Regensburg. Am 23. März fand im ‚Bräustüberl’ in Regensburg die Mitgliederversammlung der Seliger-Gemeinde, Regionalgruppe Niederbayern-Oberpfalz statt.

Bei der Seliger-Gemeinde handelt es sich um die Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten, die am 4. Juni 1951 in München gegründet wurde. Sie nannte sich nach dem 1. Vorsitzenden der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) in der Tschechoslowakei, Josef Seliger. So nimmt die Seliger-Gemeinde noch heute das politische und geistige Erbe der früheren DSAP wahr, zusammen mit all den in jener Dunklen Zeit nach Deutschland vertriebenen und den in den Exilländern verbliebenen deutschböhmischen und deutschmährischen Sozialdemokraten.

Die Regionalgruppe Niederbayern-Oberpfalz der Seliger-Gemeinde wurde im November 2016 gegründet. Zur Vorsitzenden wurde die Bundestagsabgeordnete – und heute Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz – Rita Hagl-Kehl gewählt.

Zwei Programmpunkte standen an diesem Abend im Vordergrund. Einerseits die Vorstellung der Tschechischen Schule Regensburg e.V. durch Barbora Pokorny, Vorsitzende des Vereins und im Anschluss die Buchvorstellung ‚Die sudetendeutschen Sozialdemokraten und die bayerische SPD 1945 bis 1978‘ durch Autor und Seliger-Gemeinde Regionalgruppen-Mitglied Bastian Vergnon.

Tschechische Schule Regensburg e.V.

Der Verein wurde im Jahr 2013 gegründet mit dem Ziel, den Erwerb der tschechischen Sprache bei Kindern aus deutsch-tschechischen und tschechischen Familien in Regensburg und Umgebung zu unterstützten und somit auch zu erhalten. Im Jahr 2017 verzeichnete der Verein 78 Mitglieder, davon 50 Erwachsene und 28 Kinder.
Ab 2017/18 richtet sich der Unterricht für Schulkinder in den Fächern „Tschechische Sprache und Literatur“ sowie in tschechischer Geschichte und Landeskunde nach eigenem Bildungsplan der Tschechischen Schule Regensburg, entsprechend dem Bildungsplan für Grundschulen in der Tschechischen Republik und in Anlehnung an das Bildungsprogramm der internationalen Organisation ‚Tschechische Schulen ohne Grenzen‘ unter Berücksichtigung des bayerischen Bildungssystems. Qualifizierte (muttersprachliche) Lektorinnen und Lektoren aber auch interessierte Studierende aus Tschechien – die in Deutschland studieren oder Informationen für ihre Diplomarbeit sammeln – leiten die Kurse. Diese spielerischen Kurse finden nachmittags und an Wochenenden statt und werden in tschechischer Sprache durchgeführt. Dabei wird der Unterricht stets dem individuellen Entwicklungsstand der Kinder angepasst, was dank den kleinen Gruppen auch möglich ist.

Der Verein ‚Tschechische Schule Regensburg‘ (www.ceskaskolavrezne.de) finanziert sich durch die Mitgliederbeiträge und weiteren Privatspenden. Im Jahr 2017 erhielt der Verein zudem Spenden vom Auswärtigen Amt der Tschechischen Republik mit Unterstützung des Tschechischen Generalkonsulats München und vom tschechischen Schulministerium.

Von den Ausführungen von Barbora Pokornys waren die Anwesenden sehr angetan, ebenso von den zahlreichen Aktivitäten des Vereins ‚Tschechische Schule Regensburg‘ und der Notwendigkeit einer solchen Einrichtung, gerade im Grenzgebiet Tschechien/Deutschland. So sicherten die Mitglieder der Seliger-Gemeinde Pokorny Unterstützung zu, insbesondere bei der Prüfung weiterer Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung, aber auch bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten (eigene Klassenzimmer) in bereits bestehenden Schulsystemen in Regensburg.

‚Die sudetendeutschen Sozialdemokraten und die bayerische SPD 1945 bis 1978‘

Spannend ging es im Anschluss gleich weiter, als Bastian Vergnon seine Dissertation in den wesentlichsten Grundzügen vorstellte. Vergnon studierte an der Uni Regensburg Geschichte und Politikwissenschaft. Nach einer kurzzeitigen Tätigkeit am Institut für Zeitgeschichte und im bayerischen Landtag war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Regensburg beschäftigt und veröffentlichte unter anderem im Projekt ‚Die tschechisch-bayerische Grenze im Kalten Krieg‘.

Noch heute nimmt die Allgemeinheit Sudetendeutsche und SPD seit den 1970er Jahren eher als Gegner wahr. Doch vor allem waren es die sudetendeutschen Sozialdemokraten, die in der bayerischen Sozialdemokratie eine starke Rolle spielten. Basierend auf umfangreichen Archivrecherchen und Zeitzeugen-Interviews zeigt Vergnon in seiner Arbeit die Verankerung dieser Vertriebenen-Gruppe in der Bayern-SPD auf, sondern auch die Versuche der Partei, diese Personen für sich zu gewinnen. So schlägt das Werk einen Bogen von der Vorgeschichte in der Tschechoslowakei bis 1945, über die heute ebenfalls unbekannte „selbstorganisierte“ Vertreibung der „Aktion Ullmann“ bis hin zu den Kämpfen um Einfluss in der Sudetendeutschen Landsmannschaft während der Neuen Ostpolitik.