MdL Roos sieht vielfältige Ansatzpunkte, um Rettungsdiensten Weg zum Einsatzort zu erleichtern

Jedes zehnte Einsatzfahrzeug schafft es nicht innerhalb der 12-Minuten-Frist zum Notfallort. Das hat nun eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl offenbart. Besonders betroffen ist hier auch das Betreuungsgebiet des niederbayerischen Abgeordneten Bernhard Roos. So wird in der Rettungswache Arnstorf nur in 79,5% der Fälle, in Bad Griesbach im Rottal in 77,8% der Fälle die Frist eingehalten. 7,9 Prozent der Einsätze im Bereich der Rettungswache Vilshofen konnten nicht innerhalb der Zeit am Notfallort sein. Den traurigen Platz zwei in ganz Bayern nimmt die Rettungswache Tittling ein. Hier konnten nur 65,0% der Einsätze fristgerecht gefahren werden.

Das Innenministerium stehe als oberstes Aufsichtsorgan in der Pflicht, regulierend einzugreifen. Da sind sich die beiden SPD-Politiker einig. Generell ist das Notfallwesen aber Teil der kommunalen Selbstverwaltung. Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper, Vorsitzender des Zweckverbands für Rettungswesen und Feuerwehralarmierung in Passau, betont: “Selbstverständlich ist der Zweckverband immer für die Verbesserung der Vorhaltung von Rettungsmitteln, benötigt aber hierzu die Kooperation des zuständigen Ministeriums und der Krankenkassen.“ Nach der SPD-Anfrage im Bayerischen Landtag war in Tittling erneut die Diskussion um die Verlegung der Rettungswache nach Eging am See aufgekommen. Maßnahmen wurden hier aber bereits getroffen, wie Dupper in einer Stellungnahme mitteilt. So sei die Vorhaltung der benachbarten Rettungswache in Schöfweg Anfang 2016 auf 24 statt 12 Stunden pro Tag erweitert und im Oktober vergangenen Jahres ein neuer Notarztstandort in Eging geschaffen worden. Diese Umstrukturierung war im Betrachtungszeitraum der Anfrage noch nicht berücksichtigt, so der Zweckverbands-Vorsitzende weiter. MdL Bernhard Roos lobt die Initiative und erinnert: “In Tittling besteht bereits eine Rettungswache. Diese zu verlegen und in Eging neu aufzubauen erfordert weitaus mehr Zeit und Geld.“

Der SPD-Landtagsabgeordnete appelliert derweil an die Bevölkerung: “Gerade in der ländlichen Struktur ist es selbst für ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Sirene nicht einfach, zu überholen. Da ist auch die Mithilfe aus der Bevölkerung gefragt.“ Was Rettungskräfte auf Einsatzfahrten oftmals erleben, mag sich so manch einer gar nicht vorstellen. Oft scheinen die Autofahrer überfordert zu sein, wie sie einem Rettungsfahrzeug richtig und schnell ausweichen können. “Auch diese Thematik und die Angst vor dem Blaulicht auf der Straße sollte in Fahrsicherheitstrainings angesprochen werden. Möglich wäre auch, Erste-Hilfe-Kurse – gerade für Fahranfänger und Führerscheinprüflinge – um dieses Thema zu erweitern.“ Rechts ranfahren, Rettungsgasse bilden – simple Maßnahmen, die den Weg zum Unfall- oder Notfallort für die Einsatzkräfte erleichtern.
Negativen Einfluss auf die Einsatzbilanz der Rettungswachten hat auch die hohe Zahl an Fehlalarmierungen. “Der Notarzt ist kein billiges Taxi ins Krankenhaus!“, appelliert der niederbayerische Sozialdemokrat an die Bürger. Dieses Personal fehlt dann an anderer Stelle, an der es unter Umständen um Leben und Tod geht.

“Es zählt jede Sekunde.“, so der Abgeordnete schließlich. Demnach seien diese Maßnahmen nicht nur dazu da, die Frist von 12 Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen am Einsatzort einzuhalten, sondern die Zeit darüber hinaus soweit wie möglich zu dezimieren.