Bezirk Niederbayern und Johannesbad Gruppe wollen sich gemeinsam für Heilbäder stark machen

Freyung. Die Corona-Krise trifft alle Heilbäder gleichermaßen hart, doch aus der Not können auch Chancen entstehen – sogar für zwei, die sonst als Mitbewerber auf dem Markt tätig sind. Die Johannesbad Gruppe, die in Bad Füssing eine Therme und eine Fachklinik betreibt, war deshalb, vertreten durch ihren Aufsichtsratsvorsitzenden und ärztlichen Direktor Dr. Johannes Zwick und CFO (Chief Financial Officer) Werner Weißenberger, zu einem Gespräch in Freyung. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, der als Vorsitzender die Zweckverbände Niederbayerische Thermalbäder vertritt, begrüßte diesen Vorstoß, da der Bezirk sich derzeit intensiv mit der Neuausrichtung der fünf Heilbäder befasst, die er gemeinsam mit den jeweiligen Gemeinden und Landkreisen zu 60 Prozent mitfinanziert – mit Ausnahme der Europatherme Bad Füssing, in die seit Jahrzehnten keine Umlagegelder fließen.

So wie der Bezirk Wege sucht, um durch Effizienzsteigerungen und Synergieeffekte innerhalb der eigenen Häuser mehr finanziellen Spielraum zu gewinnen, so wären aus Sicht der Johannesbad Gruppe auch Kooperationen mit dem Bezirk in einzelnen Bereichen sinnvoll für beide Seiten. Olaf Heinrich zeigte sich dankbar für die Initiative, denn feststehe, „dass es derzeit keine Denkverbote geben darf“. Allein schon deshalb nicht, weil beide Träger durch die Corona-Krise mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Ob und wie solche Kooperationen möglich wären, das muss im Laufe der kommenden Monate erörtert werden, zumal man als Mitbewerber naturgemäß eine gewisse Distanz zueinander hat.

Einig war man sich bei dem Gespräch jedoch bereits, dass in Sachen finanzieller Unterstützung im Zuge der Corona-Pandemie ein gemeinsames Auftreten gegenüber den politischen Entscheidungsträgern auf Landes- und Bundesebene notwendig sei, um die enorme Bedeutung der Heilbäder für die Region zu unterstreichen.

Ebenso seien Verhandlungen mit den Versicherungsträgern wie etwa den Krankenkassen  erfolgversprechender, wenn man mit einer Stimme spreche und damit mehr Gewicht in die Waagschale werfen könne. „Sie haben ein starkes politisches Wort in Bayern“, ist Dr. Zwick überzeugt. „Man kann etwas erreichen, wenn man will, aber das geht nur gemeinsam.“ Außerdem sei es gerade mit Blick auf die Angebote in Nachbarländern wie Oberösterreich wichtig, dass die niederbayerischen Anbieter an einem Strang ziehen. „Das ist kein Firmen- oder Standortthema, sondern ein Thema der Regionalentwicklung.“

Für Bezirkstagspräsident Heinrich gehe es nun darum, Wege zu finden, um sich gemeinsam positiv weiterzuentwickeln. Dazu gehören auch Anstrengungen, dass wieder mehr offene Badekuren von den Krankenkassen genehmigt würden. Waren früher diese Patienten der Großteil der Kunden in den Heilbädern, so ist der Anteil heute auf etwa fünf Prozent gesunken.

Es gibt also, so das Ergebnis dieses ersten Gesprächs, einige gemeinsame Ziele beider Seiten. Diese sollen in den nächsten Wochen noch klarer definiert und an die zuständigen Stellen herangetragen werden. Denn der Fortbestand der Bäderlandschaft im Rottal sei für ganz Niederbayern von enormer Bedeutung – nicht zuletzt haben die Folgen der Corona-Krise das sehr deutlich gemacht.

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