MdL Muthmann informierte sich beim Staatlichen Bauamt Passau über gängige Praxis –  2021 stehen einige Wettbewerbe an

Freyung/Passau. Der Staat ist für die bildenden Künstler ein zuverlässiger Partner! Zu dieser Überzeugung kam Landtagsabgeordneter Alexander Muthmann (FDP) nach einer Videokonferenz mit Norbert Sterl, dem Leitenden Baudirektor und Bereichsleiter Hochbau am Staatlichen Bauamt Passau, sowie Hubert Huber, dem Vorsitzenden des Berufsverbandes Bildender Künstler. Muthmann hatte das Gespräch angeregt, weil er wissen wollte, wieviel Geld bei staatlichen Baumaßnahmen für „Kunst am Bau“ eingesetzt wird– in Zeiten der Corona-Pandemie noch wichtiger als vorher! Norbert Sterl nannte aktuelle Projekte, von denen Kunstschaffende in nächster Zeit profitieren können: Der Neubau des Finanzamts München II – Bearbeitungsstelle Grafenau – soll im Frühjahr 2021 bezugsfertig sein. 60 000 Euro abzüglich Wettbewerbskosten sind für die künstlerische Ausgestaltung mit Bildern vorgesehen. „Es ist noch nicht entschieden, wer mit den künstlerischen Leistungen beauftragt wird“, berichtete Sterl. Das ist Sache einer Jury, die in einem anonymen Wettbewerbsverfahren die Arbeiten auswählt. Ebenfalls auf der Agenda für 2021: Das neue Dienstgebäude für die Landespolizei in Passau, die Freianlagen der Erweiterung der Technischen Hochschule Deggendorf oder der Neubau „Nachhaltige Chemie“ auf dem TUM Campus Straubing.

In den Richtlinien für die Durchführung von Hochbaumaßnahmen des Freistaates Bayern (RL Bau) steht, dass bis zu zwei Prozent der Bauwerkskosten zweckgebunden für Aufträge an bildende Künstler vorzusehen sind, soweit Zweck und Bedeutung des Projektes das rechtfertigen. „Daran halten wir uns,“ betonte Leitender Baudirektor Nobert Sterl, der mit dem Bereich Hochbau am Staatlichen Bauamt Passau für die Baumaßnahmen des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik Deutschland in sechs niederbayerischen Landkreisen und zwei kreisfreien Städten zuständig ist. Mit steigender Bausumme nehme allerdings der Anteil für „Kunst am Bau“ ab, letzten Endes liege man im Durchschnitt bei ein bis zwei Prozent. Das sei immer noch viel Geld, machte Sterl am Beispiel des neuen Polizeigebäudes in Passau deutlich. Rund 260 000 Euro stünden hier für die Kunst zur Verfügung. Bemessungsgrundlage seien immer die Bauwerkskosten, nicht die Gesamtkosten des Projekts. Es zählten die Ausgaben für Baugrube, Gründung, Außen- und Innenwände, Decken, Dächer und baukonstruktive Einbauten. 

Die Gelder für Kunst am Bau würden nicht vollständig in Kunstwerke investiert. Abhängig von der Höhe der zur Verfügung stehenden Kunstmittel fallen rund 10-25 Prozent für Wettbewerbskosten und Aufwandsentschädigungen an die Künstler weg, die nicht zum Zug kommen, erfuhr MdL Alexander Muthmann. In der Jury fast immer dabei: Hubert Huber vom Berufsverband Bildender Künstler in Niederbayern. Ihm ist es wichtig, dass regionale Kunstschaffende aus allen künstlerischen Bereichen zum Zug kommen und es dabei Abwechslung gibt. Positiv an der RL Bau sei die klare Festlegung, dass das Geld für „Kunst am Bau“ nur für diesen Zweck verwendet und nicht anderweitig eingesetzt werden könne. „Wir müssten es dann zurückgeben“, sagte Sterl. Seine Überzeugung: „Der Freistaat Bayern ist mit der Regelung, die er in der RL Bau formuliert hat, einer der  letzten Mäzene für bildende Künstler.“ Als Vorzeigeprojekt nannte er die Kunst am Campus der Universität Passau. Zwischen 1981 und 2008 haben dort 40 Künstler Werke für rund 800 000 Euro geschaffen.

Im zentralen Treppenhaus der Polizeiinspektion Grafenau zeigen Fotoarbeiten des Künstlers Juergen Bergbauer aus Straubing unter dem Titel ‚101‘ Momentaufnahmen aus dem früheren Dienstgebäude am Stadtplatz, das nach 101 Jahren Polizeinutzung aufgegeben wurde (Foto: © Marcel Peda, Passau)

Wie vielfältig „Kunst am Bau“ ausfällt, schilderte Norbert Sterl am Beispiel des neuen Polizei-Dienstgebäudes in Grafenau. Den Wettbewerb gewann 2013 der Straubinger Fotokünstler Juergen Bergbauer mit Momentaufnahmen aus 101 Jahren Polizeigeschichte. Die Fotos erinnerten an den Alltag der Polizisten, stellten eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart her. Das sei genau der Anspruch von Kunst am Bau: Das Kunstwerk müsse zum Projekt passen! „Es gibt Künstler, die sich direkt beim  Staatlichen Bauamt bewerben,  sich damit in Erinnerung bringen und um eine Einladung zum Wettbewerb bitten. Es gibt immer wieder Wettbewerbe“, schilderte der Leitende Baudirektor seine Erfahrungen. Bei Großprojekten wie dem Internationalen Wissenschaftszentrum der Universität in Passau werde Kunst am Bau von vornherein in die Planung einbezogen; bei Verwaltungsgebäuden stehe sie eher am Ende. 

Alexander Muthmann wertete die Berichte als sehr positiv. Das Staatliche Bauamt in Passau nutze die Spielräume, die ihm die RL Bau gebe. Als nächstes werde er nachfragen, wie es um „Kunst am Bau“ bei den Kommunen bestellt sei. „Warum sind wir nicht auf die Idee gekommen, Künstler während der Corona-Epidemie mit Aufträgen oder dem Ankauf von Arbeiten zu unterstützen statt sie auf finanzielle Hilfen zu verweisen?“, überlegte der Freyunger Abgeordnete nach dem Gespräch mit Nobert Sterl und Hubert Huber. Ein Anstoß, neue Wege zu gehen.

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