Auszubildende reduzieren Stand-by-Verbräuche in den Büros

Klimaschutz wird am Landratsamt großgeschrieben. Seit Mai 2017 gibt es dort eine Klimaschutzmanagerin und seit neuestem mit den beiden Auszubildenden zur Verwaltungsfachangestellten Jana Aigner und Johanna Anetzberger zwei sogenannte „Kommunale Klima- und Energiescouts“. Ihr erstes Projekt: Stand-by-Verbräuche in den Büros durch abschaltbare Steckdosenleisten reduzieren. Mit diesen neuen Steckdosenleisten soll der Umwelt nicht nur jede Menge Kohlendioxid erspart bleiben. Der Landkreis Freyung-Grafenau kann seine Stromkosten pro Jahr auch mehr um mehr als tausend Euro senken. Die Ausgaben für die Leisten sollten sich also sehr schnell wieder amortisiert haben.

Johanna Anetzberger und Jana Aigner gingen das Projekt sehr strukturiert an: Zunächst wurden die Stand-by-Verbräuche mit einem Energiemessgerät ermittelt, um das Einsparpotential zu errechnen. Anschließend erstellten die Beiden eine detaillierte Liste, wo bereits Steckdosenleisten vorhanden sind und welche noch benötigt werden. Während diese über das Klimaschutzmanagement bestellt wurden, designten die Auszubildenden mit ihrer Mentorin noch einen kleinen Aufkleber als Merkhilfe, damit das Ausschalten von keinem Mitarbeiter vergessen wird. Auf den Aufklebern lacht ein kleines Männchen in Form einer Steckdosenleiste, daneben der Slogan „Drück mich!“. „Die Kolleginnen und Kollegen können sich den Aufkleber direkt an die Leiste oder auch an die Bürotür kleben. So vergisst man bei Verlassen des Büros nicht, dass man auch den Kippschalter drückt und so den Arbeitsplatz stromlos macht“, erklärt Johanna Anetzberger. Klimaschutzmanagerin Verena Holzbauer ergänzt: „Es ist unglaublich wichtig, dass sich junge Menschen mit den Themen Energie- und Klimaschutz befassen. Deshalb hat es mich besonders gefreut, dass die beiden an der Aktion teilgenommen haben und mich durch ihr Stand-by-Projekt auch noch bei meiner Arbeit als Klimaschutzmanagerin unterstützen.“

Leerlaufverluste in Privathaushalten und Büros verursachen laut dem Umweltbundesamt jährlich einen Stromverbrauch in Höhe von mindestens 22 Milliarden Kilowattstunden. Das bedeutet es werden eineinhalb mittlere Atomkraftwerke in Deutschland allein zur Deckung unseres Stand-by-Bedarfs betrieben. Die Energiewende soll deshalb nach dem Energie-3-Sprung, also in drei Schritten stattfinden: Energiebedarf senken, Energieeffizienz steigern und erneuerbare Energien nutzen. Der erste Punkt davon ist auch am Landratsamt Freyung-Grafenau großes Thema.

Das Landratsamt Freyung-Grafenau hat jetzt zwei Klimascouts (Foto: Landratsamt FRG)

Zur nachhaltigen Verankerung der Themen Klimaschutz und Energieeinsparung in kommunalen Verwaltungen rief das Deutsche Institut für Urbanistik (DIFU) gefördert über die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums das Projekt „Kommunale Klima- und Energiescouts“ ins Leben. Mit dem Vorhaben sollen engagierte Auszubildende in Kommunen qualifiziert werden, eigene Klimaschutz-Aktivitäten im Arbeitsalltag zu konzipieren und umzusetzen. Auf Vorschlag von Klimaschutzmanagerin Verena Holzbauer wurden am Landratsamt Freyung-Grafenau Jana Aigner und Johanna Anetzberger ausgewählt, um an dem Projekt teilzunehmen. Dazu wurden sie zu einem zweitägigen weiterbildenden Workshop nach Nürnberg eingeladen. Dabei wurden den Teilnehmenden die Themen Klimaschutz und Energie sowie Grundlagen zu Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Energie-Messverfahren nähergebracht. Jana Aigner berichtet dazu: „Es war eine spannende Ergänzung der herkömmlichen Ausbildungsinhalte und hat echt Spaß gemacht.“ Zurück vom Workshop besprachen die Auszubildenden ihre Projektideen mit ihrer Mentorin vor Ort, Verena Holzbauer. Gemeinsam stand schnell fest, welches Vorhaben am meisten Einspareffekt am Landratsamt Freyung-Grafenau erzielen kann: Stand-by-Verbräuche in den Büros durch abschaltbare Steckdosenleisten reduzieren.

Alle Klima- und Energiescoutprojekte werden vom DIFU zusammengefasst und in einer Publikation veröffentlicht, die anderen Kommunen als Impulsgeber dienen soll. Die drei besten eingereichten Projekte werden außerdem bei der kommunalen Klimakonferenz im Herbst ausgezeichnet und mit einem Preisgeld belohnt. Vielleicht fällt die Wahl der Jury dabei ja sogar auf das Stand-by-Projekt der beiden Auszubildenden aus dem Landkreis Freyung-Grafenau.