Manfred Weber besucht die Universität Passau

Passau. Europa und der globale Wandel als Leitthema der Universität Passau, aber auch als Rahmen und Triebfedern für exzellente Forschung weltweit standen im Mittelpunkt eines Informationsbesuchs des Fraktionsvorsitzenden der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europäischen Parlament Manfred Weber auf dem Passauer Campus. Thema im Gespräch mit Präsidentin Prof. Dr. Carola Jungwirth, Vizepräsident Prof. Dr. Harald Kosch und Kanzler Dr. Achim Dilling waren insbesondere die aktuellen Ziele und Erfolge der Universität Passau sowie die Herausforderungen im europäischen und internationalen Forschungswettbewerb.

Die Präsidentin vermittelte in einem kurzen Rückblick die Entwicklung der Universität in den vergangenen Jahren, die durch großes Wachstum und eine zunehmende Internationalisierung geprägt waren. Fast 13.000 junge Menschen studieren derzeit in Passau, von denen etwa 12 Prozent einen ausländischen Pass haben. Insgesamt sind mehr als 100 Nationen auf dem Campus vertreten. Großes Interesse an einem Studium an der Universität Passau gibt es insbesondere in Indien, China und der Russischen Föderation, zunehmend auch in Tunesien, wie Vizepräsident Kosch unterstrich.

„Zuwachs“ auch in der Forschung: Wenige Stunden vor dem Besuch des Vorsitzenden der größten Fraktion im Europäischen Parlament hatte die Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie Ilse Aigner den Förderbescheid zum Fraunhofer-Projekt „Big Picture“ übergeben, das Grundlagenforschung und Transfer in die Region verbindet. Das mit vier Millionen Euro vom Bund geförderte Vorhaben, in das die Passauer Fraunhofer-Forschergruppe „Wissensbasierte Bildverarbeitung“ eingebunden ist, zählt zu den herausragenden Erfolgen der Universität im vergangenen Jahr ebenso wie die Förderzusage für das Projekt TRIO im Rahmen des Programms „Innovative Hochschule“ der Exzellenzstrategie und das sehr gute Ergebnis der Universität im Times Higher Education Ranking mit einer Platzierung unter den besten 25 Prozent der Universitäten weltweit.

Die Präsidentin erläuterte, dass es der Universität seit ihrer Gründung an Grundausstattung fehle und dass es schwierig sei, das Wachstum angemessen zu begleiten: „Wir begegnen dem durch eine starke Fokussierung und konzentrieren uns auf die Kernthemen ‚Digitalisierung, vernetzte Gesellschaft und (Internet)kulturen‘, ‚Europa und globaler Wandel‘ sowie ‚Migration, nachhaltige Entwicklung und gerechte Ordnung‘“, so Jungwirth. Es gelinge der Universität zwar regelmäßig, junge, exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Passau zu holen – und der sehr gute internationale Ruf der Universität und das ausgesprochen wissenschaftsfreundliche soziale Umfeld in Passau unterstütze dabei – die unzureichende Ausstattung mache es jedoch oft schwer, aufstrebende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler langfristig zu halten.

In Vorbereitung auf das nächste Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union, das ab 2020 dem Programm „Horizon 2020“ nachfolgen soll, galt Manfred Webers besonderes Interesse der Einwerbung, Verwendung und Verwaltung von EU-Drittmitteln. Hier sei ein Aufwuchs des Gesamtvolumens geplant, auch werde die neue deutsche Bundesregierung laut Koalitionsvertrag mehr Gelder nach Brüssel geben. „Der EU-Haushalt wird künftig neben den bisherigen Schwerpunkten Agrar-, Wirtschafts- und Forschungsförderung noch um den Bereich Verteidigung und Außengrenzenschutz erweitert werden. Und wer neue Aufgaben nach Brüssel gibt, muss auch bereit sein, dafür zu bezahlen“, sagte Weber. Andernfalls müssten bestehende Fördertöpfe gekürzt werden.

Präsidentin, Vizepräsident und Kanzler lobten die hervorragende Verwaltung der Mittel an der Universität Passau trotz hoch komplexer Verfahren und hoher Dokumentationspflichten. Die Präsidentin hob in diesem Zusammenhang die enorme Bedeutung der Wissenschaftsförderung mit ihren verschiedenen Förderzielsetzungen für den Wissenschaftsstandort Europa hervor. Mit den europäischen Strukturfonds EFRE und ESI würden wissenschaftliche Transferaktivitäten gefördert. Damit seien aber auch struktur- und kohäsionspolitische Ziele verbunden, wie der Ausgleich der wichtigsten regionalen Ungleichgewichte, die Förderung grenzübergreifender Kooperationen und der Wettbewerbsfähigkeit der Städte und Regionen Europas. Die EU-Forschungsprogramme dienten hingegen der Förderung von globaler Spitzenforschung. Das gelte insbesondere für die so genannten ERC-Grants, bei denen wissenschaftliche Exzellenz als alleiniges Auswahlkriterium gelte. Um in der globalen Spitzenforschung erfolgreich zu sein, müsse man alles Geld – z.B. in Form von ERC-Grants – den Forscherinnen und Forschern in Europa geben, die im globalen Forschungswettbewerb gewinnen können. „Vor allem die aktuelle politische Situation in den USA bietet eine historische Chance, die wir zugunsten des Wissenschaftsstandorts Europa nutzen müssen. Wenn Europa jetzt ausreichend Geld in die Hand nimmt, kann es wieder zum führenden Wissenschaftsstandort der Welt werden – auch weil die Situation günstig ist, Spitzenforscherinnen und -forscher nach Europa (zurück) zu holen“, so Jungwirth.