Zuschauer verfolgen Veranstaltung per Livestream

München. Es war eine Veranstaltung ganz im Zeichen von Kultur und Wissenschaft. Erstmals im Rahmen einer Übertragung per Livestream und im regionalen Fernsehen hat die Bayernwerk AG (Bayernwerk) am Donnerstag (12. November) den Kulturpreis Bayern für besondere Leistungen in den beiden Sparten vergeben. Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, und Bayernwerk-Vorstandsvorsitzender Reimund Gotzel gratulierten den Preisträgerinnen und Preisträgern, die jeweils die Bronzestatue „Gedankenblitz“ erhielten. Unter ihnen die Schriftstellerin Michaela Karl, die Künstlerinnen Regina Hellwig-Schmid und Carolina Camilla Kreusch, der Schauspieler und Regisseur Arnd Rühlmann und die Opernsängerin Christa Mayer. Auch die besten Absolventinnen und Absolventen der staatlichen bayerischen Hochschulen wurden mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet. Einen Sonderpreis erhielt die Dirigentin, Pianistin und Generalmusikdirektorin am Staatstheater Nürnberg, Joana Mallwitz. Die Moderatorin und Autorin Nina Sonnenberg moderierte die aus dem Medienpark Ismaning gesendete Veranstaltung.

„Derzeit ist es wichtig, mit Kultur eine breite Öffentlichkeit zu erreichen“, sagte Reimund Gotzel in seiner Ansprache. Als im Frühjahr klar geworden sei, dass man die Veranstaltung nicht wie sonst im Rahmen einer klassischen Preisverleihung abhalten könne, habe man frühzeitig mit der Planung eines digitalen Formats begonnen, erläuterte er. „Kultur und Wissenschaft sind unverzichtbar in unserer Gesellschaft und müssen auch in Krisenzeiten Gehör finden.“ Kunst- und Wissenschaftsminister Bernd Sibler betonte: „Wir sind stolz auf die großartigen Leistungen von Kunst- und Kulturschaffenden sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern im Freistaat. Mit dem Preis würdigen wir ihr großes Engagement, ihre wertvolle Arbeit und ihre grenzenlose Kreativität.“ Der Kulturpreis Bayern ist in der Sparte Kunst mit jeweils 5.000 Euro dotiert, in der Sparte Wissenschaft mit jeweils 2.000 Euro. Als Showacts traten Carolina Bastos und Ariel Merkuri vom Bayerischen Staatsballett, die Musikerin Vivi Vassileva oder die A-cappella-Formation Viva Voce auf. Auch Moderatorin Nina Sonnenberg wechselte die Rollen und trat in ihrer musikalischen Rolle, der Rapperin „FIVA“, auf.

Kunst und Menschenrechte – Regina Hellwig-Schmid, Bildende Kunst

Als Mentorin überreichte die ehemalige Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration Emilia Müller den Kulturpreis Bayern an Regina Hellwig-Schmid. Die Ministerin war es auch, die der Künstlerin 2016 das Bundesverdienstkreuz übergeben hatte. Regina Hellwig-Schmid hat sich nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Kuratorin, Feministin und Menschenrechtsaktivistin einen Namen gemacht. In ihren Werken kommt immer wieder ihr Engagement für Frieden und Völkerverbindung zum Ausdruck. „Mit meiner Kunst will ich auf Themen aufmerksam machen, die in der Welt stattfinden“, beschreibt die Künstlerin ihren Antrieb. Am liebsten drücke sie sich in der Malerei aus. Regina Hellwig-Schmid ist Initiatorin, künstlerische Leiterin und Vorsitzende des Vereins „donumenta e.V.“, der das jährlich in Regensburg stattfindende Festival „donumenta“ organisiert. Inhaltlich liegt bei der „donumenta“ ein Schwerpunkt auf der Kunst aus den Donau-Anrainerstaaten. Beim Betrachten ihrer Kunst solle sich jeder eigene Gedanken machen.

