30 Jahre Landschaftspflege – Naturpark zieht positive Bilanz

Viechtach. Das über 150 Kilometer lange, geradlinig verlaufende Quarzriff des Pfahls ist die wichtigste geologische Besonderheit des Naturparks Bayerischer Wald. Das Naturschutzgebiet Großer Pfahl bei Viechtach mit seinen exponierten Quarzfelsen ist eine einzigartige Naturerscheinung und dadurch zu Bayerns Geotop Nummer 1 gekürt worden. Auch die Lebensräume in der direkten Umgebung stellen eine Besonderheit dar. Ursprünglich über Jahre mit Ziegen und Schafen beweidete Flächen wurden durch die Modernisierung der Landwirtschaft unrentabel. In Folge dessen fielen die Hänge brach, bewaldeten sich wieder und durch natürliche Verbuschung drohten die wertvollen Lebensräume zu verschwinden. Ohne Landschaftspflege würden die lichten Felsbereiche, Heiden und Magerwiesen mit wertvollen Arten wie Blutwurz oder Schwefelflechte innerhalb weniger Jahre durch Sträucher und Bäume überwachsen werden. Wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten würden damit verloren gehen und der Pfahl als landschaftliches Wahrzeichen wieder zuwachsen. Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Durchführung von Landschaftspflegemaßnahmen notwendig.  Früher wurden diese teilweise nach Vorbild der ursprünglichen Nutzung durch Beweidung mit Schafen und Ziegen erledigt – wie aktuell noch bei der Burg am Weißensteiner Pfahl. Jedoch ist es in den vergangenen Jahren zunehmend schwieriger, Auftragnehmer am Viechtacher Pfahl-Abschnitt für die Beweidung zu finden. Dadurch ist eine Pflege der Landschaft von Hand mit Einsatz von Freischneidern und Motormähern notwendig, die sowohl Arbeiter als auch die eingesetzten Maschinen gleichermaßen fordert.

Matthias Rohrbacher, Projektbetreuer der Landschaftspflege und Umweltbildung des Naturparks Bayerischer Wald zieht eine positive Bilanz für die Landschaftspflege auf den ökologisch wertvollen Flächen entlang des Pfahls: „Es ist sehr erfreulich, dass die wertvollen Wiesen, Weiden und Heiden in den Naturschutzgebieten Moosbacher Pfahl, Großer Pfahl und Weissensteiner Pfahl auch in diesem Jahr wieder gemäht, entbuscht oder beweidet werden konnten“.

Der Naturparkvorsitzende und Leiter der Umweltstationen Heinrich Schmidt ist sehr erfreut über die funktionierende Zusammenarbeit verschiedener Akteure in der Landschaftspflege, die damit einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung der heimischen Kulturlandschaft leisten. „Herzlichen Dank an alle engagierten Vereine, Land- und Forstwirte, die auf diesen oft steinigen und steilen Felsheiden und Magerwiesen in diesem Jahr tätig waren“,  würdigt Schmidt die Anstrengungen aller Beteiligten. Er hat das Pfahl-Projekt Anfang der 1990er Jahre initiiert, seither begleitet und hat auch viele wichtige Pfahlflächen im Umfeld der Naturschutzgebiete für die Stadt Viechtach angekauft. Dies war eine der entscheidenden Voraussetzung, um die Natur am Pfahl zu schützen und zu entwickeln. „Mit Naturpark-Fördermitteln können Grundstücksankäufe und anfallende Maßnahmen bis zu 90 Prozent gefördert werden“, erläutert Schmidt. Viele Felsriffe wurden dabei freigestellt, zugewachsene Heiden entbuscht, neue Tümpel angelegt oder ganze Waldteile über 30 Jahre hinweg in naturnahe Waldgesellschaften überführt werden. Im Rahmen eines Besucherlenkungskonzepts wurden  neue Wanderwege und ein Naturlehrpfad angelegt. Auch alte Gebäude und Relikte aus der Zeit des Quarzabbaus wie die Verladestation am Großen Pfahl wurden im Zuge Umsetzung des Pfahlprojektes restauriert. Die Besucher zu informieren und zu lenken war dabei ein wichtiges Ziel. „Insgesamt hat das Pfahl-Projekt eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um einerseits die Natur am Pfahl zu erhalten und andererseits eine attraktive Wander-, Informations- und Erholungsmöglichkeiten für Einheimische und Urlauber zu bieten“, fasst Heinrich Schmidt zusammen.

Der selbständig in der Landschaftspflege tätige Sebastian Zach führt seit mehreren Jahren im Auftrag des Naturparks einen Großteil der Entbuschungen und Mahden am Großen Pfahl und St. Antoniuspfahl durch. Damit leistet er als Dienstleister einen wichtigen Beitrag für die Erhaltung der über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft. Auch Konrad Tremmel aus Tresdorf ist hier in der schwierigen und fordernden Landschaftspflege tätig. Eigentümerin der Flächen am Großen Pfahl ist die Stadt Viechtach, die in Kooperation mit dem Naturpark auf dem angrenzenden Gelände der alten Schmiede im vergangenen Jahr einen Naturpark- und Waldkindergarten eingerichtet hat. „Die Kinder des Naturpark-Kindergartens sehen immer begeistert bei den Landschaftspflegeaktionen zu“, beobachtet Sebastian Zach während er seine Arbeiten am Großen Pfahl erledigt. Dadurch werden sie bereits in jungen Jahren thematisch an die notwendige Pflege der heimischen Kulturlandschaft herangeführt. „Für die Zukunft können wir uns auch die Landschaftspflege mit Ziegen, ähnlich der traditionellen Beweidung auf bestimmten Flächen auch am Großen Pfahl wieder gut vorstellen. Die Umsetzung ist durch die teilweise schwer einzuzäunenden Flächen nicht einfach, aber wir arbeiten schon an einer gemeinsamen Lösung“, so blickt Sebastian Zach gespannt auf die kommenden Jahre.   

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