Audrey Martell hat Songs für die Stars geschrieben. Jetzt singt sie lieber selbst. Und bald auch bei uns

(von Tobias Schmidt)

Perlesreut. Es ist gar nicht so leicht Sänger auszumachen, die Souljazz der späten 1960er und den aus dem Radio bekannten Neosoul gleichermaßen gut präsentieren können. Also Horace Silvers „Song for my father“ fürs an gediegenen Standards interessierte Publikum, und – na sagen wir – etwas für Jary J. Blige-Fans. An einem Abend, wohlgemerkt. Audrey Martell aus Chicago kann das. Ein tolles Timbre, irgendwie viel zu schade für die vielen Background-Sängerinnen Jobs ihrer in den frühen 1990ern begonnenen Karriere.
Céline Dion, Anastacia, Joan Osborne, Jamiroquai, Caetano Veloso, Hall & Oates oder Bruce Springsteens Gitarrist (und The Sopranos-Serienstar) „Little Steven“ van Zandt stärkte sie bei Aufnahmen gesanglich den Rücken. Nur eben bei jenen am meisten im Radio gespielten Song wurde ihr Gesang arg „überpoliert“, bei „Ooops, I did it again“ von Britney Spears. Aber lassen wir das. Simon Kirke – in den frühen Siebzigern als Schlagzeuger der englischen Bluesrockband Free zu Rock’n’Roll-Ruhm gekommen – überließ Martells ein ganzes Album lang den Harmoniegesang.  Und noch besser: Die Frau komponierte auch selbst.

Audrey Martells (Foto: Tarrice Love)

Als in den späten Neunziger Jahren Pop und Jazz wieder einmal einander Avancen machten und sich am Ende auf musikalische Ehe wie R&B Adult Contemporary einigten, da klingelten zum Beispiel Randy Crawford und Schmusejazzgitarrero George Benson bei der Songschreiberin -mit-Bühnenerfahrung Audrey Martells an. Aus dieser Zeit stammen auch noch ihre Kontakte zu europäischen Arrangeuren und Musikern, denn das Musikbusiness ist international aufgestellt.
Für das deutsche 1980er-Chartwunder Sandra sprang so 2009 noch einmal ein Hit heraus. Aber irgendwann war einfach Schluss mit der „Auftragsschreiberei“. Audrey Martells singt nun wieder. Jazz. Standards und eigene Kompositionen. Mit extra viel cremigem Soul im Sound. Und der aus Vöcklabrück/OÖ stammende, in New York lebende Pianist Walter Fischbacher befand, dass ihre Stimme auch jenseits des großen Teichs Gehör finden sollte. Gemeinsam organisierten sie Martells erste Europatournee.

Walter Fischbacher Trio (Foto: Fischbacher/Montage: MuW/t.schmidt)

Am Samstag, 11. November 2017 führt sie diese nach Perlesreut ins Wirtshaus Hafner. Fischbachers Triobegleiter und vielgebuchter Sessiondrummer Ulf Stricker sitzt dann am Schlagzeug. Petr Dvorský (u.a. Emil Viklický Trio), zupft den Kontrabass.
Konzertbeginn ist um 20 Uhr. Karten sind unter Telefon 08555 699 oder mortl@hafner-wirtshaus.de reservierbar.

(Titelbild: Audrey Martells – Foto: Tarrice Love)