Von der Inspiration zur Kunst – Carolina Camilla Kreusch, Bildende Kunst

„Kunst nährt mich“, bringt Carolina Camilla Kreusch ihren künstlerischen Antrieb auf den Punkt. Sie gestaltet Installationen und teils überlebensgroße Skulpturen beispielsweise aus Karton, Balsaholz oder Spanplatten. Ihre Werke scheinen in einem ständigen Wandel zu sein und nach Form zu ringen. Auf ein spezielles Genre lässt sie sich jedoch nicht festlegen, schreibt gerne auch Texte. Zu weit gefächert ist ihre Freude am künstlerischen Ausdruck. „Ich suche ständig die Kommunikation zwischen Objekten und mir und stelle mir die Frage: Was kann ich hinzufügen? Ich spüre, wann es zur Kunst wird“, lässt Carolina Camilla Kreusch Einblicke in die Entstehung ihrer künstlerischen Werke zu. Der Augsburger Künstler Felix Weinold überreichte den Preis als langjähriger Wegbegleiter und Mentor der Künstlerin.

Beispielhafte Karriere – Christa Mayer, Musik

Die aus Sulzbach-Rosenberg stammende Opernsängerin Christa Mayer hat an der Musikhochschule München studiert und kann auf eine große Karriere blicken. Sie ist an einigen der größten Opernhäuser Europas aufgetreten. 2008 debütierte die Altstimme und Mezzosopranistin bei den Bayreuther Festspielen als Edda und Waltraute in Wagners „Ring des Nibelungen“; 2015 am Nationaltheater Tokio als Erda in einer Neuproduktion von Wagners „Rheingold“. Seit 2001 ist sie Ensemblemitglied der Semperoper in Dresden. „Musik und Kultur sind kein Luxusgut, sondern ein Lebensmittel für alle Menschen. Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“, betont Christa Mayer. Den Preis überreichte ihr Mentor Dr. Germinal Hilbert von der gleichnamigen renommierten Agentur für Opernsänger.

Engagement in vielen Bereichen – Arnd Rühlmann, Theater und Schauspiel

Arnd Rühlmann lebt in Bamberg und leitet seit 2011 das „nana Theater im Club Kaulberg“. Er ist zudem freiberuflicher Autor, Schauspieler, Kleinkünstler und Regisseur. „Kunst bedeutet für mich, Menschen auf Gedanken zu bringen“, sagt Arnd Rühlmann. Schon als Kind habe er es geliebt, auf der Bühne zu stehen. Der Künstler ist glücklich, seine Heimat auf der Bühne und in der Kleinkunst gefunden zu haben, wo er eine große Bandbreite als Künstler bespielen kann. „Ich darf singen und Vorlesen und Theater spielen und möchte nichts davon missen. Ich mag es, dass Leute lachen, ich mag es aber auch, dass die Leute sich ein Tränchen verdrücken“, erzählt Arnd Rühlmann. Die Schauspielerin Ursula Gumbsch vom Theater im Gärtnerviertel Bamberg überreichte ihm als Mentorin den Kulturpreis Bayern für seine hervorragende Schauspiel- und Theaterleistung.

Einzigartige Biografin – Michaela Karl, Literatur

Seit Langem begeistert Michaela Karl ihre Leser mit ihren einzigartigen Frauenbiografien, wie in ihrer 2019 erschienen Biografie über die Autorin Maeve Brennan mit dem Titel „Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen“ oder ihren Werken über Dorothy Parker („Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“) oder über Unity Mitford („Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an“). „Ich bin neugierig auf Menschen“, schildert Michaela Karl. Es treibe sie an, Menschen aus dem Vergessen zu reißen. Man müsse in die Vergangenheit schauen, um Zukunft zu gestalten. „Kunst brauchen wir zum Leben wie alles andere auch“, betont die Autorin. Und ein gutes Buch könne einen durch viele Krisen tragen. Den Preis überreichte die renommierte Autorin Monika Bittl, die ebenso wie Michaela Karl zu den „Münchner Turmschreibern“ gehört.

