Freiwilligenteam des Passauer Vereins „Gemeinsam leben und lernen in Europa“ war bei weltweitem Ideenwettbewerb der Vereinigten Arabischen Emirate dabei

Passau. Eigentlich sollte 2020 der Weltfreiwilligenkongress in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate stattfinden. Da dieser coronabedingt ausfallen musste, riefen die Weltfreiwilligenorganisation IAVE und die Emirates Foundation einen weltweiten „Ideathon“ aus: Von einer originellen Idee für Freiwilligenprojekte über die detaillierte Umsetzungsplanung bis hin zur globalen Expansion: Was in der Regel Monate bis Jahre dauert, muss beim „Ideathon“ von einem fünfköpfigen Team in nur 24 Stunden passieren. Den Siegern aus 3 verschiedenen Bereichen winkte ein Preisgeld von 25.000 US$.

282 Teams aus 81 Ländern hatten sich beworben und nur 23 wurden ausgewählt und der Passauer Verein „Gemeinsam leben & lernen in Europa“ (GLL) war als einziges Team aus Deutschland dabei. Sie mussten ein Projekt entwickeln, wie das Ehrenamt in Zeiten der Corona-Pandemie die psychische Gesundheit stärken kann und wie Menschen mit psychischen Erkrankungen sich aktiv in der Planung und Umsetzung einbringen können.

Die Anforderungen waren hoch: Nicht nur eine innovative Idee für ein Projekt mussten die Freiwilligen einer Expertenjury präsentieren, sondern auch die Ergebnisse einer Marktanalyse, die Einbindung von Partnerorganisationen und einen detaillierten Finanz- und Personalplan. Außerdem mussten die Teams deutlich machen, wie sie das Projekt nachhaltig gestalten und in andere Länder exportieren wollten. „Die Idee in der geforderten Detailtreue in dem begrenzten Zeitrahmen auszuarbeiten, war die größte Herausforderung“, sagt Teammitglied und Sprecher Philipp Carstens. Unter hohem Druck zu arbeiten war auch für Teamkoordinatorin Alice Lucchetta nicht einfach. „Die Aufteilung der Aufgaben half uns sehr dabei, das Projekt zu organisieren“, so die Ehrenamtliche. Besonders Spaß machte ihr der kreative Teil, also Ideen auszutauschen und zusammen mit Franz Szabo das Projektlogo zu kreieren.

Coach des Teams war Anna Reither. Die ehemalige Bankerin unterstützte das Team darin, in der Kürze der Zeit und der hohen Zahl an zu erledigenden Aufgaben niemals das Ziel aus dem Augen zu verlieren – und sich im Dickicht von Bilanz-Tabellen und Cash-Flow-Kalkulationen nicht zu verheddern. Das Projekt, das dabei entstand, will Menschen mit psychischen Erkrankungen in Beraterteams integrieren, um Vereine und Organisationen den Umgang mit psychisch belasteten Freiwilligen zu erleichtern. „Die Idee passt perfekt ins Portfolio von GLL“, freut sich Teammitglied Andreas Schrank. Der Verein verfüge nämlich über umfangreiche Expertise in der Qualifizierung von Ehrenamtlichen und Organisationen, ein enges regionales und internationales Netzwerk von Partnern und persönliche Erfahrung mit Freiwilligen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben.

Auch wenn es am Ende nicht ganz fürs Preisgeld gereicht hat, ist GLL-Geschäftsführerin Perdita Wingerter sehr stolz darauf, dass ihr Team überhaupt ausgewählt wurde und die einzige deutsche Organisation im Wettbewerb war. Sie gibt sich noch nicht geschlagen: „Ich mache mich auf die Suche nach Sponsoren, damit wir dieses Projekt realisieren können. Denn ich bin überzeugt, dass ehrenamtliches Engagement vielen Menschen helfen kann, sich wieder als wichtiger Teil der Gesellschaft zu erleben.“ Gewonnen hat übrigens das Team aus Israel, das eine App entwickeln will, wo Menschen mit psychischen Erkrankungen das passende Ehrenamt finden können und Betroffene bei der App-Entwicklung mitwirken.

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