Ernteverkehr auf Landstraßen: Brisante Mischung

Vorsicht, Erntefahrzeuge – Sicherheitspolster einbauen

In den Erntemonaten ist auf Landstraßen besondere Vorsicht geboten, erinnern die Unfallsachverständigen von DEKRA. Fahrerinnen und Fahrer müssen dort vermehrt mit Fahrzeugen im Ernteeinsatz rechnen. „Langsame Erntefahrzeuge und schneller fahrende Pkw und Motorräder, das ist eine brisante Mischung, die das Risiko auf den ohnehin stark unfallgefährdeten Landstraßen zusätzlich erhöht“, sagt Andreas Schäuble, Unfallforscher bei DEKRA.

Vor allem auf unübersichtlichen Streckenabschnitten ist eine vorsichtige und vorausschauende Fahrweise gefragt. Hinter der nächsten Kurve oder Kuppe kann ein Traktor mit voll beladenem Anhänger oder ein überbreiter Mähdrescher auftauchen. Zu den typischen Gefahrenstellen gehören auch Kreuzungen und Einmündungen. „An den oft schlecht einsehbaren Knotenpunkten sollte man darauf gefasst sein, dass überraschend ein landwirtschaftliches Fahrzeug einbiegt.“

„Bauen Sie beim Fahren ein größeres Sicherheitspolster ein und bleiben Sie bremsbereit“, sagt der Sachverständige Schäuble. „Eine Kollison mit einem landwirtschaftlichen Fahrzeug führt wegen fehlender Knautschzonen und hervorstehender Anbauteile häufig zu schweren Folgen als gewöhnlich.“ In der Erntezeit ist außerdem mit stärker verschmutzten Fahrbahnen zu rechnen. Dies aber verlängert die Bremswege und erhöht die Schleudergefahr. Kommt ein Regenguss hinzu, können sich solche Abschnitte schnell in gefährliche Rutschbahnen verwandeln.

Besondere Vorsicht ist auch beim Überholen geboten, selbst wenn Traktor oder Gespann noch so langsasm fahren. Um eine Gefährdung und Behinderung des Gegenverkehrs auszuschließen, sollten Erntefahrzeuge nur überholt werden, wenn die gesamte Strecke problemlos und vollständig einsehbar ist und zum Überholen genügend Sicherheitsabstand eingehalten werden kann, ansonsten heißt es abwarten. Das gilt auch, wenn die Blinkleuchten des Erntefahrzeuges verdeckt sind und unklar ist, ob ein Abbiegemanöver bevorsteht.

Angrenzende Bäume, Kurven und Kuppen machen Landstraßen oft schwer einsehbar, auch kann die Geschwindigkeit des Gegenverkehrs leicht falsch eingeschätzt werden.

Zudem ist stets damit zu rechnen, hinter Kurven und Kuppen auf Gegenverkehr zu treffen. „Deshalb mein Rat: Gehen Sie kein Risiko ein und verzichten auf ein Überholmanöver, wenn Sie geringste Zweifel haben, dass die Sicherheit über die gesamte Strecke gewährleistet ist. Oft lohnt es sich, einfach hinten einem Traktor etwas abzuwarten, da Landwirte oft nur kurze Strecken zwischen ihren Feldern und Höfen zurücklegen“, so der Experte. Um Missverständnisse zu vermeiden, empfiehlt es sich, eine Überholabsicht mit einem kurzen Hupsignal anzukündigen.

Landwirte hingegen sollten vor Beginn jeder Fahrt darauf achten, dass die Beleuchtungseinrichtungen ihrer Traktoren und mitgeführten Anhänger funktionsbereit, sauber und sichtbar sind. Ebenso ist eine ausreichende Ladungssicherheit erforderlich, sowie das zulässige Gesamtgewicht des Erntefahrzeugs zu beachten. Lassen sich Fahrbahnverschmutzungen nicht vermeiden, müssen sie insbesondere bei Regenwetter möglichst rasch entfernt und durch ein Warndreieck gekennzeichnet werden.