Im Haus und auf der Terrasse sind sie wenig beliebt, doch im Ökosystem erfüllen sie eine wichtige Aufgabe: Ameisen beseitigen pflanzliche Abfälle und tote Tiere, sie fressen Eier von Insekten und Schnecken und sind als wichtiger Bestandteil der Nahrungskette auch für viele Vogelarten wichtig. Obwohl sie in der artenschutzrechtlichen Prüfung nicht ausdrücklich behandelt werden, wird beim Bau der Ortsumgehung Vilshofen auch Rücksicht auf diese Insekten genommen: In den vergangenen Wochen wurden entlang der künftigen Trasse sieben Ameisenhaufen umgesetzt

Vilshofen. Bei Baustellenbegehungen wurden die Ameisenhaufen, die sich im Bereich der künftigen Trasse befinden, vorsichtig ausgegraben. In speziellen Behältern wurden sie abtransportiert und in geeigneten Ausgleichsflächen wieder angesiedelt.

Der Aufwand muss sein: „Im Ökosystem baut alles aufeinander auf, Insekten bilden die Basis“, erklärt Franz Kappendobler, Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Landschaftsplanung. Um die Eingriffe durch den Bau der Ortsumgehung auszugleichen, müssen intakte Ausgleichsflächen geschaffen werden – und dafür sind auch Ameisen unverzichtbar.

Ameisen der Gattung Myrmica zum Beispiel sichern das Überleben des Dunklen Wiesenknopfameisenbläulings. Für diesen artenschutzrechtlich streng geschützten Schmetterling wurde eigens eine Extensivwiese angelegt, auf der seine Futterpflanze, der Große Wiesenknopf, wächst. Der Schmetterling lebt in Symbiose mit den Ameisen: Er legt seine Eier in den Ameisenhaufen, wo die Raupen dann von den Ameisen gefüttert werden, bis sie sich verpuppen.

(Foto: Staatliches Bauamt Passau)

Die Ameisenschutzwarte, Landesverband Bayern, weist auf die Wichtigkeit von Waldameisen hin: Diese leisten einen wichtigen Anteil, um das Ökosystem Wald zu stabilisieren, sie verbessern den Boden im Nestbereich, verbreiten Pflanzensamen und bieten in ihrem Nest Lebensraum für viele Tierarten. Noch ein paar Gründe mehr also, bei Ausgleichsmaßnahmen auch Rücksicht auf die kleinsten Insekten zu nehmen.

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