Fotoausstellung von Franz Hintermann bei Glas Dersch; „Die Poesie des Hydranten“

(von Tobias Schmidt)

Waldkirchen. Er sei ein „Mitbewohner unserer Welt“, sagt der Waldkirchner Fotografenmeister Franz Hintermann über eines seiner langjährigsten, liebsten und auch irgendwie grundlos dauerironisch gedeuteten Motive: den Hydranten. Vor 24 Jahren stellte Hintermann erstmals eine Fotoschau eigener und zugesandter Motive von Löschwasserhydranten aus aller Welt zusammen.

„Glotzing“, September 2015 (Foto: Franz Hintermann)

„Galerie Zum unruhigen Hydranten heißt das parallel auch als Onlineblog geführte Langzeitprojekt seither, in welchem ein „unauffälliger Genosse, einer, der nicht um unsere Aufmerksamkeit buhlt, eisern wartet“ auf seine ästhetischen Eigenschaften als Landmarke befragt wird. Still, und darum in lauten Zeiten wohl allzu gern übersehen, stehen Hydranten hier in manchmal regelrecht pittoresker Landschaft. Ein wenig wie „Marterln der Moderne“, wie Sinnbilder einer Tugend, die der Zivilisation abhandenkommt: Im Warten seien sie „ganz große Klasse“, schmunzelt Hintermann. Ungerecht nur, dass so ein Hydrant Zuwendung ausschließlich in Zeiten höchster Not und eher selten Dankbarkeit erfährt. Da ist so mancher Feldrain-Kruzifixus selbst heutzutage noch besser dran. Ob der eiserne Zeitgenosse deshalb für uns unsichtbar im Innern „voller Druck, zum Zerbersten“ ist? „Man hofft, es zerreißt ihn nicht“. Und wenn man‘s positiv wendet, hofft Hintermann, dass der Hydrant „funktioniert, wenn man ihn braucht. Darum liebe ich ihn.“ Vexierbilder also. Nicht nur vom gern mit nüchterner Herstellerangabe, Seriennummer und Standortinfo versehenen Bildgegenstand. Hier findet vielmehr ein Wechselspiel von Zivilisation und Biotop sein in sich ruhendes, oft menschenleeres Abbild. „Banales komponiert und konzentriert sich“, sagt Franz Hintermann. Und dass sich da „vieles füge“ und zu „erzählen beginne“.

„Hinterschmiding“, Januar 2012 (Foto: Franz Hintermann)

Zu erleben in der am Samstag, 27. Januar eröffnenden Fotoausstellung „Die Poesie des Hydranten“ in der Bilderwerkstatt der Glas Dersch GmbH, Bahnhofstr. 22, 94065 Waldkirchen. Beginn der Vernissage ist um 11 Uhr, die Ausstellung kann danach noch bis 27. April jeweils Mo. – Fr. 8.00 bis 12.00 Uhr und 13.00 bis 17.00 Uhr sowie jeden 1. Samstag im Monat von 8.00 bis 12.00 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden.