Schriftstellergespräch mit Friedrich Hirschl am 22. Oktober in der Gesprächsreihe „Erzähl mal!“

(von Tobias Schmidt)

„Mit Poesie durchs Leben“ heißt es das nächste Mal in der Reihe „Erzähl mal!“ mit autobiographischen Berichten zum Zuhören. Am Montag, 22. Oktober ist dann der Passauer Schriftsteller Friedrich Hirschl zu Gast im vom gemeinnützigen Verein Gemeinsam leben und lernen in Europa betriebenen Gemeinschaftsraum im Ort 9 unweit der Passauer Ortsspitze.

Der 62-jährige schreibt zumeist sprachlich verdichtete, metaphorische Naturlyrik. Diese Sprachbilder „erschafft“ Hirschl nicht, er „erläuft“ sie sich in ausgedehnten Spaziergängen durch seine Heimatstadt. Aus den fertigen, oft sehr kurzen Gedichten, ist ihr örtlicher Ursprung oft nicht mehr heraus zu lesen. Hirschl ist kein Heimatdichter, er will zu größeren Aussagen übers Menschsein in der Natur am Beginn des 21. Jahrhunderts gelangen und das Verhältnis von Wortklang und Sprachmächtigkeit ausloten. Heraus kommt dabei leise Lyrik der Lauterkeit, lautes Lesen lohnt. Was auch wir taten, als MEIN PASSAU Friedrich Hirschl 2015 bei einem Spaziergang zu den Ursprungsorten einiger Verse begleitete. Die vom Poller an der Passauer Donaulände zum Beispiel, an welchem Schiffe vertäut liegen, und der sich als „stiller Star“ deren Zugkraft widersetzt. Wir erfuhren, wie dieser „Poller von Interesse“ unter dem Signet „Lyrik unterwegs“ vier Herbstmonate lang auf einem Plakat abgedruckt in allen Bussen und Trams der Stuttgarter Straßenbahnen AG spazieren fuhr, um die Fahrgäste zu erfreuen (wir berichteten). Und jüngst im August Eingang fand in einem Artikel in DIE ZEIT über Möblierung im öffentlichen Raum. Ja, man erlebt schon so allerhand, wenn man mit Lyrik unterwegs ist. Friedrich Hirschls Weg ist der des von Georg Trakls schweren, düsteren Versen begeisterten Passauer Schülers, später dann Soldaten und studierten Theologen und Philosophen zum zumeist leicht wirkende Sprachbilder schöpfenden Promenadologen und mehrfach ausgezeichneten Lyriker. Hirschls insgesamt siebtes Buch „Flussliebe“ (2012) wurde in über sechzig Zeitungen im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus besprochen; der Nachfolger „Stilles Theater“ erschien 2017.

Es gibt also reichlich Stoff, dass der Erzählabend am 22. Oktober auch ein Vorleseabend wird. Veranstaltungsbeginn ist um 19 Uhr im Gemeinschaftsraum, Ort 9. Der Eintritt ist frei, Spenden erbeten.