Retro-Psychedelia bis Ganz-jetzt-und-hier-Elektropop. Die „Mailights“ im Zauberberg

(von Tobias Schmidt)

Es ist bisweilen gar nicht so angenehm, dass die Popmusik in die Jahre kommt. Weil zum Beispiel alle Nase lang irgendein Musiker das Zeitliche segnet. 2015 etwa ging es der wohl lautesten aller Kapellen an den Kragen: dem englischen Trio Motörhead. Welch Wehklagen weiland an Weihnachten über das Ableben von Sänger, Bassmann und Whiskyvernichter Lemmy Kilmisters.

Dass nur wenige Wochen zuvor auch Schlagzeuger Phil „Philthy Animal” Taylor gestorben war, entnahm man Randnotizen in der Musikpresse, das war’s aber auch. Dabei hatte Taylors schnelles Spiel auf der Doppelpedalfußmaschine geholfen, Punk mit Hard Rock zu fusionieren und dem Speed Metal der frühen 1980er den Weg zu bereiten. Little Villains hieß eine von Taylors Bands. Eine gemeinsame CD-Veröffentlichung zu Lebzeiten kam zwar nie zustande, doch erschien im März dieses Jahres mit „Philthy Lies“ ein Album mit älterem Songmaterial, auf dem Phil Taylor noch am Schlagzeug zu hören ist. Dieses Live-in-the-studio Feeling mit Taylors gerufenen Anweisungen ist zum Teil Fake, weil die „kleinen Schurken“ einzelne Instrumentalspuren in neuer Besetzung neu aufnahmen und darüber legten. Musikalische Leichenfledderei? Darüber bilde man sich ein Urteil, wenn man Little Villains und ihren „hard and heavy Rock’n’Roll“ live erlebt. Am Donnerstag, 9. Mai spielt die Band im Passauer Zauberberg.

Little Villains (Foto: Heavy Psych Sound)

Mehrere Jahre bemühten sich die Betreiber des Liveclubs um das Münchner Trio Color Haze. Im 25. Jahr ihres Bestehens kommt die Psychedelic Rock-Institution am Samstag, 11. Mai auf einen Gig vorbei. Man hört ihn zwar noch, den schwergewichtigen „Farbenschleier“-Fuzzsound à la Queens of the Stone Age, und die genretypische Neigung zu ausgedehnten Jams ist den Mannen um Gitarrist Stefan Koglek auch noch nicht vergangen, doch ist der Bandsound seit einigen Jahren dynamischer und komplexer geworden.

Color Haze (Foto: Elektrohasch Records)

Überhaupt nicht „retro“, sondern im urbanen Elektropop von heute zuhause ist das Münchner Quintett LVNG. Synthie meets Soulgesang, und es klingt dennoch nicht nach Achtzigerjahre-Formatradiosound. Live-Test empfohlen.

LVNG (Foto: LVNG)

Für Ende des Monats bitte außerdem noch vormerken: Der Nino aus Wien, seit gut elf Jahren eine Institution im nicht gerade ereignisarmen österreichischen Pop ist am 25. Mai zu erleben.

Ebenso lange dabei ist das Innsbrucker Trio Mother’s Cake. Bekannt u.a. vom Passauer Impuls Festival gibt es am 31. Mai ein Wiederhören mit deren funky Crossover Sound.

Alle Konzerte  im Liveclub Zauberberg, Franz-Stockbauer-Weg 1. Nähere Informationen und Kartenvorverkauf unter www.zauberberg-passau.com.