Exaltiertheit über drei Oktaven. Und da ist bei einem Konzert mit Ankathie Koi noch nicht einmal Schluss. Live im Zauberberg

(von Tobias Schmidt)

Was soll eigentlich immer das Gerede von „Authentizität“ in der Popmusik? Denn wenn man auf ein Popkonzert geht, will man da nicht gerade loskommen vom Alltag? Will abtauchen in inszenierte Welten auf der Suche nach… …ja, wonach auch immer, Hauptsache „künstlich“ soll es sein. Gern auch mit „künstlerischem“ Anspruch, aber den kann man ja hernach – zurück im „authentischen“ Hier und Jetzt – mit den Buddies beim Bier bereden.

Hundertfünfzigprozentig kunstvolle Inszenierung beherrscht die Wiener Musikerin Katharina Winklbauer alias „Ankathie Koi“ definitiv. Mit in Jazzgesang ausgebildeter Drei-Oktaven Stimmen, die sie aber nicht bei Scatgesang sondern in Popsongs zum Einsatz bringt. Lieder, die das Leben als Frau feiern, bei denen aber auch Vorsicht geboten ist: hinter der extradicken Lage Synthesizersounds der Marke „je cheesier desto schöner“ lauert der scharfe Grad abgründiger Ironie, wird so manches Geschlechterklischee vom Sockel geholt. Dann geht Frau Koi ihr besungenes Gegenüber auch einmal hübsch direkt an: Die „Little Hell“ erlebt etwa nicht die vom Partner hintergangene Frau, nein, gerade sie ist es, die – in eleganter Garderobe am Spülbecken stehend – dem Untreuen darlegt, was sie mit diesen Küchengerätschaften alles Fieses anstellen könnte. Selbst schuld, wenn der sich einem „Foreign Heart“ hingibt. Bisweilen wechselt die Sängerin auch einfach die Erzählperspektiven, dann haben durchaus auch allerlei Getier („Black Mamba“) und Erotik („Fruit Flesh“) ihren Platz. Letzter schon wieder so pastellfarben, dass es kein Augenzwinkern mehr braucht.

Ankathie Koi (Foto: Lucia Bartl)

Die Videoästhetik der Bühnenpersona Ankathie Koi ist quietschbunte Exaltiertheit. Mal in Ledershorts, Vokuhila-Frisur, in Latexanzug oder auch puffärmeligem Leoparden-Blouson vor kaleidoskopartigem Bildhintergrund. Oder eben in der bereits erwähnten Küche der Rächerin. Die natürlich in minimalistischem Design daher kommt. Aber das ist eben nicht nur die kracherte Achtziger-Jahre-Persiflage, sondern eine mittlerweile mit knapp zehn Jahren Erfahrung sorgfältig und durchaus stylische, kalkulierte Inszenierung. Es ist die künstlerischer Folie für Geschichten von erträumter oder ausgelebter Veränderung.
Und wegen solcher Geschichten geht man doch auf Popkonzerte (siehe Eingangsstatement)! Kühler in der Choreographie kam etwa Kois erstes, seit 2011 vier Jahre und zwei Alben lang bestehendes Synthpopduo Fijuka daher. Solo drehte sie weiter an der Schraube, trieb Sound und Image noch stärker in eine Mischung aus Donna Summer der Giorgio Moroder-Jahre, Cindy Lauper sowie Exzentrik und Stimmgewalt einer Lene Lovich, nur eben ohne deren Punk-Attitüde. Der EP „Sticky Fins“ on 2014 folgte drei Jahre später das Debütalbum „I hate the way you chew“, produziert u.a. mit Mitgliedern der Münchner Band Pollyester.

Das präsentiert sie am Donnerstag, 13. Dezember um 20 Uhr im Liveclub Zauberberg, Franz-Stockbauer-Weg 1. Und zwar am Montag, 10. September um 20 Uhr. Der Eintritt kostet 12,- Euro, Vorverkaufstickets zu 8,- Euro sind bereits unter www.zauberberg-passau.com erhältlich.

Ankathie Koi (Foto: Lucia Bartl)