Europapolitiker Manfred Weber sichert grenzübergreifendem Engagement der Nationalparkgemeinden unbürokratische Unterstützung zu

Spiegelau. Seine Niederbayern-Tage seien da, um Erfolgsgeschichten zu sammeln, erzählt Manfred Weber. Daher fühle er sich stets pudelwohl im Bayerischen Wald – so auch in Spiegelau, wohin der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei im Europaparlament am Donnerstag gereist war. Er wollte erfahren, wo die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der ILE Nationalparkgemeinden mit den böhmischen Nachbarn schon beispielhaft funktioniert – und bei welchen Themen bisweilen noch der Schuh drückt.

„Die Installation einer europäischen Modellregion zur nachhaltigen Entwicklung im ländlichen Grenzraum ist das Ziel unserer Kooperation mit den Kollegen im Böhmerwald“, erklärte ILE-Vorsitzender und Spiegelaus Bürgermeister Karlheinz Roth seinem Gast – und zwar unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten gleichermaßen. Gemeinsam mit dem Schönberger Bürgermeister Martin Pichler, Aufsichtsratsvorsitzender der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald (FNBW), und Andrea Rothkopf vom gleichnamigen Büro für Destinations- und Regionalentwicklung hatte Roth Manfred Weber zum informellen Austausch ins Technologieanwenderzentrum (TAZ) eingeladen – und schwer beeindruckt: „Mir geht das Herz auf“, lobte Weber das grenzübergreifende Engagement der kommunalen Verbünde im Herzen Europas.

Beispiel nachhaltiger Tourismus: „Wir verstehen uns hierbei als Impulsgeber für die gesamte Grenzregion“, führten Roth und Pichler unisono aus. Mit 1,2 Millionen jährlichen Übernachtungen im FNBW-Gebiet und 3,2 Millionen in der böhmischen Partnerregion Šumava západ sei der landschaftlich aparte Grenzraum längst in die touristische Poleposition gerückt. Der Böhmerwald stelle die erfolgreichste Region Tschechiens dar, erklärte Andrea Rothkopf. Um dem Ansturm dort gerecht zu werden, würden Gäste wie selbstverständlich auch nach Bayern gelenkt: „In umgekehrter Richtung haben wir indes noch Nachholbedarf.“

Rundgang durchs TAZ (v.l.): Prof. Raimund Förg, Bürgermeister Martin Pichler, Andrea Rothkopf, Lukas Spindler, MdEP Manfred Weber und Bürgermeister Karlheinz Roth (Foto: ILE Nationalparkgemeinden)

Ziel der Nationalparkgemeinden in Bayern und Böhmen sei die Schaffung einer europäischen Mehrwert-Region, stellte ILE-Vorsitzender Karlheinz Roth klar. Zugunsten internationaler Verlässlichkeit müsse nun eine gemeinsame Strategie auf- und ausgebaut werden: „Das heißt, regionale Rangeleien beizulegen und im offenen Prozess groß zu denken.“ Zur Manifestierung einer gemeinsamen Strategie im Tourismus bedürfe es eines klaren Bekenntnisses übergeordneter politischer Ebenen, forderte Roth weiter: „Nur dann können wir strukturelle Maßnahmen so umsetzen, dass an der Grenze nicht Schluss ist“, pflichtete FNBW-Aufsichtsratsvorsitzender Martin Pichler bei.

Manfred Weber verstand. Und versprach, „noch heute Weichen zu stellen, um morgen handlungsfähig zu sein“. Neu strukturieren und neu denken, um noch besser arbeiten zu können sei die Devise für eine gute Zukunft der Grenzregion Bayern-Böhmen. Aktuell werde in Brüssel die Verteilung von mehr als einer Billion Euro verhandelt – eine Grundsatzentscheidung für die nächsten Jahre, „weswegen ich mich jetzt auf den Weg zu euch gemacht habe, um vor Ort zu besichtigen, was hier künftig benötigt wird“.

Beim Rundgang durchs TAZ erklärte Prof. Raimund Förg (l.) Europapolitiker Manfred Weber die glastechnologischen Forschungs- und Anwendungsgebiete (Foto: ILE Nationalparkgemeinden)

Die Findungsphasen in der interkommunalen wie grenzüberschreitenden Zusammenarbeit seien nun abgeschlossen, betonte Karlheinz Roth. „Wir können Europa, das steht außer Frage.“ Zum Auf- und Ausbau eines gemeinsamen Wirtschaftsraums, einer gemeinsamen touristischen Destination sowie einer gemeinsamen Kultur-, Innovations- und Bildungsregion bat er Manfred Weber nun um schnelle und unbürokratische Unterstützung – die Manfred Weber gerne zusicherte: „Die Zeit der Zufallsprodukte ist vorbei. Was ihr nun braucht, ist bestenfalls ein eigenes Budget für diese Grenzregion.“

Dass der Bayerische Wald zu Höchstleistungen fähig sei, zeige allein das Spiegelauer TAZ: „Anfangs wurde die Hochschulauslagerung aufs Land belächelt. Doch jetzt stellt sich heraus: Sie ist ein Erfolgsmodell und befördert das Image der gesamten Region“, freute sich Manfred Weber. Demnach war auch sein Rundgang durch das Technologieanwenderzentrum, zumal als Ingenieur der Physikalischen Technik, obligatorisch. Von Professor Raimund Förg, Forschungschef am Technologiecampus Teisnach, und TAZ-Leiter Lukas Spindler ließ der Spitzenpolitiker sich in die Geheimnisse der glastechnologischen Forschungs- und Anwendungsgebiete einweihen – und war einmal mehr begeistert: „Hier wird wichtige Pionierarbeit geleistet, die überregional ausstrahlt.“ Und obendrein fruchtbaren Boden bereitet für nachhaltiges, energiesparendes Wirtschaften im Sinne der Klimafreundlichkeit. Manfred Weber: „Das ist ganz schön sexy.“

Rundgang durchs TAZ (v.l.): Bürgermeister Karlheinz Roth, MdEP Manfred Weber und Prof. Raimund Förg (Foto: ILE Nationalparkgemeinden)
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