„Wir müssen in die inhaltliche Diskussion mit dem Islam gehen“

Passau. Noch bevor es im Herbst in die parlamentarische Behandlung des Integrationsgesetzes geht, haben die Abgeordneten Walter Taubeneder und Dr. Gerhard Waschler den Austausch zu Sichtweisen der katholischen Kirche über den Islam und die Integration von Muslimen mit dem Passauer Bischof Dr. Stefan Oster SDB gesucht.

„Als Christlich-Soziale Union ist es unsere Aufgabe, auch die Sichtweisen der Kirche in unsere Entscheidungen mit einzubeziehen. Es gilt den Blick auf unsere christlich-sozialen Werte nicht aus den Augen zu verlieren“, so MdL Waschler.

Nicht erst seit dem massiven Flüchtlingszustrom im Jahr 2015 setze sich auch die Kirche zunehmend mit der Identitätswahrung der eigenen Glaubensrichtung sowie der Integration und Fürsorge jedes einzelnen Flüchtlings auseinander. „Wir befinden uns in einem Spannungsfeld zwischen der globalen Herausforderung einerseits und dem Umgang mit Einzelschicksalen andererseits. Und wir müssen dabei sowohl die Überforderung unserer Gesellschaft vermeiden, dürfen aber gleichzeitig nicht übersehen, dass jeder einzelne Flüchtling ein Mensch mit eigener Würde ist“, erklärt der Bischof. Auch wenn deutlich zwischen Entkonfessionalisierung und politischen Entwicklungen bezüglich der Integrationsvorhaben unterschieden werden müsse – in einer Sache ist man sich einig: „Wir können nicht alles leisten, wir haben eine endliche Kraft und es muss Grenzen geben. Und wir müssen auch tiefer in die inhaltliche Debatte mit dem Islam gehen.“ Und dazu brauche es das intensive gemeinsame Gespräch der Religionen.

„Die christlich-, jüdisch-, abendländische Kultur und Tradition muss als Grundlage aufrechterhalten werden“, betonten die Abgeordneten gegenüber dem Passauer Oberhirten. Gerade im Bereich des Bildungswesens sei man auf Unterstützung angewiesen: „Uns ist daran gelegen, dass sich die Kirche in keinem Fall als Träger aus den Schulen und Kindergärten zurückzieht“, so MdL Waschler. Auch Bischof Stefan Oster betonte mit Blick auf die wachsende Glaubenserosion, dass es wichtig sei, „unsere Inhalte des christlichen Glaubens wieder in ihrer Tiefe zu vermitteln“, weil das volkskirchliche Modell der Glaubensvermittlung in Familien oder im Kommunionunterricht an Bindekraft verliere. Seitens der Politik hoffe man auf einen regen Gedankenaustausch und kurze Kommunikationswege mit der Kirche.

Der Bischof betonte abschließend, dass ihm auch eine differenzierte Wahrnehmung der Gender-Diskussion ein Anliegen sei. Es dürfe nicht sein, dass die Debatte und der Gender-Begriff gleichsam als U-Boot benutzt würden, um die Familie von Mann, Frau und Kind(ern) als Keimzelle jeder Gesellschaft zu schwächen.

 

(Bild zuoberst: Die Abgeordneten des Landtages Dr. Gerhard Waschler (l.) und Walter Taubeneder (r.) im Gespräch mit dem Passauer Bischof Dr. Stefan Oster SDB; Foto: moz)