'In einem Jahr mit 13 Monden' (Foto: Peter Litvai © Landestheater Niederbayern)

Rastlos liebendes, gebrochenes Herz

Bühnenfassung von Rainer Werner Fassbinders „In einem Jahr mit 13 Monden“ als Onlinestream des Landestheater Niederbayern

Landshut/Passau. „Jedes siebente Jahr ist ein Jahr des Mondes, in dem besonders viele Menschen an Depressionen leiden. Wenn aber ein Mondjahr gleichzeitig noch ein Jahr mit 13 Neumonden ist, wie 1978, kommt es zu persönlichen Tragödien.“, heißt es im Vorspann des 1978 entstandenen Films „In einem Jahr mit 13 Monden“.

Rainer Werner Fassbinder (1945-1982), der Berserker des Neuen Deutschen Films verarbeitete darin den Suizid seines Lebensgefährten. Der Regisseur fand ein Motiv für diese lebenslange unglückliche Suche nach Liebe, das einfühlsam, schonungslos und – für Fassbinder nicht untypisch – auch brutal daherkommt: einen die feindselige Großstadt durchstreifenden Außenseiter, einen Transsexuellen während der fünf letzten Tage seines Lebens. Elvira Weishaupt war früher Erwin. Und Erwin war ein verheirateter Familienvater. Aus Liebe zu einem Mann und dem Verdacht, das Gefühl beruhe auf Gegenseitigkeit, entschloss er sich zu einer Geschlechtsumwandlung. Jahre später geht eine glücklose und brutale Beziehung in die Brüche und Elvira macht sich gemeinsam mit ihrer Vertrauten, der Prostituierten Rote Zora, auf die Suche nach dem Mann, der der Auslöser für ihren radikalen Lebenswechsel war. Doch nach Zurückweisung, Spott, Zynismus und Verrat kapituliert Erwin/Elvira Weishaupt vor der Rekapitulation des eigenen Lebens. Das persönlich radikale Sich-passend-Machen Erwins führt lediglich dazu, das Elvira gesellschaftlich nirgendwo mehr hinein passt.

(Foto: Peter Litvai © Landestheater Niederbayern)

Das von Juliane Lorenz für die Bühnenadaption am Landestheater Niederbayern nacherstellte Drehbuch nach Originalaufzeichnungen von Rainer Werner Fassbinder und einem Filmprotokoll greift die von düster bis zärtlich reichende Motivik dieses Schlüsselwerk in Fassbinders Filmschaffen auf.

(Foto: Peter Litvai © Landestheater Niederbayern)

Ab 5. März um 19 Uhr ist das Stück in der Regie von Claus Tröger über der Mediathek auf www.landestheater-niederbayern.de als Onlineproduktion zu sehen. Die Hauptrollen spielen Joachim Vollrath (Erwin/Elvira Weishaupt) und Ella Schulz (Zora). In weiteren Rollen sind Alexander Nadler, Olaf Schürmann, Antonia Reidel, Paula-Maria Kirschner, Jochen Decker und Friederike Baldin zu sehen. Für die Wiedergabe des Videos nutzt das Landestheater Niederbayern die Plattform Vimeo. Für das Streaming ist keine besondere technische Ausstattung nötig – es funktioniert auf jedem Computer mit Internetanschluss. Bei Verwendung von mobilen Geräten wird die Installation der Vimeo-App empfohlen.

(Foto: Peter Litvai © Landestheater Niederbayern)

Der Stream ist kostenlos und bleibt bis vorerst 4. Mai 2021 online verfügbar. Ergänzend zu der kompletten Produktion stellt das Landestheater Niederbayern das Programmheft auszugsweise in der Mediathek zur Verfügung.