Bei den „Wochen zur Demokratie“ mit mehr als 40 Veranstaltungen in Stadt und Landkreis Passau

(von Tobias Schmidt)

Ende des Monats wird ein die Bundesrepublik Deutschland prägender Satz 50 Jahre alt. „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“, stammt aus der Regierungserklärung des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt  am 28.10.1969 vor dem Deutschen Bundestag. Ein aufwühlendes Jahrzehnt lag damals vor der bundesdeutschen Gesellschaft, und die Reaktionen auf die Herausforderungen der Zeit reichten von Aktionismus bis zu lethargischer Saturiertheit.

Nun ist es aber mit der Volksherrschaft so, dass auch hier das Verhältnis von legitimierendem Wahlvolk und den gewählten Abgeordneten an einem stets im Fluss befindlichen gesellschaftlichen Grundkonsens austariert werden muss. Demokratie ist quasi „ständig in der Tuning-Werkstatt“. Einer Werkstatt zum Mitgestalten. Am besten von ganz unten, von der Basis der mündigen Bürger aus.

Der im Juni gegründete gemeinnützige und parteiunabhängige Passauer Verein Initiative Wochen zur Demokratie lädt in Kooperation mit Stadt und Landkreis Passau sowie der bundesweiten Initiative Die Offene Gesellschaft e.V. noch bis 20. Oktober dazu ein. Knapp 50 weitere Partner vom Off-Theater, über Soziokulturelle Zentren, Bürgerinitiativen, Schulen bis zu Geschäften und Gastronomiebetrieben sind als Veranstaltungsorte und Ermöglicher mit im Boot. Bei den „Wochen zur Demokratie“ werden Aspekte von freiheitlich-demokratischer Grundordnung, Regierungssystem, gesellschaftlichem Miteinander, Zeitläuften, globaler Verbundenheit und Verantwortung bei über 40 Veranstaltungen in den Blick genommen.

Eine Wanderausstellung im öffentlichen Raum fragt: „Welches Passau wollen wir sein?“ (Foto: Initiative Die Offene Gesellschaft)

Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, miteinander über die Demokratie ins Gespräch zu kommen, und eigene Meinungen und Positionen auszutauschen. Das Programm reicht vom Puppentheater in der Grundschule über Filmabende, Konzerte und Theater, Vorträge und Workshops bis zur Ausstellung zum Grundgesetz im öffentlichen Raum. Einige Highlights seien benannt: Der Theologe Prof. Paul Zulehner fragt am 9.10. in Untergriesbach ob Christen eigentlich „gute Demokraten“ sind.

„Haltung zeigen!“ ist ein bestärkendes Workshopangebot für bürgerschaftliche Engagierte, am 11.10. im Innstädter Gemeinschaftsraum von Gemeinsam leben und lernen in Europa e.V., im Stadtzentrum befragt die interaktive Wanderausstellung unter dem Motto Offene Gesellschaft in Bewegung (10.-15.10.) die Bürger: „Welches Passau wollen wir sein?“.

Stadt und Landkreis Passau unterstützen die Wochen zur Demokratie. V.l.n.r. OB Jürgen Dupper, die Organisatorinnen und Organisatoren Eva Geißler, Markus Muckenschnabl, Thomas Metten, Winfried Helm, Ruth Geiger und stellv. Landrat Raimund Kneidinger (Foto: Dionys Asenkerschbaumer )

Schauspieler des Landestheaters Niederbayern lesen aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ mit anschließender wissenschaftlicher Einordnung (13.10.) und aus Alfred Jarrys Farce „König Ubu“ (16.10.).

Wie demokratisch erleben wir Familie und Familiengeschichte? Freiheitlich-demokratische Aspekte in der Biografiearbeit bringt Gesine Hirtler-Rieger am 15.10. in einem kreativen Workshop ans Licht.

Ferner gibt es Lesungen mit Guillaume Paoli zur Sozialen Bewegung der „Gelbwesten“ (17.10.), zu Strafjustiz als Herrschaftsinstrument mit Rehzi Malzahn (18.10.) sowie eine Konzertlesung mit dem Lyriker und Übersetzer Reiner Kunze (19.10.) in Neustift bei Ortenburg.

Diskussionsrunde „Was bedeutet Demokratie eigentlich?“ (Foto: Melanie Hackenfort)

Näheres zu Veranstaltungsorten, Eintrittspreisen, Hintergründen in den im Stadtgebiet aufliegenden Programmheften sowie online unter: www.wochen-zur-demokratie.de