Profitipps: Ein gebrauchtes E-Bike kaufen

(Quelle: VeloMotion.de)

Diese 30 Punkte checkt der E-Bike-Profi

Die Folge: die Chancen auf dem Gebrauchtmarkt steigen – Verkäufer tun sich leichter ein altes Bike zu verkaufen – egal ob mit oder ohne E-Unterstützung und für Kaufinteressenten ist das Angebot relativ groß. (Hier geht’s zum Gebrauchtmarkt auf Velomotion.de, wo Käufer fündig werden und Verkäufer ihre (E)Bikes kostenlos anbieten können.)

Doch Vorsicht ist geboten. Auch wenn hinter vielen Klicks auf diversen Portalen, wie etwa ebay-Kleinanzeigen, die Versuchung auf ein Schnäppchen lauert, ist gesundes Misstrauen angebracht. Der E-Bike-Markt hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt sowohl technisch als auch in Sachen Design. Ein E-Bike, das vor sechs, sieben Jahren State-of-the-Art war ist heute möglicherweise nur noch schwer vermittelbar.

Die Velomotion-Redaktion hat die Entwicklung des E-Bikes seit mehr als 15 Jahren hautnah miterlebt und mehr als 1.000 unterschiedliche Modelle getestet. Wir kennen die Tricks der Verkäufer und die Schwächen der einzelnen Modelle und Komponenten. Wer sich also auf den Gebrauchtmarkt begibt, um ein passendes E-Bike zu finden, muss unbedingt ein paar grundlegende Regeln beachten.

Drei Tipps für den E-Bike-Kauf vorab

  1. Ruhig und misstrauisch bleiben – keine überstürzten Spontankäufe!
  2. Niemand hat etwas zu verschenken – vermeintliche Schnäppchen könnten zum Draufzahlgeschäft werden!
  3. Vorab eine Checkliste machen und diese abhaken.

Sollte ein E-Bike Schwächen zeigen, die einen Werkstattbesuch nötig machen, bedenkt bitte, dass die Wartezeiten für einen Termin aktuell mehrere Wochen lang und viele Ersatzteile Mangelware sind – gerade auf einfache Basis-Teile wie Ketten oder Bremsscheiben wartet man möglicherweise wochenlang.

Wie also vorgehen, wenn im Internet ein interessantes E-Bike angeboten wird? Die Profis von Velomotion.de geben die richtigen Tipps, damit der Gebrauchtkauf kein Reinfall wird.

Ein potenzielles Angebot sollte nicht zu weit entfernt sein. Wie weit wären Sie bereit für ein neues Traumbike zu fahren? Ein persönlicher Besichtigungstermin sollte Pflicht sein. Niemals die Katze im Sack kaufen. Dazu kommt, dass es teuer und aufwändig ist ein E-Bike zu verschicken (Gefahrgut durch den Akku!) und dass das neue Bike beim Transport beschädigt werden könnte.

Den Besichtigungstermin nur bei schönem Wetter machen. Viele Macken entdeckt man nur bei Tageslicht und die Probefahrt will man nicht durch den strömenden Regen machen.

Größe: Passt das Bike? Nicht aus Verzweiflung ein Rad kaufen, das zu groß oder zu klein ist. Leichte Anpassungen über Sitzhöhe oder am Lenker lassen sich vornehmen. Ist das Rad aber deutlich zu groß oder zu klein, Finger weg!

Wo wird das E-Bike aufbewahrt? Ist eine Garage vorhanden? Stand es trocken und frostsicher? Ein Bike, das lange und oft draußen geparkt wurde leidet.

Hat der Vorbesitzer „Ahnung von Fahrrädern“? Ein leidenschaftlicher Radfahrer ist leicht daran zu erkennen, wie er (oder sie) über sein Bike und die Ausstattung spricht. Geht davon aus, dass ein Bike-Nerd sein Bike besser pflegt, als derjenige, der das E-Bike nur als Fortbewegungsmittel, also als Mittel zum Zweck, sieht oder möglicherweise gar nicht oft damit gefahren ist.

Gibt es Nachweise über Service in der Fachwerkstatt? Zwar wird für E-Bikes üblicherweise kein offizielles Serviceheft wie beim Auto geführt; doch ein gewissenhafter Vorbesitzer geht wenigstens einmal jährlich zum Service in eine Qualitätswerkstatt und bewahrt die Dokumentationen auf.

Auch ein Nachweis über den Kauf des Bikes sollte vorhanden sein. E-Bikes werden gestohlen und zum Kauf angeboten – das kann böse enden, wenn Geld und Bike futsch sind. Auch dass der Vorbesitzer das Bike ebenfalls schon gebraucht gekauft hat ist möglich und sollte belegbar sein.

Handelt es sich um ein ehemaliges Leasing-Bike? Das kann ggf. ein großer Vorteil sein. Leasing-Bikes werden sehr gut serviciert, da Service und Verschleiß in den Versicherungsleistungen beim Leasing inkludiert sind.

