(von Rainer Eckelt)

Bad Griesbach/Therme. Emotionen wecken! Dieses Bestreben liegt dem Management von Knaus Tabbert am Herzen. Es zielt nicht nur auf die (End)Kunden ab, sondern man möchte Emotionen auch bei seinen Handelspartnern wecken und dies im besten Sinne. So begann die Knaus Tabbert Händlertagung 2019 am 31. Juni in Bad Griesbach/Therme mit einem Blick zurück in dunkle Zeiten des Unternehmens. Der Zeitraum 2007-2009: Die US-Immobilienblase ist geplatzt. Große Deutsche Banken sind ins straucheln geraten, mussten am Ende sogar politisch gerettet werden. Mit in den Strudel reißt es auch das Traditionsunternehmen Knaus Tabbert im heimischen Jandelsbrunn. Der Arbeitsplatz von huderten Mitarbeitern ist massiv bedroht. Produktionsstillstand. Lohnausfall. Kein Investor in Sicht. Bei dieser Präsentation herrscht vollkommene Ruhe im festlichen illuminierten Eventsaal, gefüllt mit rund 300 Händlern. Die Dokumentation dieser Zeit wird eindrucksvoll auf der riesigen Leinwand präsentiert, unterlegt mit Bildern und Stimmen von Mitarbeitern, die diese schweren Monate mit durchlebt haben. Noch heute, 10 Jahre später, kommen die Emotionen hoch, einige Stimmen brüchig bei der Schilderung. Hoffnung keimt auf, als 3 junge Männer aus England Ende 2008 starkes Interesse an einem Investment zeigen. Dann doch, die Absage! Niedergeschlagenheit. Als niemand mehr mit einer Rettung gerechnet hatte, viele Monate später, legen genau diese drei Engländer einen Kontakt zu einer Investmentgesellschaft aus den Niederlanden, dem Unternehmen HTP. Die Rettung war da, Knaus Tabbert nahm wieder Fahrt auf.

Ein Teil der Knaus Tabbert-Mannschaft stellt sich vor (Foto: Eckelt)

Am Ende dieses Rückblicks sagte CEO Wolfgang Speck: „Die Geschichte ist ein Teil von uns“. Ein langer, anerkennender Applaus leitete den weiteren Verlauf des Abends ein. Das Viererteam der Geschäftsleitung, bestehend aus CEO (Chief Executive Officer) Wolfgang Speck, Marc Hundsdorf CFO (Chief Financial Officer), Gerd Adamietzki CSO (Chief Sales Officer) und Werner Vaterl, COO (Chief Operating Officer), begrüßten die vielen Gäste, unter ihnen auch der 1. Bürgermeister von Jandelsbrunn,  Roland Freund. Zu einem Händlertreff gehört natürlich auch die Präsentation der Unternehmensentwicklung. In Zahlen und Grafiken wird eine beeindruckende Entwicklung aufgezeigt. Der aktuelle Absatzboom bei Wohnwägen und bei Reisemobilen (Wohnmobilen) schlägt sich erwartungsgemäß auch bei Knaus Tabbert stark nieder. Was sind nun die Gründe für diesen Bomm, der der ganzen Branche im 3. Jahr in Folge 2- stellige Zuwächse beschert? Zum Beispiel in einem exorbitanten Anstieg der gebauten Einheiten alleine bei Knaus Tabbert von 137.000 im Jahr 2013 auf 213.000 im Jahr 2019. Die Analyse der 4 Manager war kurz und treffend: Zum einem der geburtenstarke Jahrgang 1963 mit 1.4 Mio Geburten. Rund 55 Jahre später dann die anhaltende Nullzins- Politik. Sparen bringt keine Zinsen mehr, Geldanlagen sind verbreitet unsicher. Geld wird ausgegeben für Bautätigkeiten, und insbesondere für Urlaub und Freizeit. Und hier erstrahlt das Reisemobil, der Wohnwagen (Caravan) in Verbindung mit dem Überbegriff „Camping“ zu neuer und bis dahin unbekannte Stärke.

Knaus Tabbert produziert heute an 4 Standorten. Im Stammwerk Jandelsbrunn arbeiten rund 1.300 Menschen. Im hessischen Mottgers 380 Mitarbeiter, im ungarischen Nagyiorozsi sind es 830 Mitarbeiter und in der „Edelschmiede“ Marelo in Schlüsselfeld, bauen 305 Fachkräfte Reisemobile für das Luxussegment. Über 2.800 Mitarbeiter beschäftigt Knaus Tabbert somit insgesamt und deckt mit seinen Marken Knaus, Weinsberg, Morelo und Tabbert den Freizeitbereich des mobilen Campings und allen Preissegmenten bis hin zur Luxusklasse komplett ab. Begleitet wird die imposanten Unternehmensentwickung von einer parallel stattfinden positiven Entwicklung im Bereich Camping: Übernachteten 2009 noch rund 25 Mio Menschen auf einem deutschen Campingplatz, waren es 2018 stolze 35 Mio Menschen. Ein unglaublicher Zuwachs, der diese Freizeitform weiter aufblühen lässt. Weg vom fremd organisierten Hotelurlaub, hin zum selbst organisierten, unabhängigen Urlaub ohne Zeitplan, Essenszeiten u.s.w. ist hier die Devise.

