(Bildquelle: mkreuzer.de)

Scheibenmeister

(von Tobias Schmidt)

Höchste Zeit, wieder einmal Schlaghosen und Plateaustiefel hervor zu holen, liebe Freunde der Nacht! Denn von Freitag, 22. Juli bis Sonntag, 24. Juli findet in Passau das Schallplattenfestival „Funk & Liebe“ statt.

Jawohl, Schallplatten, denn die schwarzen Scheiben aus der analogen Welt gestriger Tage feiern unter Musikconnaisseurs ja gerade wieder eine Renaissance. Rille um Rille, Groove um Groove. Groove ist auch jede Menge drin, wenn bei „Funk & Liebe“ elf der interessantesten Plattensammler aus ganz Europa etwa 50 Stunden in mehreren Lokalitäten selten gehörte Funk- und Soulsongs auflegen. Single B-Seiten bekannter Stars der Schwarzen Musik aus den 1960ern und 1970ern, aber auch damals bei eher obskuren Plattenfirmen erschienene Pressungen so genannter One-Hit-Wonders. Vom Liebeslied mit Doo Wop-Chor bis zu den Orgel- und Bassgewittern aus einer abgedrehten Umlaufbahn namens P-Funk.

Für die beiden Organisatoren und Diskjockeys – Neudeutsch „DJ“ – Stefano di Troia (25) aus München und Christian Neumahr alias „Kriss Kremig“ (27) aus Passau ist dies schlichtweg „die schönste Musik der Welt“. Die sie auch selbst nur zu gern bei gediegenen Soulparties in Passau, Augsburg oder München unter die Leute bringen: in der Dreiflüssestadt zum Beispiel seit nunmehr fünf Jahren beim Innkraut Soulclub. Und gern auch einmal mit Gast-DJs wie Greg Belson aus Los Angeles oder Rob Messer aus London. Nun also drei Tage lang geballte Soulpower zwischen drei Flüssen. Drei Tage lang tanzen, feiern, lieben, begleitet von Funk, Disco, Northern Soul, aber auch Psychedelic, Latin oder RnB – alles komplett von Vinyl. Prominentester Vertreter unter den „Meistern des schwarzen Grooves von schwarzen Scheiben“ bei „Funk & Liebe“ ist sicherlich der Schotte Keb Darge, der Anfang der 1980er Jahre den englischen Fernsehzuschauern beibrachte, dass auf Northern Soul ausnehmend gut zu tanzen ist. Seine spätere Arbeit an stargespickten Compilation-Alben begründete gar ein neues Genre für „Tanztee-Veranstaltungen an der Schwelle des 21. Jahrhunderts“: den Deep Funk. Ähnlich lang an den Decks tätig ist Alberto Folpower, heute auf Capri ansässig. In Deutschland kümmert sich vor allem der Münchner Florian Keller seit fast dreißig Jahren darum, Funk und Artverwandtes unter die Leute zu bringen. Seinen Nachnamen nimmt er dabei wörtlich: man munkelt, DJ Keller horte im heimischen Souterrain über 40 laufende Regalmeter Schallplattenschätze. Anderthalb davon entfielen allein auf die Rubrik „ALLES aber wirklich ALLES von James Brown“. Weiterhin bei „Funk & Liebe“ dabei: Arron Adams (Leeds), Henning Börm (Luzern), Malayka (Schweiz, Bamberg, London), Martin Glende (Hannover), Matt Fox (Köln), Michael Eckerl (Altötting), Nicole Ancilla (Bologna), Olav Schiedel (Rheda-Wiedenbrück).

Los geht’s am Freitag ab 21 Uhr im Café Museum, Bräugasse 17, mit Tanzmusik auf dem „Funk Floor“, während der „Liebe Floor“ für Lieblingsplatten reserviert ist. Einmal warmgetanzt, geht es am Samstag ab 13 Uhr an gleicher Stelle weiter. Genregrenzen gibt es bei „Funk & Liebe“ kaum, Landesgrenzen schon gar nicht, weshalb sich die Festivalbesucher am Samstag, ab 18 Uhr auf dem Oberdeck der MS Johanna gen Österreich aufmachen. Wieder fester Boden unter den Füßen kann in die Nachtclubs Goa und Cute Room abermals auf zwei Floors bis 5 Uhr weiter getanzt werden. Nach so viel Soulmusik endet „Funk & Liebe“ am Sonntagmorgen bei Kaffee und „mit Seele“ selbst gemachtem Frühstück im Café Schöffberger in der Luragogasse. Wochenendtickets zu 34,- Euro sowie Tagestickets sind „klassisch analog“ im Café Museum und Café Schöffberger zu bekommen. Der digitale Ticketverkauf sowie weitere Informationen einschließlich Sounds der gastierenden DJs sind über die Website www.funkundliebe.de abrufbar.

Organisatoren Christian Neumahr alias „Kriss Kremig“ und Stefano di Troia (Bildquelle: Neumahr)
Organisatoren Christian Neumahr alias „Kriss Kremig“ und Stefano di Troia
(Bildquelle: Neumahr)