Welcher Preis ist fair? Die Knappheit an schönen E-Bikes auf dem Markt lässt auch die Preise für Gebrauchtbikes steigen. Als Faustregel würden wir für die ersten drei Jahre einen jährlichen Wertverlust von rund 20 Prozent veranschlagen. Hat ein E-Bike also vor drei Jahren 3.000 Euro (UVP) gekostet sind bei guter Pflege und fachmännischem Service nach einem Jahr 2.400 Euro, nach zwei Jahren 1.800 Euro und nach drei Jahren 1.200 Euro realistisch. Dies aber nur als grobe Orientierung.

Finger weg vom Billigbike! Bleiben Sie bei Fachhandelsmarken. Dies gilt sowohl für die Radmarken selbst als auch für Motor und Akku: Bosch, Shimano, Brose, Yamaha – hier ist auch für die nächsten Jahre eine gute Ersatzteillage garantiert.
Billigbikes aus dem Internet (etwa direkte Asienimporte, wie sie bei Amazon oder ebay zu finden sind) sollte man schon neu nicht kaufen und gebraucht erst recht nicht.

Bei der Besichtigung des Bikes empfiehlt der Fachmann folgende Punkte zu checken

Erster Gesamteindruck: Ist das Rad gepflegt und sauber? Wer sich nicht mal für den Verkauf die Mühe macht das Rad ordentlich zu putzen hat das auch sicher vorher nicht getan.

Wurden Umbauten vorgenommen? Im Internet lassen sich von jedem Modell Bilder des originalen Ausstattungszustandes finden. Bitte vergleichen: Wurde der Sattel gewechselt, wurden Schutzbleche oder Gepäckträger demontiert, was ist mit der Lichtanlage?

Zeigt das E-Bike Sturzspuren? Kratzer an den Bremsgriffen, an Pedalen oder dem Schaltwerk sind die ersten Indizien, da diese immer zuerst Bodenkontakt haben.

Lässt sich das Bike ohne Murren einschalten? Vor allem Bikes mit Einschalttaster am Akku können manchmal zickig sein.

Display prüfen: Ein älteres Display kann Pixelfehler haben oder durch Schläge von außen schlecht oder gar nicht mehr lesbar sein, obwohl es keinerlei Beschädigung zeigt.

Schlüssel: Sind alle Schlüssel vorhanden? Lässt sich damit der Akku sauber und leichtgängig entnehmen und auch wieder sicher verriegeln. Bei E-Bikes mit Rahmenschloss sollte dieses gleichschließend mit dem Akkuschloss sein.
Gibt es eine Code-Karte zum Nachbestellen von Schlüsseln (bspw. Abus)?

Läuft die Gangschaltung sauber durch alle Gänge? Bei Kettenschaltungen ist das Schaltauge (die kleine Öse, an der das hintere Schaltwerk festgeschraubt ist) eine Sollbruchstelle. Dieses Schaltauge verbiegt leicht. Vor allem wenn ein Bike auf diese Seite gefallen ist (Sturzspuren) oder im Auto auf dieser Seite liegend transportiert wurde. Ein Schaltauge kann vom Fachmann leicht getauscht werden; doch ist es verbogen wirkt sich dies negativ auf die Schaltung aus und es lassen sich nicht mehr alle Gänge sauber durchschalten.

Verkratztes Schaltwerk (Quelle: VeloMotion.de)

Bremsen: Ein modernes E-Bike verfügt in der Regel über hydraulische Scheibenbremsen
– diese sind kein Muss aber bei teureren E-Bikes eigentlich Standard. Bitte mehrere Faktoren prüfen.
– Lassen sich die Bremshebel bis zum Lenkergriff durchdrücken? Dann ist die Bremspower eingeschränkt und vermutlich müssen die Hydraulikleitungen entlüftet werden.
– Machen die Bremsen ein unangenehm metallisches Schleifgeräusch? Dann sind die Beläge abgenutzt und müssen getauscht werden. Zeigt auch die Bremsscheibe Verschleiß und kreisförmige Schleifspuren sind die Bremsbeläge schon länger „runter“ und auch die Scheiben müssen getauscht werden.
– Quietschen die Bremsen laut? Das kann sehr unangenehm und sehr laut bis ohrenbetäubend sein. Entweder sind die Bremsscheiben verschlissen oder der Bremssattel sitzt nicht ganz parallel zur Bremsscheibe. Ist kein mechanischer Fehler auszumachen kann ein „Brake-Silencer“ Spray etwa von SwissStop Wunder wirken.

Licht: Funktioniert die Lichtanlage fehlerfrei? Frontstrahler und Rücklicht werden am E-Bike in der Regel aus dem Akku gespeist – deshalb sollten sie anstandslos funktionieren, da die Fehlersuche sonst kompliziert werden kann.