Shooting-Star unter den Dirigenten – Joana Mallwitz, Musik

Staatsminister Bernd Sibler persönlich überreichte den Preis an Joana Mallwitz, die mit ihrer Bühnenpräsenz gerne als Shootingstar unter den Dirigenten bezeichnet wird. Nach ihrem Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover arbeitete sie zunächst am Theater der Stadt Heidelberg, wo sie die Leitung der Premiere von Puccinis „Madame Butterfly“ übernahm. Mit 27 Jahren war sie in Erfurt die damals jüngste Generalmusikdirektorin, heute hat sie diese Position in Nürnberg inne und dirigiert die Nürnberger Symphoniker. In künstlerischer Arbeit sieht Joana Mallwitz eine Vorbildfunktion: „Ich würde mir wünschen, dass die Werte, die man im Orchester, in der Oper beim Musizieren und Proben täglich lebt, nämlich dass es einfach um die Sache geht, dass man sein Ego weglässt, dass man gemeinschaftlich arbeitet mit Musikern und Menschen aller Nationen und auch gemeinsam einfach mal zuhört, dass diese Werte sich auch auf unser tägliches Leben in unserer Gesellschaft und der Politik noch mehr übertragen lassen.“

Eine Auszeichnung mit langer Tradition

Seit mehr als 60 Jahren setzt sich das Bayernwerk für kulturelles und wissenschaftliches Engagement ein und würdigt es mit dem Kulturpreis Bayern. Erstmals wurde der Preis 1959 verliehen – zunächst nur in Ostbayern. Seit 2005 vergibt das Bayernwerk die Auszeichnung bayernweit zusammen mit dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Alle Preisträgerinnen und Preisträger erhalten die von dem Schwandorfer Bildhauer Peter Mayer geformte Bronzestatue „Gedankenblitz“ und ein Preisgeld. Während eine Fachjury die fünf Kunstpreisträgerinnen und -preisträger auswählt, benennen die staatlichen bayerischen Hochschulen und Universitäten ihre besten Absolventinnen und Absolventen sowie Doktorandinnen und Doktoranden. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst zeichnet darüber hinaus eine Künstlerin oder einen Künstler mit einem Sonderpreis aus.


Ausgezeichnet wurden die besten Absolventinnen und Absolventen der Hochschulen und Universitäten für ihre Bachelor- und Master-Arbeiten sowie Dissertationen. Im Jahr 2020 sind die Preisträgerinnen und Preisträger der Sparte Wissenschaft:

Wissenschaftspreisträgerinnen und -preisträger der bayerischen Hochschulen
Sandra Blank, Hochschule Neu-Ulm
Benedikt Buchmüller, Technische Hochschule Nürnberg
Angela Geißler, Hochschule Coburg
Pascal Grill, Technische Hochschule Deggendorf
Franziska Häfele, Hochschule München
Simon Hartel, Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut
David Koziel, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Marcel Krenz, Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
Michael Lermer, Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
Julian Leupold, Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg
Manon Mandel, Technische Hochschule Ingolstadt
Stefanie Meyer, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof
Christian Riess, Hochschule Ansbach
Thomas Schöniger, Technische Hochschule Aschaffenburg
Raffael Steffe, Hochschule Kempten
Maximilian Wohlschläger, Technische Hochschule Rosenheim
Johannes Wombacher, Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden

Wissenschaftspreisträgerinnen und -preisträger der bayerischen Kunsthochschulen
Ferdinand Arthuber, Hochschule für Fernsehen und Film München
Benjamin Brinner, Hochschule für Musik Würzburg
Shirley Cambonie, Akademie der bildenden Künste München
Rebekka Deckart, Hochschule für Musik Nürnberg
Julia Hainz, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
Lea Luka Sikau, Musikhochschule München

Wissenschaftspreisträgerinnen und -preisträger der bayerischen Universitäten
Dr. Hannes Burkhardt, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Dr. Stefan Drechsler, Universität Regensburg
Dr. Philipp Gieg, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Dr. Juliane Kretschmann, Ludwig-Maximilians-Universität München
Dr. Roland Maier, Universität Augsburg
Dr. Denis Messig, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Dr. Eva Oesterlen, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Dr. Patrizia Perras, Universität Passau
Dr. Thomas Ritter, Universität Bayreuth
Dr. Vivian Vanessa Wergin, Technische Universität München

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