Der Star-Wohnwagen „Cellini“ nach der festlichen Enthüllung (Foto: Eckelt)

Auch das Mieten von Reisemobilen erlebt einen erheblichen Aufschwung. Viele Interessierte Kunden wollen diese Form von Urlaub gerne zunächst ausprobieren, bevor sie in ein Reisemobil investieren. Verständlich, denn auch im unteren Preissegment sind hier mehrere Zehntausend Euro anzulegen.  Knaus Tabbert hält in Deutschland einen Marktanteil von 22% und zählt somit zum Marktführern, was die absoluten Verkaufszahlen anbelangt. Von den rund 24.000 Neuzulassungen in 2018, fallen auf das Jandelsbrunner Unternehmen über 5.300 Zulassungen. Auch hier ein adäquates 2- stelliges Wachstum. Aufgeteilt ist dieses Wachstum in 3 Bereiche der Produktion: 8.063 Reisemobile, 4.201 CUV (Kastenwagen) und 13.551 Caravans (Wohnwägen). Der Gesamtumsatz entwickelte sich von 133 Mio € in 2009 auf 801 Mio € in 2018. „Hungrig“ auf die Milliarde ist man inzwischen bei Knaus Tabbert. Durchaus realistisch, wobei hier die Boomphase noch länger anhalten müsste.

Der neue ‚Box Star‘ von Knaus Tabbert (Foto: Eckelt)

Während einer schönen Bildershow von Modellen der letzten 50 Jahre, wurden zahlreiche Händler für ihre langjährige Arbeit für Knaus Tabbert geehrt. Eine besondere Ehrung erfuhr das Ehepaar Walburga und Heinrich Maier aus Oberschwaben, die seit 50 Jahren Partnerhändler des Unternehmens sind. Langsam näherte sich der Höhepunkt des Abends: Die Vorstellung der neuen Modelle. Zunächst wurden sichtbare und die „unsichtbaren“ Neuheiten als Upgrades vorgestellt. Entwicklungen, die das Reisen und das Wohnen in einem Reisemobil leichter und sicherer machen. Hierzu gehört ein neues Wasseraufbereitungssystem für das Frischwasser, denn nicht überall ist das zur Verfügung stehende Frischwasser unbedingt auch sorgenfrei trinkbar. Ein Auto Motives Headup Display direkt über dem Lenkrad erleichtert das Ablesen von Daten der Audioanlage und des Navigationssystems. Neue breitere Aufbautüren (Eingangstüren zum Wohnbereich) erleichtern das Ein- und Aussteigen, neue Heckleuchtenträger und Fahrradträgersysteme, machen das Fahren sicherer.

Im Inneren des Wohnwagen-Spitzenmodells ‚Cellini‘ (Foto: Eckelt)

Danach begleitet von einer Lasershow und wummernden Bässen, rollten die 7 neuen Caravans und Reisemobil – Modelle vor. Höhepunkt am Schluss war der neue Luxus-Wohnwagen „Cellini“. CSO Gerd Adamietzki betonte, dass hier nicht der vorgegebene Verkaufspreis die Innovation bestimmt hat, sondern umgekehrt, das Ergebnis danach den Verkaufspreis festgelegt hat. Das etwa 10 Meter lange, doppelachsige „Schiff“ wurde als „Spitze des Wohnwagenbaus“ proklamiert. Mit Recht, wie die spätere genauere Besichtigung ergab. Innovativ und sehr interessant der neue Boxstar, einen CUV (Crossover Utility Vehicles) oder auch Kastenwagen genannt. Aber mit einem „Kasten“ hat das Bild dieses Modells nichts mehr zu tun. Das schnittige hochgebaute Reisemobil ist trotz seiner Kompaktheit ein Fahrzeug, dass Komfort und Flexibilität in sich vereint. Ideal für 2 Personen, wendig und leicht zu fahren.

Die Festhalle (Foto: Eckelt)

Reisemobile und Caravans sind als innovative und vor allem freiheitsbezogene Urlaubsform hoch im Kurs. Sie erreicht alle Schichten der Bevölkerung: 94% aller Menschen über 60 Jahre träumen von einem Reisemobil. 5 hauptsächliche Hersteller von Basisfahrzeugen (FIAT, Ford, Daimler, Peugeot und Volkswagen) buhlen um Anteile. Rund 487 tsd Reisemobile bevölkerten Ende 2018 die Straßen Europas und allein in Deutschland kann der Kunde unter mehr als 30 Herstellern (Made in Germany) wählen. Auch hier verlagern viele Hersteller Unternehmensteile in Ausland, vornehmlich nach Osteuropa. Der Preiskampf lässt grüßen und ist auch in einem anhaltenden Zuwachsmarkt hart umkämpft. Die Hersteller und Händler sind gehalten ihre Vertriebskonzepte sorgfältig auszuwählen und ständig auf die aktuelle Realität abzustimmen. Besonderer Wert wird hier auf den Service gelegt. Der Kunde wählt nicht nur nach Preis/Leistung, sondern auch nach Sicherheit im Service seinen „Traum“ aus. Gute Zeiten bergen auch Gefahren in sich. Diese gilt es schon im Vorfeld zu erkennen denn auf die „Guten Zeiten“ werden zwangsläufig auch wieder weniger Gute folgen. Die Gewinner sind hier diejenigen, die sich darauf vorbereitet haben. Für das Unternehmen Knaus Tabbert ergaben sich nach dieser Präsentation hierin keinerlei Bedenken.