Akku: Wurde der Akku sachgemäß gelagert und geladen? Bei längeren Standzeiten (vor allem im Winter) sollte er im Haus gelagert werden – idealerweise bei einem Ladestand von rund 75 %.
Den Akku entnehmen und die Kontakte prüfen. Sind diese sauber, frei von Schmutz und Wasser und zeigen keinerlei Anzeichen von Korrosion?
Das Akkugehäuse darf auf keinen Fall Spuren von Manipulation zeigen. Dieses muss makellos sein. Die Akkus, von denen die gruseligen Brandgeschichten zu hören sind, sind praktisch immer Akkus, die vorher runtergefallen sind oder die geöffnet wurden und an denen gebastelt wurde. Ein tadelloser Markenakku setzt sich nicht von selbst in Brand.

(Quelle: VeloMotion.de)

Motor: Wurden beim Service die Updates der Motorsoftware gemacht (Belege)? Wurde am Motorgehäuse manipuliert? Wurde der Motor getuned? Finger weg von Bikes mit Motortuning – egal ob dieses Tuning noch aktiv ist oder jemals war. Der Motor, wie das gesamte Bike, leidet unter den deutlich höheren Geschwindigkeiten, für die ein E-Bike nicht ausgelegt ist.

Laufleistung: Einem modernen E-Bike machen Laufleistungen von mehreren Tausend Kilometern nichts aus, sofern es gut gepflegt und Verschleißteile gewechselt werden. Ein Bike das allerdings als Pendler-Fahrzeug genutzt wurde und deutlich fünfstellige Laufleistungen aufweist muss besonders kritisch begutachtet werden. Das Display zeigt die Gesamtlaufleistung eines E-Bikes an. Räder ohne Display, die über eine Smartphone-App gesteuert werden zeigen in der App sogar noch einige Informationen mehr über den Gebrauch an.

Reifen: Reifen am E-Bike verschleißen durchaus, sind aber auch schnell und meist kostengünstig und einfach selbst zu wechseln. Entsprechend sollte ein Bike zur Probefahrt auch nicht mit völlig abgefahrenen oder sogar platten Reifen negativ auffallen.

Federgabel und Dämpfer: Auch City- und Trekkingbikes sind heute fast immer mit Federgabeln ausgestattet; vollgefederte Mountainbikes zusätzlich mit einem Hinterbau-Dämpfer. Auch die luftgefederten Bauteile müssen regelmäßig serviciert werden. Bitte darauf achten, dass die Tauchrohre von Gabel und Dämpfer sauber und kratzerfrei sind. Es sollten keine Spuren von ausgetretenem Öl zu sehen sein. Natürlich müssen beide, Gabel und Dämpfer, ordnungsgemäß funktionieren und auf das Fahrergewicht anpassbar sein.

Vorbau/Steuersatz: Diese müssen fest sitzen und dürfen kein Spiel zeigen. Zur Prüfung am besten die Vorderradbremse ziehen und am Lenker mit beiden Händen nach vorne und hinten wackeln. Ist ein Klackern bzw. Lagerspiel im Bereich des Lenkervorbaus (Gabelschaft) zu spüren, so ist zu analysieren, wo das Spiel herkommt und auf jeden Fall zu beheben. Dies muss kein gravierender Mangel sein, kann aber zu einem werden und im schlimmsten Fall einen Sturz auslösen.

Kette und Ritzel: Am E-Bike muss, wegen der höheren Kräfte, die Kette spätestens alle 1.500 bis 2.000 km gewechselt werden. Sonst leiden nämlich auch die Zahnkränze (Ritzel) vor allem hinten am Hinterrad. Diese zu wechseln ist deutlich aufwändiger und teurer. Eine neue Kette kostet nur rund 20 bis 30 Euro und Vielfahrer können diese mit etwas Übung selbst wechseln.

(Quelle: VeloMotion.de)

Wer sich obige umfangreiche Checkliste selbst nicht zutraut, sollte einen fahrraderfahrenen Freund/Freundin mit zur Probefahrt nehmen. Wer schon öfters E-Bike gefahren ist, dem fallen Unzulänglichkeiten ungleich schneller auf als einem Neuling.

Und wer auf Nummer sicher gehen will oder ein besonders teures Bike kaufen möchte, der besteht auf einen Qualitätscheck durch eine Fachwerkstatt, die das E-Bike mit speziellen Analyse-Tools genauestens untersuchen kann. So ist bspw. der Zustand des Akkus (Anzahl der Ladezyklen, Kapazität) auslesbar. Diese Prüfung im Fachbetrieb kostet zwar ein wenig Zeit und Geld, sollte aber vom gewissenhaften Verkäufer durchgeführt ohnehin werden, da es die Verkaufschancen erhöht und damit auch den erzielbaren Verkaufspreis.