Doppelbödige Denkbilder gibt’s bei der Ausstellung „Als ob“ in der Sankt-Anna-Kapelle zu sehen

(von Tobias Schmidt)

Passau. Unter dem Titel „Als Ob“ präsentiert der Kunstverein Passau e.V. im August wieder eine Gemeinschaftsausstellung. Diesmal mit Arbeiten der Linzer Fotografin Katharina Acht, Objektkunst des Landshuters Valentin Goderbauer und Gemälden von Patrick Schmierer aus Schärding. So unterschiedlich die künstlerischen Ausdrucksformen verbindet die Exponate eine gemeinsame Grundidee: Sie tun so, als ob sie sich vermeintlich Altbekanntes und Alltägliches aneignen, behaupten sich aber zugleich auch als etwas vollkommen Eigenständiges.

Auf den Fotografien von Katharina Acht („Junge Kunst“-Preisträgerin, 2010) bilden mit Stoffbändern umwickelte Bäume fragmentarische Linien. Erst in der Vorstellung des Betrachters vervollständigen sich diese zu einem Ganzen. Der einzelne Baum entschwindet so der Wahrnehmung des Betrachters, vielmehr scheint der menschengemachte Eingriff diese Szenerie zu bestimmen. Verbindet diese Linie eigentlich den natürlichen Raum, oder zerschneidet sie den Bildraum? Und ist das eigentlich noch eine „Naturdarstellung“ oder schon „abstrahierte Landschaft“?

Andere Frage: Was bleibt eigentlich an „Werkzeugen“, an „Mitteln“ übrig, wenn man den „Menschen“ aus einem sozialen Kontext entfernt? Dieses Gedankenexperiment überträgt Valentin Goderbauer (Kulturpreis der Dr. Franz und Astrid Ritter-Stiftung, 2017) in einen „Bildkontext“. Meist als feinhumorige Inszenierungen von letzten Dingen und letzten Fragen, von Sinn und Nicht-Sinn „in 3D“, und gern im Spiel mit dem Relikt-Charakter ausgemusterter Alltagsgegenstände. Seine Installation „Bildungszentrifuge“ etwa besteht aus ineinander verkeilten Schulstühlen – und löst Grübeln übers „System Schule“ aus.

Katharina Acht, “Lichtenberg“, aus der Werkserie “Linien“, Foto auf Dibond (Foto: Kunstverein Passau e.V.)

Ein ähnlich humorvoller Zug steckt in Patrick Schmierers 2013 begonnener Serie „Polaroid Paintings“. Bildanordnung und weißen Rahmen kennt man von diesem fotografischen Sofortbildformat. Auf zehnfache Größe des Fotoformats gebracht, wird die hier gezeigte Malerei dadurch zum Abbild eines Abbilds. Ist alles bildlich für eine wie auch immer geartete „Ewigkeit“ Fixierbare letztendlich doch nur Kopie? Mit wechselnden Materialflächen und Sujets, mit Öl- oder Acrylfarbe, Lack, flüssigem Kunststoff, Buntstift, Rötel und Kohle arbeitet sich Schmierer an diesem Verdikt ab. Gleichzeitig öffnet und verändert er das Bild hin zur Plastik: Die Bildfläche wird perforiert, durchbohrt, und aus dieser Öffnung fließt Farbe, erzeugt ihre Rinnspur, verteilt sich nach dem Gesetz der Schwerkraft. Irgendwann scheint einen diese „Pseudofoto-Sofortbildmalerei“ anschreien zu wollen, dass sie kein Abbild sein, sondern ganz für sich selbst stehen wollen.

Patrick Schmierer, “Polaroid Painting“, Lack auf MDF, 2015 (Foto: Kunstverein Passau e.V.)

Die von Kunstverein-Ausstellungsleiterin Eva Riesinger kuratierte Gemeinschaftsausstellung „Als Ob“ eröffnet am Donnerstag, 30. Juli um 19 Uhr pandemiebedingt im kleinen Rahmen in der Sankt Anna-Kapelle, Heiliggeistgasse 4. Sie ist dort anschließend noch bis 6. September jeweils Dienstag bis Sonntag, 13-18 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen.

×

(Anzeige)

 

×