Noch bis einschließlich 25. August läuft „Jazz im Rathausinnenhof“

(von Tobias Schmidt)

Erneut wird die von JazzFest Passau e.V. mit Hilfe zahlreicher Unterstützer veranstaltete allabendlichen Open Air-Konzertreihe aus der Welt der Blue Notes gut angenommen. Neben „Standards“, den Jazzschlagern, über Schlager im wörtlichen Sinne, erwartet die Besucher heuer auch Bluesrock und… …Minimal Music. In den späten 1950er Jahren von US-amerikanischen Komponisten in Auseinandersetzung mit ostasiatischen Musiktradionen entwickelt, werden hier kleine, „Pattern“ genannte, Tonreihen in einem fort wiederholt und im so genannten Phasing „rhythmisch verschoben“. So entsteht ein Klangeindruck von Musik als hörbar gemachter „Zeitkunst“, die zugleich die Zeit aufzulösen scheint. Diese, von Terry Riley, Lou Harrison, Steve Reich und anderen entwickelte Tonsprache „schlägt den Ohren und dem Hirn ein Schnippchen“. Sie ist aber auch eine Absage ans „Leitmotiv“ der Klassik, ja selbst an das „Riff“ im Rock – und dennoch hinterlässt die Minimal Music überall dort ihre Spuren.

Der aus Straubing stammende und heute in Regensburg lebende Gitarrist Andreas Dombert – er ist Kulturförderpreisträger beider Städte – setzt in seinen Kompositionen für Jazzgitarre solo Minimal Music ins Jazzidiom. Ziemlich einmalig, darum international beachtet, 2017 mit einer ECHO-Nominierung bedacht, und am 17.8. beim JazzFest Passau live zu erleben.

Tags darauf verbeugt sich der Schweizer Saxophonist Martin Kern, begleitet von Carlton Holmes (p), Wolfram Derschmidt (db) und Christian Salfellner (dr) vor großen reeds men des Bebop, Hard Bop und des Contemporary Jazz, also vor Dexter Gordon, Joe Henderson, Lou Donaldson und natürlich Sonny Rollins und John Coltrane.

Ein Konzerthit des vergangenen Jahres kommt am 19.8. erneut auf die Bühne: „So gut wie neu“ heißt das Programm von Christiane Öttl, Gerald Braumandl und Markus Schlesag mit Schlagern der 1950er und 1960er Jahre. Also Musik aus jener Zeit, als die alte Bundesrepublik mit den Caprifischern, der „Zuckerpupe aus der Bauchtanztruppe“, ganz Paris, das von der Liebe träumt, oder den auf die Beine von Dolores erpichten Toreros das Fernweh entdeckte. Und den lange verpönten Swing wiederentdeckte. Die Stimmen der Zeit und die Tanzorchester waren großartig und innovativ. Und die Lieder? Von emanzipiert, über vermeintlich unschuldig bis verrucht ist hier viel aus und zwischen den Zeilen heraus zu hören. Und wer mag, singt einfach mit.

Andrea Dombert (Foto: Michael Schoellhorn)

Gleich drei Abende lang, vom 20.-22.8. feiern die französischen Les Lapins Superstar zeitgenössische Version der historischen Brassbands. Und weil die in New Orleans, an der afroamerikanischen Wiege der so genannten Popularmusik, entstanden, sind Afrobeat, Funk, Reggae, Rap oder HipHop bei den 20 jungen „Hasen“ (frz. „lapin“) auf der Bühne mit von der groovenden Partie.

Jazzfunk ganz ohne Bläser, dafür aber mit dem E-Piano á la Herbie Hancock gibt es am 23.8. beim heuer auch schon wieder zwanzig Jahre jungen Martin Reiter Electric Trio.

Tags darauf gibt sich das Quintett Tigaburger aus Nürnberg und Leipzig ergänzt um Sängerin Linda Mund ein Stelldichein im Rathaushof. Wer Keith Jarretts Musik einmal weniger solemn intoniert, sondern spritzig mit Saxophon und Posaune sowie reichlich Vibraphon angereichert hören mag, ist hier richtig.

Und zum Kehraus am 25.8.? Da gibt es Blues. Die Münchner Formation Muddy What? spielt Klassiker des Genres von Traditionals über dylanesk Geadeltes bis zu Rocksongs im Bluesidiom. Doch aufgepasst, am Ende dieser Passauer Sommerjazzreihe stehen nicht umsonst Bands, die weniger Pflege des Jazzkanons betreiben, als das sie Traditionsmusik gezielt „musikalisch verjüngen“. Und so schmuggeln auch Fabian und Ina Spang (Gitarre, Mandoline, Gesang) gemeinsam mit Michi Lang (Schlagzeug, Bass) bisweilen Eigenkompositionen ins Programm.

Die Konzerte beim Jazzfest Passau 2018 beginnen um 20 Uhr, mit Ausnahme des „Schlager-Trios“ von Christiane Öttl am 19.8. Hier bereits Beginn um 17 Uhr im Innenhof des Alten Rathauses (Eingang über die Schrottgasse). Bei schlechter Witterung finden die Konzerte im Café Museum, Bräugasse 17, statt. Eintritt frei. Mehr Informationen auch unter www.cafe-museum.de/jazzfest-passau.html.