Dr. Olaf Heinrich informiert sich über Stand des Förderprojektes, das verlängert werden soll

Freyung. Seit 30 Jahren wächst der Grenzraum zwischen Niederbayern, Pilsen und Südböhmen nach und nach zusammen. „Es ist viel passiert, aber wenn wir ehrlich sind: Im Bereich grenzüberschreitender Öffentlicher Personennahverkehr sind wir kaum vorwärts gekommen – gerade auch im Vergleich zu anderen Grenzregionen“, sagt Kaspar Sammer, Geschäftsführer der Euregio Bayerischer Wald-Böhmerwald-Unterer Inn und der Europaregion Donau-Moldau (EDM). Im Juli 2019 begann deshalb ein Förderprojekt, das sich Verbesserungen genau auf dem Gebiet zum Ziel gesetzt hatte. Dr. Jan Gregor hatte sich 15 Monate lang, bis Ende September, als Projektmanager für den grenzüberschreitenden Verkehr eingearbeitet, Arbeitskreise ins Leben gerufen und Netzwerke dies- und jenseits der Grenze aufgebaut. Nun steht die Verlängerung des Projektes um weitere drei Jahre an. „Damals hieß es, wenn es Ergebnisse gibt, können wir weitermachen“, blickt Kaspar Sammer zurück.

Die Ergebnisse gibt es und vor allem haben sie bereits vorab die Förderstellen so beeindruckt, dass die weitere Finanzierung in Höhe von 90 Prozent der Gesamtkosten in Aussicht gestellt wurde. Die restlichen zehn Prozent müssten vom Trägerverein der Europaregion getragen werden – die Entscheidung im Verein fällt Ende Oktober. Im Bezirksausschuss, der die Kofinanzierung genehmigen muss, ist die Beratung für Anfang November geplant. Um persönlich einen Eindruck vom Stand des Projektes und den Planungen der nächsten drei Jahre zu bekommen, traf sich Dr. Olaf Heinrich, Bezirkstagspräsident und Vorsitzender des Trägervereins EDM mit Kaspar Sammer und Dr. Jan Gregor im Europahaus in Freyung.

Der Projektmanager skizzierte dabei das bisherige Vorgehen, bei dem er Kontakte zu allen Beteiligten der Bezirke, Landkreise, Nationalparke und Busunternehmen knüpfte und bereits einige Verbesserungen bei der Buslinienführung sowie ihrer Vertaktung erreichen konnte. Die Corona-Krise und die damit verbundene Grenzschließung hatte das Projekt einige Wochen ausgebremst. „Aber schon im Juni fanden wieder Sitzungen statt“, so Jan Gregor, der sowohl den grenznahen, als auch den grenzübergreifenden Verkehr in den Blick nimmt. Der meiste Nachholbedarf besteht seines Erachtens zwischen Südböhmen und dem Landkreis Freyung-Grafenau. „Wir haben beispielsweise die Linie vom Moldaustausee zur Grenze gerettet. Nun geht es darum, den Dreisessel anzubinden, denn im Unterschied zu den weiteren Bayerwaldbergen, die mit den Igelbussen erschlossen sind, kommt man dorthin nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln.“

Das Thema ÖPNV ist dabei stark mit dem Tourismus verbunden. „Corona hat gezeigt, welches Potenzial im Grenzraum in Sachen Tourismus liegt, mit der Nationalparkerweiterung dürfte das noch mehr werden“, unterstreicht auch Kaspar Sammer und betont die Notwendigkeit, den Menschen Verkehre dies- und jenseits der Grenze sowie übergreifend anzubieten und diese auch ansprechend zu kommunizieren, damit sie angenommen werden. Die erste Phase sei besser als erwartet gelaufen, denn auch die tschechische Seite habe sich mit großem Interesse eingebracht – in den Verwaltungen seien viele Mitarbeiter, die diese Entwicklung positiv sehen. „Es ist eine Herausforderung, in Zukunft weitere konkrete Maßnahmen zu realisieren. Aber ich bin überzeugt, dass wir viel schaffen können“, so der EDM-Geschäftsführer.

Langfristig wird wohl vor allem die Frage der Finanzierung ausschlaggebend sein. Deshalb will man zunächst bei neuen Verbindungen Ausflugsverkehre anbieten. „Wie sich dann ein Linienverkehr gestalten lässt, muss die Zeit zeigen und wird stark davon abhängen, wie sich ein Verkehrsverbund auch auf deutscher Seite aufstellt“, schloss Sammer. Jan Gregor hob seinerseits hervor, dass es viele bestehende Linien gebe, die aber kaum bekannt seien. Deshalb sei es wichtig, das bestehende Angebot transparent, zugänglich und zweisprachig zu gestalten. „Nach meiner Erfahrung kann man schon viel Verbesserungen erreichen, wenn der Wille zur Zusammenarbeit da ist – gerade was die Verbindungen und Anschlüsse anbelangt.“

Olaf Heinrich zeigte sich beeindruckt vom Stand des Projektes nach so kurzer Zeit. „Ich sehe für die Zukunft großes Potenzial für die gesamte Grenzregion als Tourismusdestination wie auch Wirtschaftsstandort, wenn wir die beiden Länder und die jeweiligen Landkreise mit ÖPNV-Angeboten besser vernetzen.“ 

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