„Bernarda Albas Haus“ von Federico García Lorca an der Athanor Akademie

(von Tobias Schmidt)

Eines vornweg: Im Theaterstück „Bernarda Albas Haus“ geht es um Ehre und um Frauen. Und dass Frauen, die Sache mit der Ehre auch allein gehörig „gegen die Wand fahren können“. Weshalb Männer hier auch abwesend sind. Der Vater ist kürzlich gestorben, der junge Liebhaber soll heiraten und sagt deshalb auf der Bühne kein einziges Wort. Bestimmt hat dies die Witwe Bernarda Alba, sie herrscht über das Leben ihrer fünf ledigen Töchter, die sie standesgemäß verheiraten möchte.

Und so verlangt sie Unterordnung unter die eigene Familie sowie später dann unter die Ehemänner. Die älteste Tochter soll einen Mann heiraten, den jedoch die jüngste liebt, was nicht nur den mütterlichen Zorn, sondern auch schwesterlichen Argwohn auf den Plan ruft. Die Familie zerbricht an erlernten, für nicht hinterfragbar erachteten und daher sogar gegenüber den eigenen Töchtern mit bitterer Vehemenz verteidigten gesellschaftlichen Werten. Das Haus der Bernarda Alba birgt keinen Schutz, es ist ein Käfig der Tyrannei.

Das Bühnendrama „Bernarda Albas Haus“ gilt als später Höhepunkt des Naturalismus. Sein Verfasser Federico García Lorca (1898-1936) beschrieb es 1936 im Untertitel als „Drama über die Frau im ländlichen Spanien“, und legte es als Dokumentation verkrusteter Gesellschafts- und Familienstrukturen an. Diese werden durch kirchliche Lehren gerechtfertigt, erweisen sich aber als lebensfeindlich. Abseits seiner historischen Bedeutung wird das Stück bis heute weltweit gespielt, weil es Frauen zugleich als moralische Hüterinnen und zugleich als Opfer eben dieser Moral beschreibt (ein Motiv, das sich von der griechischen Tragödie bis in die Frauenzeitschriften unserer Tage zieht). Ob Lorca, der junge Starpoet, der aus einer Studentenbühne in Granada heraus das spanische Theater revolutionierte, diese überzeitliche Bedeutung seines bis heute bekanntesten Stückes erkannte, bleibt ungewiss. Nach Lesungen der finalen Fassung im Freundeskreis, geriet er in die Wirren des Franco-Putsches vom Sommer 1936. Die Falangisten hatten wegen zweier ebenfalls sozialkritischer Vorläuferstücke ein Auge auf ihn geworfen. Sein Versteck wurde verraten, man erschoss ihn und verscharrte die Leiche an einer Landstraße. Lorcas Grab ist bis heute unbekannt.

„Bernarda Albas Haus“ (Foto: Benjamin Strobel)

Der 2. Jahrgangs der Athanor Akademie Passau, staatlich anerkannte und geförderte Fachakademie für Darstellende Kunst, führt das Stück im November mehrmals auf. Unter der Regie von Florin Vidamski spielen: Judith Speckmaier, Josephine Geck, Anela Luzi, Theresa Wachter, Stella Urban, Jana Hermann, Nicole Kampa, Jeanne-Francine Aziamble und Anna-Kathrin Andraschko. Premiere ist am 8. November 2018 um 19 Uhr im Theatersaal der Athanor Akademie, Schulbergstr. 30 in Passau-Grubweg.
Weitere Vorstellungen am 9., 10. und 11. November jeweils um 19 Uhr. Reservierung bitte unter Tel. 0851 209 60 440.