Seine oder unsere Schweiz-Bilder? „Helvetica“ von Andreas Herzau in der Soiz Galerie

(von Tobias Schmidt)

Über fünf Jahre hinweg hat der Fotograf, Dozent und Autor Andreas Herzau immer wieder die Schweiz besucht und verschiedene Orte, Sujets und Menschen mit der Kamera festgehalten.

Er umkreist dabei die Widersprüchlichkeiten des hevetischen Selbstbildes und reflektiert seine eigene Rolle als Fremder. Herzau rückt seinem Bildgegenstand dabei bisweilen nah „auf die Pelle“. Beim genauen Hinschauen findet man sich dann gern „erwischt“ beim voyeristischen Der-eigenen-stereotypen-Fährte-Folgen.
Herzau arbeitet mit großzügigen angeschnittenen Bildern und Motivkombinationen, die mal kontrastierend, bisweilen aber auch als überraschende Komplementärbilder daherkommen. Das gute alte Diptychon hier also einmal als verbildlichte gesellschaftliche Bruchstelle, als „Doppelbild mit Knacks“? Oder haben wir uns Herzaus Bilder wie eine grafische Erzählung vorzustellen? Wie einen Fotocomic, jedoch ohne jene Zwischenstege zwischen den Bilderpanels, die dem Kopf Raum geben, um sich eine eigene Geschichte zusammen zu setzen.

Was diesen ästhetischen Ansatz interessant macht? Das ist ein journalistischer Bildzugang, jedoch abseits der Serien- und Reportagefotografie. Im September erschien „Helvetica“ als Fotoband im Schweizer Verlag Nimbus, dort sind allen Bildern Gedichte Nora und Eugen Gomringers beigestellt. Damit ist der Bildbandes „spiegelbildlich“ zum Buch „Die Deutschen“ des Schweizers René Burri aus dem Jahr 1962 konzipiert, welches seinerzeit deutsche Autoren betexteten.

Vernissage dieser neuesten Ausstellung der Passauer Soiz Galerie, Schustergasse 19, ist am Freitag, 27. Oktober 2017 um 19 Uhr.
Anschließend ist „Helvetica“ noch bis 22. Dezember jeweils Mittwoch bis Freitag (15 bis 19 Uhr) und am Samstag (11 bis 15 Uhr) bei freiem Eintritt zu besichtigen.
Nähere Informationen auch unter www.soiz.de.

(Bilder/Fotos: Andreas Herzau)