auch eben so (Foto: Schmidt)
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