Tipps von VSB-Ernährungsexpertin Eva Kirchberger – Aufruf zum maßvollen Umgang mit Lebensmitteln 

Das Alltags- und Arbeitsleben der meisten Menschen wird derzeit kräftig durcheinandergewirbelt. Das Corona-Virus und die Maßnahmen, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen, sorgen für viel Zeit zu Hause. Dort allerdings lauern neben Langeweile und Müßiggang oft auch Ernährungsfehler. Doch das muss nicht sein – ist Franziska Solger-Heinz von der Gesundheitsregion plus Passauer Land überzeugt.

Gerade jetzt sei es enorm wichtig, die eigene Ernährung, aber auch den Umgang mit Lebensmitteln im Allgemeinen, verstärkt im Blick zu haben. Eine Einschätzung, die Eva Kirchberger teilt. Die Ernährungsexpertin in der Passauer Beratungsstelle des VerbraucherService Bayern im KDFB e.V. hat zahlreiche nützliche Tipps auf Lager, wie wir lecker und gesund durch die Corona-Krise kommen.

Wer beispielsweise dazu neigt, aus Langeweile zu snacken, könnte Alternationen testen. „Jetzt wäre Zeit da, um auch etwas aufwändigere Snacks wie Gemüsesticks mit Dipp oder Früchtespieße zuzubereiten“, so Kirchberger. Grundsätzlich empfiehlt sie, den Mahlzeiten mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das heißt auch: Langsamer und bewusster kauen. Fakt ist zudem: Das Immunsystem kann durch Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf, aber auch durch eine ausgewogene Ernährung mit vielen verschiedenen Lebensmitteln gestärkt werden. „Einzelne Lebensmittel zur speziellen Immunstärkung gibt es dagegen nicht. Dazu sind viele unterschiedliche Nährstoffe nötig“, betont Kirchberger.

Eva Kirchberger von der VSB-Beratungsstelle in Passau gibt wertvolle Tipps, wie wir uns in Corona-Zeiten gesund ernähren und zudem maß- und sinnvoll mit den Lebensmitteln umgehen können (Foto: Privat)

Auf den täglichen Speiseplan gehören deshalb viel saisonales Gemüse und Obst – je bunter, desto besser. „Brokkoli, Grünkohl, frische Kräuter, Paprika, Orangen, Beeren & Co. liefern uns viele Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe“, erklärt Kirchberger. Pflanzliche Öle und jeden Tag eine Handvoll Nüsse steuern fettlösliche Vitamine und lebensnotwendige Fettsäuren bei. Fetter Fisch wie Hering, Lachs oder Makrele sollten ebenfalls regelmäßig verzehrt werden, um Omega-3-Fettsäuren aufzunehmen.

Weiter stellt die Ernährungsexpertin heraus, dass gesunde Darmbakterien das Immunsystem verbessern würden. Diese können unter anderem durch Joghurt oder Sauerkraut und ballaststoffreiche Lebensmittel gefördert werden. Zu gesunder Ernährung gehört zudem, ausreichend zu trinken. Hier empfiehlt Eva Kirchberger Wasser, Kräuter- oder Früchtetees und Saftschorlen. Getrost verzichten können wir dagegen auf Nahrungsergänzungsmittel. „Sie sind unnötig und in Überdosierungen auch schädlich! Zurzeit gibt es hier viele unseriöse Gesundheitsversprechen!“

Vom Blick auf den Teller zum Blick in die Speisekammer: Nudeln, Reis, Konserven oder Mehl, aber auch Lebensmittel mit geringerer Haltbarkeit – obwohl es eigentlich gar nicht nötig war, haben in den letzten Wochen viele Menschen wesentlich mehr eingekauft, als aktuell verzehrt werden kann. Eva Kirchberger fasst die wichtigsten Lagertipps zusammen: „Neue Vorräte sollten immer hinten ins Regal eingeräumt werden. Angebrochene Verpackungen können in dichtschließende Gefäße umgefüllt werden. Lebensmittel, die gekühlt werden müssen, sollten gleich richtig in den Kühlschrank eingeräumt werden: Also Fleisch und Fisch ganz unten, Milch und Milchprodukte darüber, ganz oben unempfindlichere Produkte wie Speisereste. Kälteunempfindliches Gemüse und Obst kommen ins Gemüsefach.“ Grundsätzlich sei es sinnvoll, die Vorräte regelmäßig zu überprüfen. Denn auf keinen Fall sollten Lebensmittel „unkontrolliert“ in der Vorratskammer gebunkert und im schlimmsten Fall vergessen werden, bis sie schließlich irgendwann in der Mülltonne landen.

Im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung sei wichtig, sich bewusst zu machen, dass ein Mindesthaltbarkeitsdatum kein Verfallsdatum ist. „Viele Lebensmittel sind noch deutlich länger essbar. Lassen Sie Ihre Sinne entscheiden!“, rät Kirchberger. Sie weist außerdem darauf hin, dass auch mit kleinen Resten aus der Vorratskammer leckere Mahlzeiten gekocht werden können. Da viele Menschen gerade mehr Zeit als sonst haben, sollten sie sich ruhig trauen, kreativ zu werden und in der Küche neue Kombinationen wagen. Tolle Tipps zur Restverwertung seien beispielsweise auf der Homepage www.zugutfuerdietonne.de/beste-reste/ zu finden. 

Abschließend noch ein Ratschlag fürs Einkaufen selbst: Da viele derzeit versuchen, möglichst selten in den Supermarkt zu gehen und dementsprechend mehr auf einmal einkaufen, dabei allerdings Gefahr laufen, den Überblick zu verlieren, sollte zuvor unbedingt ein Wochenspeiseplan erstellt werden. „Ein Tipp für Familien: Jeder darf sich ein Essen pro Woche wünschen und hilft dann auch bei dessen Herstellung.“ Zudem empfiehlt die VSB-Ernährungsexpertin, stets mit einer Einkaufsliste einkaufen zu gehen. Was ihr besonders am Herzen liegt, ist zudem folgende Botschaft: „Kaufen Sie gerade jetzt beim Bäcker oder Metzger vor Ort ein! Sie unterstützen so die heimischen Betriebe!“

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