Skisprung-Star Severin Freund im Interview

Gerade erst ins Training wieder eingestiegen, zog sich Skispringer Severin Freund im Juli des vergangenen Jahres erneut einen Kreuzbandriss zu; es passierte beim Training in Oberstdorf. Somit verpasst der Niederbayer die komplette Saison.
Und wie geht es dem Skisprung-Star, aufgewachsen in Waldkirchen und der das Skispringen in Rastbüchl in Breitenberg erlernt hat, heute? ‚Die Neue Woche‘ wollte es wissen.

NW: Wie geht es dir, wie fühlst du dich?
Ganz gut! Es wäre natürlich aktuell schöner auf den Schanzen unterwegs zu sein, aber die Reha läuft nach Plan und so ist es eben mal ein anderer Winter.

NW: Der momentane Tagesablauf des Severin Freund, kannst du uns dazu etwas verraten?
Je nachdem, wenn ich in der Reha bin, können es schon mal sechs Stunden werden die ich dort verbringe. Aber mittlerweile bin ich auch nicht mehr täglich in der Reha und kann auch wieder im Schnee unterwegs sein, beim Langlaufen z.B. Das hilft schon sehr. Ansonsten aktuell noch viel Studium. Da ist das jetzt natürlich ein guter Zeitpunkt vorwärts zu kommen.

NW: Ende November des vergangenen Jahres hast du durchblicken lassen, dass du rein aus medizinischer Hinsicht und wahrscheinlich bereits wieder gegen Winterende hättest springen können. Du hast dich aber aus persönlichen Gründen dagegen entschieden – warum?
Ich habe damals schon gesagt, dass das einen absolut perfekten und schnellen Heilungs- und Rehaverlauf voraussetzt. Erstens wollte ich mir den Druck gar nicht erst machen. Zweitens wäre es wenn wirklich spät im Winter gewesen und das wären reine Sprünge für’s Gewissen gewesen, das glaube ich kann man sich dann auch sparen. Und drittens habe ich letzten Sommer meine letzten Sprünge gemacht und im Sommer ist generell das Risiko geringer, z.B. Ski verschneiden. Deswegen habe ich mich dazu sehr schnell entschlossen.

NW: Nicht nur für dich ist diese erneute Verletzung bitter, sondern natürlich auch für das gesamte Skisprung-Team und all deine Fans. Wie schätzt du momentan die Medaillen-Chancen für das Olympia-Team bei den kommenden Winterspielen in Pyeongchang ein?
Der Teamwettbewerb in Oberstdorf lief natürlich jetzt nicht ganz nach Wunsch. Aber ich glaube zum einen, dass die Jungs noch mehr drauf haben und zum anderen lief der Wettkampf in Oberstdorf nicht wirklich für uns. Das hat man nie komplett selbst in der Hand. Ich glaube aber trotzdem, dass in Korea sowohl im Einzel als auch im Team Medaillen möglich sind. In Sotchi waren wir auch nicht die Favoriten und haben Gold geholt. Bei olympischen Spielen kann viel passieren. Auch wenn Norwegen als Team aktuell der stark aussieht kann es dort wieder ganz anders aussehen!

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NW: Du hast schon einige Rückschläge wegstecken müssen, aber stets warst du der unerschütterliche Optimist – woher nimmst du dir diese Kraft?
Man muss auch dazusagen, dass ich sehr gute Jahre hatte in denen es immer nur bergauf ging. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich mir viele Träume schon erfüllen konnte aber trotzdem noch sehr viel Spaß und Motivation auf mehr habe. Wenn man im Leistungssport ist, dann hat man schon ein bisschen im Kopf, dass auch mal andere Zeiten kommen können. Das ist bei mir eben jetzt passiert. Aber genauso schnell kann man wieder auf der glücklicheren Seite stehen.

NW: Hand aufs Herz. Gab es während diesen Rückschlägen nicht auch Momenten, in denen du darüber nachgedacht hast, den Profisport zu beenden, nicht zuletzt im Hinblick auf deine Gesundheit?
Na klar war gerade der zweite Kreuzbandriss extrem bitter. Aber naja, das kann halt passieren. Da hat es sicher geholfen, dass das Gefühl auf der Schanze an sich sehr gut war und deswegen relativ schnell der Gedanke da war: Alles klar, Körper wieder stabil bekommen und dann geht es weiter.

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NW: So banal es klingt, aber unschöne Ereignisse haben auch etwas Positives. In deinem Fall wohl auch das Studium sowie die Möglichkeit, mehr Zeit mit deiner Frau verbringen zu können. Was genau studiert Severin Freund und wie geht das Studium voran?
International Management an der Hochschule in Ansbach. Aktuell fehlen mir noch zwei Kurse und dann kommt die Bachelorarbeit. Fünf Kurse konnte ich jetzt seit der Verletzung schon durchkriegen, es läuft also ganz gut. Wenn alles glatt läuft, habe ich im Sommer dann meinen Abschluss!

(das Interview führten Hans Damberger und Nic Niggli, MuW Medienhaus)