Zehn Jahre Book Aid Passau. Käufer gebrauchter Bücher unterstützen gemeinnützige Projekte

(von Tobias Schmidt)

Zeitnah zum UNESCO-Welttag des Buches am 23. April feiert der Passauer Verein Book Aid – Helfen durch Bücher e.V. heuer sein zehnjähriges Bestehen. Wie bei den Charity Shops, den weltweit verbreiteten Gebrauchtwarenläden mit Erlösen für wohltätige Zwecke, kann man bei Book Aid gebrauchte Bücher gegen eine freiwillige Spende erstehen, die dann gemeinnützigen Organisationen im Raum Passau zufließt.

Book Aid ist sozusagen eine Spendensammel-Einrichtung, die keine Bittbriefe verschickt, sondern in der Innstädter Schmiedgasse 16 ein einmal wöchentlich geöffnetes „Vereinslokal“ mit dem Charme eines Antiquariats betreibt. Ein Buchort, der seine Regale ausgewählt füllt, in den Auslagen die Literaturwelt reflektiert, und an dem sich schöne Begegnungsgeschichten rund ums Buch ereignen. Elisabeth Dorsch-Madsen, Vorstandvorsitzende, und Rosa Romeder, Vize „und Krimi-Spezialistin“, berichteten MEIN PASSAU und zogen Bilanz.

Bücher sind nicht nur ein Gebrauchsgut, in ihnen bewahrt sich auch ein Stück vom Verhältnis des vormaligen Besitzers zur Welt. Wie bei jenem Herrn, der eines Tages mit einer Liste von etwa 200 nach Autoren geordneten Krimis vor der Tür stand, wenig zu diesen Büchern wusste, aber umso mehr zu deren künftigen Lagerort wissen wollte. Der Grund: seine verstorbene Frau war die Leserin der Bücher gewesen, darum war es ihm wichtig, in welche Hände er diese gab. Auch auf der Abnehmerseite sei Positives zu vermelden: Immer mehr Studierende schätzten die gute Atmosphäre bei Book Aid und zeigten sich auch spendabel. Ein Projekt Studierender des Studiengangs Medien und Kommunikation war es auch, das Book Aid zunächst ein Logo entwickelte und seit einiger Zeit den kleinen Verein und SocialMedia zusammen bringt. Das dauerhaft mittels Druckerschwärze auf Buchseiten bewahrte Wissen und die digitale Flüchtigkeit von Facebook, Instagram und Co.? Damit fremdelten sie noch, geben Dorsch-Madsen und Romeder freimütig zu. Aber das Team vom Book Aid-Ladendienst mit Irmgard und Helmut Deschauer, Barbara Seehars, Katrin vom Berg und Siglinde Schrottenbaum meldete zurück, dass sich neben dem gestiegenen virtuellen Bekanntheitsgrad auch die Besucherfrequenz und der Bücherdurchlauf erhöht hätten. Und so soll es ja sein. Apropos „Ladendienst“, der ist vielfältig und umfasst die Entgegennahme von Buchspenden, Einsortieren, Aussortieren von veraltetem Bestand, Beratung von Leseratten zu Literatur, aber auch zu den Organisationen, denen die Sach- und Geldspenden zu Gute kommen.

Jawohl, manchmal geht Lesestoff auch direkt von Hand zu Hand – bei Sprachpatenprojekten für Flüchtlinge, oder einer Buchspende für das Lesezimmer der nicht weit entfernten Innstadtschule. Die finanziellen Spendenerlöse der vergangenen Jahre betragen 36.000 Euro. Tafeln, Frauenhaus, Hospizverein, das Palliativnetz Niederbayern, Flüchtlingsprojekte oder die Hochwasserhilfe haben davon profitiert. Jüngst wurde ein Klettertraining der Multiple Sklerose Gesellschaft ermöglicht, und zum Vereinsjubiläum hat man sich für eine Zuwendung an den Cricket Club Passau (über den MEIN PASSAU im vergangenen Juni in Heft 23/2017 ausführlich berichtete) und das Haus „Forellenklause“ der Lebenshilfe Passau e.V. entschieden (es dient der Kurzzeitpflege von Menschen mit Behinderung bis zum 25. Lebensjahr, was die Angehörigen entlasten hilft).

Wissenshungrige und lesebegeisterte Stöberer sind jeweils donnerstags von 15-19 Uhr bei Book Aid Passau – Helfen durch Bücher e.V. in der Schmiedgasse 16 willkommen. Buchangebote, vorbehaltlich des wechselnden Sortimentsbedarfs, bitte per E-Mail an bookaidpassau@gmx.de vorbringen. Weitere Informationen außerdem unter www.book-aid-passau.de