IHK-Analyse zeigt Frauenanteil in den Betrieben – „verschenktes Potenzial“

Wie weiblich ist die Wirtschaft in Niederbayern? Eine Auswertung der Mitgliedsdatenbank der IHK Niederbayern zeigt: Unternehmerinnen sind eher in kleineren Betrieben aktiv. Im Bereich der sogenannten „Kleingewerbetreibenden“ liegt der Frauenanteil bei 28,7 Prozent. Blickt man auf die größeren, im Handelsregister eingetragenen Firmen, liegt der entsprechende Anteil bei 19,6 Prozent – damit ist in diesen Unternehmen jede fünfte Führungskraft weiblich. „Die Frauen spielen eine wichtige Rolle in der regionalen Wirtschaft. Gerade angesichts des Fachkräftemangels – auch im Führungsbereich – ist hier aber durchaus noch Luft nach oben“, kommentiert IHK-Präsident Thomas Leebmann die Ergebnisse.

Auch nach Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede. Überdurchschnittlich stark vertreten sind Unternehmerinnen im Dienstleistungsbereich, beispielsweise ist jeder dritte Betrieb im Gastgewerbe in oder mit in weiblicher Hand. Auch im Handel sind mehr Frauen aktiv – in der Industrie ist ihr Anteil mit 16,1 Prozent hingen geringer. „Das ist kein gutes Signal, denn ausgerechnet im technischen Bereich fehlen in Niederbayern besonders viele Fachkräfte. Hier muss früh angesetzt werden, um Mädchen von Anfang an für technische Berufe und Ausbildungen zu begeistern“, meint Leebmann.

An der Qualifikation der Frauen liegt es jedenfalls nicht – rund 70 Prozent der berufstätigen Frauen in Niederbayern haben einen anerkannten Berufsabschluss, weitere acht Prozent haben studiert. Rund die Hälfte der niederbayerischen Beschäftigten sind zwar Frauen, aber nur jede Zweite von ihnen arbeitet in Vollzeit. Bei den Männern liegt der entsprechende Wert bei 90 Prozent. „Hier wird vorhandenes Potenzial verschenkt“, beklagt Leebmann. „Im Interesse der Wirtschaft wie im Interesse der Bevölkerung insgesamt ist daher eine bessere, flächendeckende Ganztageskinderbetreuung notwendig. Der Bedarf dafür ist offensichtlich gegeben.“ Bei der Betreuung hinkt der Regierungsbezirk hinterher, das belegen Zahlen des Statistischen Landesamts: In Niederbayern wird nur knapp jedes dritte Kind unter 14 Jahren in einer Kita oder ähnlichen Einrichtung betreut – der niedrigste Wert in ganz Bayern. Besonderer Nachholbedarf besteht bei Kindern unter drei Jahren sowie schulpflichtigen Kindern. Im Kindergartenalter kommt die Betreuungsquote hingegen fast an die 100 Prozent heran.

Die IHK setze sich daher für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Karriere ein, erläutert der IHK-Präsident: „Das ist eine von mehreren Stellschrauben, um mehr Frauen in Führungsverantwortung zu bekommen oder für die Selbständigkeit zu begeistern.“ Auch flexibles, zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten sei dafür ein wichtiger Faktor. „Die Digitalisierung der Arbeitswelt bietet hier eigentlich alle Möglichkeiten, allerdings sind wir bei der dafür nötigen Infrastruktur von Breitband bei zum leistungsfähigen Mobilfunknetz noch lange nicht dort, wo wir hinwollen“, so Leebmann.