KDFB in der Diözese Passau startet feste Trauergruppe

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist für die Angehörigen von einem Moment auf den nächsten nichts mehr so, wie es vorher war. Sie fallen in eine tiefe Krise. Die Welt steht Kopf, die Trauer greift um sich. Beistand und die Möglichkeit, die eigenen Gefühle ohne Scheu zeigen und ausleben zu können, bietet ab dem 23. September 2020 eine neue feste Trauergruppe des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in der Diözese Passau.

Passau. Trauernde ein Stück weit auf ihrem Weg begleiten, ihnen neue Perspektiven aufzeigen, sie erleben zu lassen, dass sie mit ihrem Schmerz nicht alleine sind – mit dieser Zielsetzung starten die erfahrenen KDFB-Trauerbegleiterinnen Ulrike König und Brigitte Hartl die Trauergruppe. Bei den insgesamt acht Treffen werden sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einfühlsam dabei unterstützen, ihrer Trauer Raum zu geben. Denn das ist immens wichtig. Trauer sollte niemals verdrängt werden. „Wenn man die Gefühle einschließt, kann das auf Dauer krank machen und im schlimmsten Fall zu einer depressiven Verstimmung führen. Aber Trauer ist eigentlich keine Krankheit, die mit Medikamenten behandelt werden muss“, sagen König und Hartl. Sie wissen sehr genau, dass Hinterbliebene oft unter seelischen und körperlichen Schmerzen leiden. Wenn der Verlust realisiert wird, ist es, als würde das Herz zerreißen. Alles tut weh, man kann nicht essen, nicht schlafen. „Diese Symptome sind eine ganze Zeit lang ganz natürlich. Sie gehören zum Trauerweg“, so König. Sie betont zudem, dass der Trauerweg sehr lange sein kann. „Aber er muss gegangen werden – in kleinen Schritten.“ Während es im eigenen Umfeld oftmals schwer ist, die Trauer auszuleben, finden Betroffene in der Gruppe einen geschützten Ort vor, an dem sie sich vollständig öffnen können und tiefes gegenseitiges Verständnis erfahren. Berührungsängste und Zweifel, ob die Gruppe das Richtige ist, seien laut König und Hartl im Vorfeld aber normal. „Manche haben Angst vor so einer Gruppe, weil sie denken, dass sie den Schmerz der anderen auch noch ertragen und verarbeiten müssen. Doch nach dem ersten Treffen ist diese Angst verpufft. Denn dann erkennen die Trauernden, dass es sehr wertvoll ist, den Schmerz mit anderen zu teilen, die in einer ähnlichen Situation stecken“, berichtet König. Die Erfahrung, mit den vielfältigen Emotionen rund um den Verlust des geliebten Menschen nicht alleine zu sein, ist deshalb ein zentrales Element in der Trauergruppe. „In der Gruppe finden sie Geborgenheit und ein totales Verstehen – das ist der springende Punkt. Trauernde möchten sprechen, gehört und verstanden werden“, so Hartl.

Im Laufe der Zeit wächst die Gruppe immer mehr zusammen, es entsteht eine echte Gemeinschaft. Diese Verbindung bleibt oft langfristig. Häufig würden sich die Mitglieder nach Abschluss der Gruppe privat treffen, miteinander in den Urlaub fahren oder zusammen die anderen Trauerangebote des KDFB besuchen, erzählen die Trauerbegleiterinnen.

Ulrike König und Brigitte Hartl ist es ein Herzensanliegen, für die Trauernden da zu sein und ihnen neuen Mut zu schenken. „Von unserer Seite her ist das aktive Zuhören das Wichtigste. Die Trauernden bekommen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Dabei bewerten wir nichts. Vielmehr bestätigen wir immer wieder, dass der Trauerweg gegangen werden muss, damit der Verlust verarbeitet werden kann“, sagen sie. Sie leiten die Gruppe gemeinsam, um eine intensive Begleitung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewährleisten zu können. „Wenn wir merken, dass es für einen Trauernden zu viel wird, nehmen wir die Person auch mal zu Einzelgesprächen aus der Gruppe, damit die Gefühle abgebaut werden können. In der Zwischenzeit bleibt die jeweils andere Trauerbegleiterin bei der Gruppe“, sagt Brigitte Hartl, die das Trauern als Schwerstarbeit beschreibt. Sie weist zudem darauf hin, dass die Gruppe ein geschützter Raum ist. „Es besteht Schweigepflicht. Das trägt auch sehr zu der geborgenen Atmosphäre bei.“ Bei den acht Treffen wird jede Woche ein anderes Thema in den Mittelpunkt gerückt. Zu Beginn wird das Gefühlschaos zwischen Wut, Schuldgefühlen und Ängsten beleuchtet. „Weitere Themen sind die Beziehung zu dem Verstorbenen, was in der Trauer gerade hilft, was zurzeit besonders schwerfällt oder auch, welche Verhaltensweisen sich in der Trauer verändert haben“, berichtet Ulrike König. Ihr ist besonders wichtig, dass die Trauernden erkennen, dass die Liebe zu dem verstorbenen Menschen mit dem Tod nicht endet. „Die Liebe lebt in der Trauer weiter und kann sogar noch stärker werden – sie hört niemals auf.“

Die feste Trauergruppe findet ab dem 23. September immer mittwochs (30.09./07.10./14.10./21.10./28.10./4.11./11.11.) in Passau statt. Die genaue Örtlichkeit wird bei der Anmeldung bekannt gegeben. Die Teilnahmegebühr beläuft sich auf 50 Euro. Selbstverständlich werden im Zuge der Corona-Pandemie die derzeit geltenden Hygiene- und Schutzvorschriften wie Maskenpflicht und Abstandsregeln umgesetzt. Eine Anmeldung ist im KDFB-Diözesanbüro unter Telefon 0851/36361 oder per E-Mail unter kdfb.passau@bistum-passau.de möglich oder direkt bei Ulrike König unter Telefon 08501/914422.

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