Austausch zwischen IHK Niederbayern und SPD-Abgeordneten

Passau. Gemeinsam mit dem Passauer SPD-Landtagsabgeordneten Christian Flisek ist die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Annette Karl zu einem Austausch mit Vertretern der IHK Niederbayern nach Passau gekommen. Beide wollten hören, wie es den Betrieben aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Tourismus in der Corona-Krise geht – und wo die Politik aus deren Sicht noch nachjustieren muss, um den richtigen Weg aus der Krise zu finden. Hierzu kamen beide Seiten zunächst auf die Automobilwirtschaft als wichtigem Faktor für den Wirtschaftsraum Niederbayern zu sprechen. Strukturelle Probleme und gewichtige Herausforderungen wie neue Antriebsformen, Vernetzung, Digitalisierung oder autonomes Fahren hätten die Branche schon vor Corona gefordert, die Pandemie habe diese Entwicklung noch beschleunigt und verstärkt, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner. Die Automobilbranche sei einem tiefgreifenden Wandlungsprozess unterworfen – das sah auch Karl so. Flisek sprach sich in diesem Zusammenhang für Technologieoffenheit aus: „Bei allem Transformationswillen – wir können den Verbrenner nicht von heute auf morgen aufgeben.“ Er forderte eine „Rückkehr zur klassischen Industriepolitik“. Schreiner legte dazu die Forderungen der Wirtschaft auf den Tisch: Förderung von Forschung und Innovation rund um die Mobilität der Zukunft, die Ermöglichung von Pilotprojekten für autonomes Fahren, verbesserte IT-Sicherheit für die automobile Vernetzung, neue Mobilitätsplattformen und eine Transformation der Bildung mit Blick auf die geforderten Kompetenzen.

Von der Industrie, die für 43 Prozent der Wertschöpfung im Wirtschaftsraum Niederbayern sorgt, kam die Runde schnell zum Thema Energie und speziell auf Stromversorgung und Strompreise. Karl bekräftigte, dass die Stromtrassen von Nord nach Süd wie geplant kommen müssten, um die Versorgung zu sichern und die Energiewende zu schaffen: „Eine bezahlbare, sichere und stabile Energieversorgung brennt in Bayern auf den Nägeln“, sagte die SPD-Wirtschaftsexpertin. Diese Position konnte Schreiner mit einem Anfang des Jahres veröffentlichten IHK-Gutachten bestätigen, das von der unabhängigen „Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft“ erstellt worden ist. Demnach werden in Niederbayern in Zukunft die Lichter nicht ausgehen und die Versorgungssicherheit wäre auch nach dem Atomausstieg gewährleistet – allerdings nur unter der Bedingung, dass die Politik ihre Versprechen hält, der Netzausbau vollkommen abgeschlossen wird und Niederbayern dann ausreichend Strom aus den Nachbarländern zuführen kann. „Es muss aber klar sein, dass wir uns damit vom Ausland abhängig machen, das haben beispielsweise auch die Unternehmer im IHK-Industrieausschuss kritisiert“, merkte Schreiner an.

Flisek brachte schließlich noch ein Anliegen auf den Tisch, dass nichts mit Corona, aber doch viel mit Gesundheit zu tun hat: die Forderung nach einer medizinischen Fakultät an der Universität Passau. Niederbayern sei der einzige Regierungsbezirk des Freistaats ohne eine solche Einrichtung, erinnerte Flisek. Dabei brächte eine Medizinfakultät Passau sowie der ganzen Region zahlreiche Vorteile: „Von einer solchen Investition profitiert auch die Wirtschaft – medizinische Versorgung ist ein harter Standortfaktor.“ Schreiner bestätigte, dass ein solcher Stützpunkt für die Medizinerausbildung Effekte etwa auf die Kaufkraft, den Wohnungsmarkt, die Struktur der Region und letztlich auf die Ausrichtung des Wirtschaftsstandortes insgesamt hätte und ebenfalls ein wichtiges Thema für die IHK sei. Man stehe einer entsprechenden Entwicklung offen gegenüber, versicherte der IHK-Hauptgeschäftsführer.

×

(Anzeige)

×