IHK-Umfrage zu bisherigen Auswirkungen und Folgen einer Verlängerung

Während die Politik über weitere Verschärfungen in der Corona-Bekämpfung diskutiert, werden die Negativ-Folgen des Lockdowns für die Wirtschaft immer deutlicher. Das belegt jetzt auch eine bayernweite Umfrage der IHK-Organisation.

Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern, fasst die Umfrageergebnisse aus den niederbayerischen Betrieben zusammen: „Der sogenannte Teil-Lockdown trifft Niederbayerns Wirtschaft in der Breite. Die Krise geht bei vielen Unternehmen mittlerweile an die Substanz. Die nun im Raum stehende Verlängerung verschärft diese schwierige Lage noch. Zwar haben 28 Prozent der Betriebe angegeben, dass eine Verlängerung des Lockdowns in den Dezember hinein für sie keine Auswirkungen auf den Umsatz hätte. Mit 58 Prozent rechnet aber eine deutliche Mehrheit in diesem Fall mit weiteren Umsatzeinbrüchen. Mehr als jeder Fünfte geht sogar von einem Rückgang um mehr als 20 Prozent des Jahresumsatzes aus“, sagt Schreiner. Für ihn besonders kritisch: In dieser angespannten Situation werden den Unternehmen noch weitere Belastungen aufgebürdet. „Die Betriebe berichten von einem enormen und zusätzlichen Bürokratieaufwand in der Krise, verursacht nicht zuletzt durch die mangelnde Transparenz der unterschiedlichen Bestimmungen. Auch das Auseinanderklaffen von politischen Aussagen und der konkreten Umsetzung in den Detailregelungen, zum Beispiel bei einzelnen Verordnungen oder Hilfsprogrammen, wird in der Umfrage kritisiert. Zunehmend werden außerdem Mitarbeiterausfälle zum Problem, 43 Prozent der Unternehmen haben das angegeben. Das ist zum Teil auf Corona-Infektionen zurückzuführen, viel mehr aber noch auf Quarantäneanordnungen für Kontaktpersonen. Aber etwa auch wenn die Kinderbetreuung eines Mitarbeiters plötzlich ausfällt, fehlt diese Kraft im Betrieb“, verdeutlicht der IHK-Chef.

Die Forderungen der Unternehmer zur weiteren Bewältigung der Corona-Krise sind Schreiner zufolge klar: „Deutlich über die Hälfte der Befragten hat sich für eine Ausweitung der Hilfsprogramme ausgesprochen, sodass beispielsweise Solo-Selbständige oder von den Einschränkungen des Lockdowns indirekt betroffene Betriebe ebenfalls mehr zum Zuge kommen können. Dazu passen die Stimmen der Unternehmer in der Umfrage, etwa aus dem Groß- und Einzelhandel. Diese Betriebe mussten zwar nicht schließen, haben aber trotzdem massive Umsatzverluste.“ Einen ähnlich hohen Zustimmungswert erhält die Forderung nach einer Verlängerung beziehungsweise Erweiterung der steuerlichen Maßnahmen im Zuge der Corona-Krise: „53 Prozent fordern eine Ausweitung der steuerlichen Verlustverrechnung als einfachen, schnellen und gerechten Weg, um Corona-Verluste wieder etwas auszugleichen. An zweiter Stelle stehen nahezu gleichauf die Forderungen nach einer Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung sowie nach einer Fortführung von steuerlichen Erleichterungen wie Stundungen oder geringeren Vorauszahlungen über das Jahresende hinaus“, erläutert Schreiner. Aus den schon bestehenden staatlichen Unterstützungen sticht in der Umfrage insbesondere das Kurzarbeitergeld als effektive und häufig genutzte Maßnahme heraus: 87 Prozent der Befragten wollen weiterhin dieses Instrument zur Krisenbewältigung einsetzen.

Bei aller Kritik und Forderungen – einen Positivaspekt ergab die Umfrage: Die vorgeschriebenen wöchentlichen Corona-Tests für Grenzpendler – ein wichtiges Thema gerade für die niederbayerischen Betriebe in Grenznähe – scheinen gut zu funktionieren. Mit über 86 Prozent gab die breite Mehrheit der Befragten an, dass ihnen die Tests keine Probleme in der Personalplanung bereiten.

An der IHK-Umfrage haben sich Unternehmen aller Größenklassen und aus allen Branchen beteiligt, von Industrie über Handel und Dienstleistungen bis Tourismus.

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