Abermals kommentiert „Wolfi“ in der Galerie Priller das Passauer Stadtleben

(von Tobias Schmidt)

Presseberichte zu Wildtieren in deutschen Innenstädten werden ja allgemein zahlreicher. Erinnern wir uns: Bereits im vergangenen September sah man einen einsamen, feuerroten Wolf durch die Passauer Höllgasse ziehen. Einen „Anarcho-Isegrim“, der frech wie Oskar, aber im Grunde wohlmeinend das Leben in der Dreiflüssestadt kommentierte. So beschrieb MEIN PASSAU die seinerzeit ausgestellte Serie mit Assemblagen der Künstlerin Eva Priller.

Eva Priller „Diese Stadt hat mich kaputt gemacht, und ich bleibe solange, bis man ihr das ansieht“ (frei nach H. Achternbusch), Mischtechnik: Collage und Malerei, 2018 (Quelle: Priller)

In der Hauptrolle: der dem Passauer Wappentier entlehnte „Wolfi“. Im April kehrt Wolfi zurück, doch diesmal zeigt er den Betrachtern seiner Abenteuer, dass heraldische Wölfe – selbst „geschundene“ wie der Passauer einer ist – nicht jaulen. Sie grantln. Denn diesmal geht’s Wolfi um etwas, mit dem er sich auskennt: Ums (Fr)essen und Gefressen werden. Ach ja, ums Trinken geht’s auch. Beziehungsweise auch wieder nicht, denn der eine oder andere Laden, die eine oder andere -Wirtschaft haben schließen müssen. Wolfi hörte, die Gebühr fürs Aufstellen von Sitzgelegenheiten für pflastermüde und durstige Gäste habe wohl eine Rolle gespielt. Stadtgrün, insbesondere der Säuleneiche drüben am Innstadtfriedhof, soll’s nun auch an den Kragen, pardon: den Stamm, gehen. Darüber ist Wolfi frustriert, traurig, zornig. Und durstig. Also trifft er sich mit seinem alten Freund, dem Passauer Tölpel, und spült den Ärger hinunter. Oder er lästert mit Böskäppchen von der Stadtguerilla. Auch wenn deren Mützchen nicht in heraldischem Rot erstrahlt. Darauf legt Wolfi dann eben doch Wert, dass er der Stadt durch sein Wappentierdasein einfach verbunden ist. Oder ausgeliefert? Er hält’s mit dem Münchner Filmemacher, Dichter und Maler Herbert Achternbusch: „Diese Gegend hat mich kaputtgemacht, und ich bleibe so lange hier, bis man ihr das ansieht.“

Die neue Ausstellung „Wolfi sieht rot“ mit Collagen und Malerei von Eva Priller eröffnet am Dienstag, 10. April um 19 Uhr in Prillers Galerie in der Höllgasse/Ecke Kleine Messergasse. Die Schau ist hernach noch bsi 28. April jeweils donnerstag bis samstags 15-18 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. 0160 214602 bei freiem Eintritt zu besichtigen.

Eva Priller „Wir trinken Jägermeister, weil uns diese Stadt kaputt gemacht hat“, Mischtechnik: Collage und Malerei, 2018 (Quelle: Priller)