Nachfolgerin ist Martina Matheisl-Schmid

Passau (can). Wie kaum andere in der Region gilt er in Fragen Sucht und Drogen als Experte. Bei den Klienten/innen war seine Begleitung und sein Rat gefragt, genauso seine Expertise bei den Politikern im Deutschen Bundestag. Vorträge, Interviews, Bewusstmachen der Probleme, aber auch der Chancen, aus der Sucht auszusteigen:

Julius Krieg, der langjährige Leiter der Psychosozialen Beratung und Behandlung (PSBB) des Diözesan-Caritasverbandes, hat Zeichen gesetzt. Am Freitag, 30. Oktober, war letzter Arbeitstag des 66jährigen. Die beiden Caritasvorstände, Diakon Konrad Niederländer als Bischöflich Beauftragter und Michael Endres als Caritasdirektor sagten „Vergelt’s Gott“ für den großen und profilierten Einsatz.

Fast 30 Jahre war der gebürtige Altreichenauer für die Caritas und die Menschen unterwegs. Der Diplompädagoge begann 1992 bei der PSSB, deren Leitung er 2003 übernahm. Die Gründung der sogenannten Substitutionsambulanz im Jahr 2008 geht auf ihn zurück. Dabei wird streng unter ärztlicher Aufsicht mit Hilfe mit der Ersatzdroge Methadon, denjenigen geholfen, die aus eigener Kraft von Opiaten nicht loskommen, um sie zur Therapie zu führen. Krieg hat auch den Kreuzbund-Diözesanverband Passau, eine Selbsthilfe-Einrichtung für Suchtkranke und deren Angehörige, gegründet, und wird ihn auch im Ruhestand noch begleiten.

Die beiden Caritasvorstände Diakon Konrad Niederländer und Michael Endres würdigten das fachliche Engagement und den persönlich-authentischen Einsatz für von Sucht betroffene Menschen. Krieg habe mit Herzblut gearbeitet. Nach 10423 Tagen, wie frühere Bundeswehr-Offizier selbst vorrechnete, gehe er nun in den Ruhestand. Für den neuen Lebensabschnitt wünschten die Caritas-Vorstände mit einem kleinen Präsent alles Gute und Gottes Segen. Jetzt, da Krieg für den Ruhestand den Pilotenschein macht, ist er auf jeden Fall dem Himmel nah.

Die Nachfolgerin ist Martina Matheisl-Schmid (48). Die Dipl.-Sozialpädagogin und Familientherapeutin war bereits seit 2008 stellvertretende Leiterin der PSSB. Sie ist seit 1998 dort im Schwerpunkt Ess-Störungen tätig. Sie leitet nun die Caritas-Einrichtung mit dem Team von neun Mitarbeitenden.

28 Jahre in der Suchtberatung haben Julius Krieg in Abgründe blicken lassen, aber auch erleben lassen, dass Menschen aus den Tiefen ihrer Sucht wieder herausfinden. Dazu passt der Leitsatz, den Julius Krieg über seinem Schreibtisch hängen hatte: „Und wenn ich zurückblicke, dann sehe ich, dass mein Unglück mein Glück war“. Dieser Satz gilt für Klienten. Er gilt aber auch für ihn persönlich. Denn sein Lebensweg, den das Bayerische Fernsehen derzeit für die Reihe „Lebenslinien“ aufbereitet, hatte Tiefs. Er geht offen damit um, dass er mit Alkoholsucht zu kämpfen hatte und sie überwinden konnte. Da ist Julius Krieg konsequent sowie authentisch geblieben.

Deswegen wohl konnte er ohne Urteile oder gar Vorurteile seine Beratungsarbeit leisten; gestützt auf fachliche Qualifikation. Den Teufelskreis zu durchbrechen, die Droge beiseite zu legen:  dabei hat er viele Menschen begleitet. Dass Julius Krieg in seinen Schlussworten den Dank ab Gott formulierte, zeugt vom persönlichen Glauben, des Diplom-Pädagogen, der von 1989 bis 1992 auch Religionsunterricht erteilte.  Wie suchtkrank jemand auch sein mag, für ihn ist es ein wertvoller, weil von Gott gewollter und geliebter Mensch. Nah am Nächsten wollte er als Mitarbeiter der Caritas in all den Jahren sein. Er war es und hat viele auf den mühsamen Weg geführt, mit sich selbst verantwortungsvoll umgehen.

Er hat auf die Suchtgefahren in Niederbayern öffentlich aufmerksam gemacht. „Wir leben in einer Suchtgesellschaft quer durch alle Schichten, die immer krasser wird“, diagnostizierte er einmal. Deshalb wird im Passauer Konradinum auch unter der Nachfolgerin Martina Matheisl-Schmid die Tür ohne Frage nach dem Warum oder Wer offenstehen um sich auf den Weg zu machen.

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