Ein Interview mit Ex-SVS-Trainer und A-Lizenz-Inhaber Anton Autengruber

Hat uns zu einem persönlichen Gespräch im MuW-Medienhaus besucht: A-Lizenz-Trainer Anton Autengruber.

Den meisten Fußballinteressierten in unserer Region ist Anton Autengruber ein Begriff – allen anderen war es der 48-Jährige Lizenztrainer spätestens nachdem er den SV Schalding vergangenes Jahr fulminant vor dem Abstieg aus der Regionalliga bewahrt hatte. Nach vier Siegen aus den letzten vier Spielen der Saison 2015/2016 erreichte der SVS noch das rettende Ufer. In der bisherigen Saison sieht es für Schalding bisher eher durchwachsen aus. Mit 16 Punkten aus 20 Spielen rangiert die Elf vom Reuthinger Weg auf dem vorletzten Tabellenplatz der Regionalliga Bayern. Dennoch wollte man mit Trainer Autengruber die „Schalding-DNA“ wiederbeleben. Umso überraschender kam für viele der plötzliche Rücktritt des A-Lizenz-Trainers vergangene Woche. Wir haben nachgefragt, wie es zu dieser Entscheidung kam und was die Gründe dafür waren.

Herr Autengruber, Sie sind ja nun schon eine ganze Weile Trainer. Wie hat ihre Trainerlaufbahn angefangen?
„Eine ganze Weile“ trifft es ziemlich gut. Tatsächlich habe ich schon mit 14 Jahren meine erste C-Jugend  in Jandelsbrunn trainiert und war damit nicht älter als meine Spieler. Dort habe ich dann den ganzen Jugendbereich bis hin zur A-Jugend durchlaufen und 1991 wurde ich Trainer der ersten Mannschaft. Nach weiteren 11 Jahren folgte ein Engagement in Waldkirchen und nach zuletzt drei sehr erfolgreichen Jahren beim österreichischen Club Union Julbach bin ich schlussendlich beim SV Schalding „gelandet“.

Sie haben Schalding letzte Saison in einer beinahe aussichtslosen Situation übernommen. Was für eine Konstellation haben Sie damals vorgefunden?
Naja, der Kern der Situation war ja bekannt – es ging um den Klassenerhalt. Da gab es nicht viele Überlegungen was man trainiert und wie man trainiert, sondern es galt das Selbstvertrauen der Truppe zu stärken. Wie Sie sich bestimmt denken können, strotzt ein Team in einer solchen Situation nicht gerade vor Selbstbewusstsein. Aber es ist uns gemeinsam gelungen, uns aus dem Formtief herauszukämpfen. Die Mannschaft sollte wieder an sich glauben und das ist uns in meinen Augen hervorragend gelungen. Wir konnten vier Siege in Folge einfahren. Zum einen hatten wir dabei das nötige Quäntchen Glück, zum anderen haben wir aber auch richtig gute und souveräne Spiele abgeliefert. Die Mannschaft hat sich teuer verkauft und damit zurecht den Klassenerhalt geschafft.

Nach anfänglich gutem Start, lief die aktuelle Vorrunde eher unglücklich für den SVS. Worin lagen Ihrer Meinung nach  die Gründe dafür?
Nach vier Spielen in Folge ohne Niederlage zu Beginn der Saison hatten wir einige Schwierigkeiten mit der Personaldecke. Es ist die Problematik entstanden, dass Führungsspieler durch Sperren oder Verletzungen längere Zeit nicht zur Verfügung standen. Davon waren wir ein bisschen geplagt und haben dann fünf Partien hintereinander verloren. Wobei ich aber betonen möchte, dass wir nie eine schlechte Mannschaft auf dem Platz hatten. Häufig haben wir es auch einfach verpasst, den Sack zuzumachen. Entweder wurde eine knappe Führung spät vergeben oder wir haben es verpasst den verdienten Ausgleich zu schießen. Dahingehend war die Vorrunde oft wenig erfreulich. Andererseits haben wir gegen Bayern II und gegen Nürnberg II – zwei Mannschaften die täglich trainieren – verdiente Punkte eingefahren. So gesehen habe ich mich mit dem Spiel gegen Nürnberg mit einem Sieg vom Schaldinger Heimpublikum verabschiedet. Das finde ich sehr erfreulich.

