Gedächtnislesung und Ausstellung zum 90. Geburtstag Pavel Kohns am 6. November

(von Tobias Schmidt)

Am 14. Oktober wäre der Dramaturg, Publizist, Lyriker und Zeitzeuge Pavel Kohn 90 Jahre alt geworden. Als Jugendlicher überlebte er die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Buchenwald; als junger Familienvater emigrierte er in die Bundesrepublik, leitete zweiundzwanzig Jahre die tschechoslowakische Abteilung des Rundfunksenders Radio Freies Europa in München und wurde schließlich in Triftern im Landkreis Rottal-Inn sesshaft. Er starb am 18. Juni 2017.

Manche Passauer kannten ihn als künstlerischen Begleiter seiner Frau, der Malerin Rut Kohn. Auch als Zeitzeuge war Pavel Kohn gefragt, etwa im Rahmen der dokumentarischen Höredition „Die Quellen sprechen“ des Bayerischen Rundfunks und des Instituts für Zeitgeschichte. Oder anlässlich des 70. Jahrestags des Todesmarsches von Nammering im April 2015, wo er keine Rede hielt, sondern einen alles in allem nüchternen und doch sehr bewegenden Lebensbericht gab. Von der zunehmenden Einschränkung von Rechten im Alltag für Juden im Prag der Vorkriegsjahre, die Leiden in Konzentrationslagern und auf Häftlingsmärschen, die für ihn als 15-Jährigem und einzigem Überlebenden seiner Familie endeten. Stets hat er auch betont, dass er seine Rettung in den Nachkriegswirren dem Pazifisten, Pädagogen und evangelischen Theologen Přemysl Pitter und dessen Mitstreitern verdankte. Sie hatten in vier Schlössern nahe Prag Erholungsheime eingerichtet. Für Kinder, die aus Konzentrationslagern zurückkamen, später auch – gegen einige Widerstände – deutsche Kinder aus tschechischen Nachkriegsinternierungslagern. Eine mutige, insgesamt wohl noch zu wenig bekannte Versöhnungsgeschichte.

Am 14. Oktober 2019 wäre der Dramaturg, Publizist, Lyriker und Zeitzeuge Pavel Kohn 90 Jahre alt geworden (Foto: Georg Thuringer)

„Schlösser der Hoffnung“, ein Anfang der 2000er Jahre erschienenes Buch mit Zeitzeugenberichten damaliger Kinder, ediert von Pavel Kohn, erzählte sie einmal mehr neu. Seinen autobiographischen Blick auf den mutigen Menschenfreund, dem er in den frühen 1970er Jahren in München beim Rundfunk wieder begegnet war, nannte Pavel Kohn „Mein Leben gehört nicht mir: über Persönlichkeit und Werk des Humanisten Přemysl Pitter“.

Eine zweite Auflage dieses heute vergriffenen Buches, konnte Pavel Kohn nicht mehr abschließen. Der lichtung verlag aus Viechtach hat sich dieser Aufnahme angenommen, das Buch erscheint nun dort neu übersetzt und überarbeitet.

Buchumschlag (Quelle: edition lichtung)

Am Mittwoch, 6. November um 18 Uhr lädt die dem Ehepaar Kohn lange verbundene Galerie Eva Priller zu einer Gedächtnislesung und Ausstellungseröffnung ein. Gelesen werden Passagen aus „Mein Leben gehört nicht mir“ und auf Deutsch bislang unveröffentlichte Jugendgedichte Kohns aus der Zeit nach seiner Befreiung 1945, die noch heuer in einem Lyrikband veröffentlicht werden.

Die kleine Ausstellung mit Bild- und Textdokumenten aus sehr dunklen, aber auch helleren Zeiten ist anschließend noch bis 24. November jeweils Donnerstag bis Sonntag, 15-18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. 0160 2146026 in der Galerie Eva Priller, Kleine Messergasse 1/Ecke Höllgasse bei freiem Eintritt zu besichtigen