Eibl: Vorurteile überwinden – ländlichen Raum stärken – Metropolen entlasten

Garmisch-Partenkirchen. Ist Bayern nicht ein Freistaat, sondern zwei? Diesen Eindruck kann bekommen, wer das abnehmende gegenseitige Verständnis zwischen Stadt- und Landbevölkerung betrachtet. Denn obwohl in Bayern noch immer etwa 60 Prozent der Bevölkerung im ländlichen Raum lebt, spaltet die Urbanisierung die Menschen zunehmend in zwei Gruppen. Diesem beunruhigenden Phänomen will die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion bei ihrer Klausur in Garmisch-Partenkirchen die Gründung eines „Bayerischen Aktionsbündnis ländlicher Raum“ entgegensetzen – und lud mit Hanskarl Freiherr von Thüngen einen Experten ein, der konkrete Beispiele für ein solches Projekt in Hessen und Nordrhein-Westfalen nannte.

Von Thüngen betonte, dass die Debatte um die Stadt-Land-Kluft bislang vor allem emotional statt faktenbasiert geführt werde: „Wir brauchen eine Versöhnung zwischen dem ländlichen und dem urbanen Raum. Die ländliche Bevölkerung muss raus aus der Opferrolle, aber dazu muss sie selbst aktiver werden.“ Denn es sei der falsche Weg, den Menschen in den ländlich geprägten Regionen Maßnahmen und Lösungen aufdrängen zu wollen. Die von strukturellen Nachteilen Betroffenen müssten zu Beteiligten gemacht werden. „Konzepte können nur dann erfolgreich sein, wenn sie in engem Schulterschluss mit der örtlichen Bevölkerung erarbeitet werden“, so von Thüngen.

Das sieht auch der wirtschaftspolitische Fraktionssprecher Manfred Eibl so und ergänzt: „Während Landkreise um die wirtschaftlichen Zentren Bayerns immer weiter verstädtern, leiden entferntere Landkreise und Gemeinden am Wegzug junger, gut ausgebildeter Menschen und einer sukzessiven Verschlechterung der Infrastruktur und regionalen Versorgung“, warnt der Abgeordnete aus dem niederbayerischen Perlesreut. Der Blick aus den Metropolen aufs „Land“ sei oftmals nicht objektiv, sondern geprägt von wildromantischen Gedanken bis hin zu Vorstellungen von rückständiger Landwirtschaft und mangelndem Umweltschutz, ergänzt Fraktionschef Florian Streibl. „Diese wachsende Kluft sowie gegenseitigen Vorurteile wollen wir überwinden und hierzu alle relevanten Verbände an einen Tisch bringen“, so Streibl.

Neben der allgemeinen Stadt-Land-Beziehung werde sich das Bayerische Aktionsbündnis ländlicher Raum im Kern mit der Rolle der Landwirtschaft, der Aufgabe von Wäldern, dem ländlichen Raum als Wirtschafts- und Lebensraum sowie Fragen des Umwelt-, Natur- und Klimaschutzes beschäftigen. „Das Bündnis soll einen großen Querschnitt der bayerischen Bevölkerung abbilden und dem Freistaat Lösungsvorschläge für ein besseres Miteinander von Stadt und Land unterbreiten“, erklärte dazu der Vorsitzende des Landtagsagrarausschuss, Dr. Leopold Herz.

Eine prosperierende Entwicklung des ländlichen Raums entlaste auch Bayerns überhitzte Ballungsräume und mache die Bedeutung des Landes konkreter fassbar, so Manfred Eibl: „Von der regionalen Produktion der Lebensmittel über die Bereitstellung von Trinkwasser, Hochwasserschutz, Erholung und Freizeit sowie der Versorgung mit Energie aus erneuerbaren Quellen. All das leistet der ländliche Raum in Bayern – den dort arbeitenden Menschen wollen wir gebührenden Respekt erweisen.“