Vor zwei Wochen erst haben wir vom gelungenen Trainingsauftakt beim SVS berichtet. Ihr Abschied kam für uns doch etwas überraschend.
Das werden wahrscheinlich viele so sehen wie Sie. Aber der Zeitpunkt für eine Trennung ist niemals perfekt. Ich bin sowohl als Mensch auch als auch als Trainer ein Typ der immer 100 Prozent gibt. Ich hatte einfach das Gefühl, dass diese 100 Prozent in Schalding nicht mehr zu erreichen waren.

Können Sie das genauer ausführen? Wie äußerte sich das konkret?
Ich wollte Schalding mit einem guten Gefühl verlassen und das habe ich getan. Die „Mission Klassenerhalt“, für die ich an den Reuthinger Weg geholt wurde, habe ich erfüllt – von daher sehe ich meine Zeit beim SVS auf keinen Fall als Misserfolg an. Wir haben uns im Guten getrennt und Schalding ist ein hervorragender Verein, bei dem ich persönlich auf die kurze Zeit beinahe so viel Erfahrung sammeln durfte, wie in meiner gesamten bisherigen Trainerlaufbahn. Dafür bin ich dem Vorstand und der Mannschaft sehr dankbar. Allerdings habe ich nicht mehr von allen Seiten das volle Vertrauen gespürt. Zu Vorbereitungsbeginn hat die Mannschaft top mitgezogen, aber bei einzelnen Personen im Team und in leitenden Positionen fühlte ich mich nicht mehr unumstritten. Das ist sehr schade, da es sich wirklich nur um Einzelfälle handelte. Aber unter diesen Umständen sah ich mich nicht im Stande, meine Aufgabe zu 100 Prozent zu erfüllen – und schon 99 Prozent ist für mich und meinen Anspruch an mich selbst zu wenig. Dann muss man mit den Verantwortlichen das Gespräch suchen, sich in die Augen sehen und dem Verein die Chance geben noch einen adäquaten Nachfolger zu finden, bevor es wieder um wichtige Punkte geht. Ich habe mich bisher von jedem Verein im Guten getrennt und das war auch in Schalding der Fall. Außerdem bin ich überzeugt, dass die Mannschaft mit einem neuen Trainer den Klassenerhalt schaffen kann. Aber ebenso überzeugt bin ich, dass das auch mit mir hätte klappen können.

Eine einfache Frage zum Schluss, Herr Autengruber: Was machen Sie mit der riesigen Menge an neu gewonnener Freizeit? Haben schon die ersten Vereine bei Ihnen durchgeklingelt?
(Lacht) Ich mache in meiner Freizeit sehr gerne Ausdauerläufe. Diesen Sport werde ich wohl wieder etwas intensiver betreiben. Außerdem kann ich jetzt auch privat ein paar Dinge nachholen, die bei dem hohen Arbeitspensum in Schalding natürlich etwas auf der Strecke geblieben sind. Mit einem neuen Engagement habe ich mich bislang noch nicht beschäftigt – dafür ist zu wenig Zeit vergangen. Eines steht aber definitiv fest: im Sommer möchte ich auf jeden Fall wieder als Trainer auf dem Platz stehen. Seit ich mit 14 Trainer geworden bin, habe  ich in Summe nur zwei Jahre kein Traineramt bekleidet. Diese Pause ist für einen Fußballverrückten wie mich mehr als genug gewesen.

 

 

(Foto: MuW/b.bauer)