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(von Doris Blöchl)

Es ist Januar. Irgendwie schon ein äußerst finsterer Monat, vor allem nach der ersten Neujahrseuphorie. Erst wenn die bunten Farben der Krokusse wieder zu leuchten beginnen, wird’s besser. So zumindest die Prognose.

Apropos Prognosen – in der Politik scheint auch absolute Finsternis zu herrschen, betrachtet man die Sondierungsgespräche. Seit der Wahl tingelt unser Land ja praktisch führungslos durch die Weltgeschichte. Und siehe da – es ändert gar nichts. Das würde ja bedeuten, dass wir gar keine Regierung brauchen! Weder GroKo noch das bereits sehr früh als gescheitert betrachtete Jamaika oder wie sie alle heißen.
Da könnte man meinen, dass die Namensgebung Priorität vor den Regierungsgeschäften hat. Heißt regierungslos auch automatisch orientierungslos? Das wäre anzunehmen, es fällt allerdings im Alltag gar nicht auf. Was sich dagegen in den oberen Politetagen abspielt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Da wird sondiert, ausgeschlossen, diskutiert und das alles scheinbar mit wenig bis gar keinem Erfolg. Nun, vielleicht sollten wir alle dies als Vorbild betrachten und unsere Arbeitsweise dem anpassen. Nur labern, streiten, uns zum Schein wieder vertragen, endlose Debatten führen und dennoch zu keinem Ergebnis kommen. Welcher Betrieb würde uns dann noch einstellen, welcher Chef wäre mit uns zufrieden und welches Land könnte mit einer derartigen Einstellung seiner Einwohner auf Dauer bestehen?

„Watsch’n“

Respekt können unsere Volksvertreter inzwischen kaum noch von den Wählern erwarten. Die „Watsch’n“, die sie durch das verheerende Wahlergebnis erhalten haben, ist inzwischen in Vergessenheit geraten. So scheint es. Überhaupt ist der schöne Schein und viel rhetorisches Talent das ausschlaggebene Kriterium für eine Politkarriere. Die Fähigkeit, konstruktive Lösungen zu finden, wird im Anforderungsprofil wohl eher nicht verlangt. Diese Vermutung drängt sich auf, wenn man dieses Kasperltheater betrachtet, mit dem wir uns vor der Weltöffentlichkeit lächerlich machen.

Schwer vermittelbar

An einem normalen Arbeitsplatz würde den Verantwortlichen Inkompetenz und mangelnder Teamgeist vorgeworfen. Außerdem die fehlende Bereitschaft, die beste Lösung zum Wohle des Betriebs finden zu wollen – und am Ende würden Köpfe rollen. Denn – so heißt es doch – jeder ist ersetzbar. Leider dürfen wir allem Anschein nach nicht auf soviel Anstand und gute Kinderstube hoffen, dass so manche(r) von selbst seinen (ihren) Hut nimmt, angesichts dieser vollkommen verfahrenen Situation, aus der nur Verlierer hervorgehen können.

In dieser Beziehung sind Politiker wohl schmerzfrei und realitätsfern. Es könnte aber auch daran liegen, dass sie wirklich nirgendwo anders unterkommen würden, weil sie aufgrund mangelnder Teamfähigkeit schwer vermittelbar wären.