Tierrechtsorganisation fordert bundesweites Register für „Pferderipper“-Fälle

Grafenau / Stuttgart, 26. August 2020 – Fahndung nach Tierquäler: Einer Polizeimeldung zufolge verletzte ein Unbekannter in der Nacht von Freitag auf Samstag eine Stute auf einer Koppel eines Reiterhofes in Grafenau-Neudorf schwer. Der Täter fügte dem Pferd einen circa zehn Zentimeter langen Schnitt im Genitalbereich zu. Die Stute wurde tierärztlich versorgt. Die Polizei Grafenau ermittelt und nimmt unter der Telefonnummer 08552-96060 Hinweise entgegen.

PETA setzt Belohnung aus

Um die Tat aufzuklären, setzt PETA nun eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro für Hinweise, die den Tierquäler überführen, aus. Zeugen werden gebeten, sich an die Polizei zu wenden und können sich telefonisch unter 0711-8605910 oder per E-Mail bei der Tierrechtsorganisation melden – auch anonym.

„Mit unserer Belohnung möchten wir helfen, den Täter zu überführen“, sagt Judith Pein im Namen von PETA. „Wir fordern außerdem ein behördliches Register, in dem Anschläge auf Pferde sowie überführte Täter erfasst werden. So könnten mögliche Tatzusammenhänge aufgezeigt und Täterprofile erstellt werden. Behörden könnten effektiver auch überregional zusammenarbeiten. Pferdehalter würden über Gefahrenschwerpunkte informiert und gewarnt werden, um ihre Vierbeiner besser vor Angriffen schützen zu können. Die Überführung sadistischer Täter ist umso wichtiger, da sich Tierquäler unter Umständen später auch an Menschen vergehen.“

Medienberichten zufolge gab es in den Landkreisen Straubing-Bogen, Cham und Regen bereits ähnliche Vorfälle. Im Juli wurde in Deggendorf ein Pferdeschänder auf frischer Tat ertappt. Der Mann soll laut Polizei aber nicht als Täter in den anderen Fällen in Frage kommen.

Vorsichtsmaßnahmen – Tipps für Pferdehalter

PETA rät Pferdehaltern zur besonderen Aufmerksamkeit, wenn ein „Pferderipper“ umgeht. Die Tiere sollten – sofern möglich – nachts nicht auf der Koppel stehen, sondern in einer sicheren, bestenfalls mit Videokameras ausgestatteten Stallung untergebracht werden. Alle Zugänge sollten gesichert und abgesperrt sein. Zudem sollten Kontrollgänge nach Möglichkeit zu unregelmäßigen Zeiten durchgeführt werden. Aus Sicherheitsgründen ist es dabei ratsam, diese mit mindestens zwei Personen auszuführen und Mobiltelefone bei sich zu tragen. Verdächtig erscheinende Personen in der Umgebung sollten unbedingt der nächsten Polizeidienststelle gemeldet werden, ebenso wie Personen, die bereits in der Vergangenheit durch ihr Verhalten aufgefallen sind.

Zusammenhang zwischen Gewalttaten an Menschen und Tieren

PETA warnt, dass insbesondere Taten, die von sogenannten „Pferderippern“ begangen werden, als Indikator für eine mögliche Vorstufe schwerer Sexual- oder Gewaltdelikte gelten. Zahlreiche Mörder vergingen sich zunächst an Tieren, bevor ihnen Menschen zum Opfer fielen. So ließ der als „Rhein-Ruhr-Ripper“ bekannte Serienmörder Frank Gust seine perversen Fantasien zunächst an Pferden, Schafen und Rindern aus, bevor er vier Frauen auf exakt dieselbe Weise tötete wie zuvor die Tiere.

Psychologen, Gesetzgeber und Gerichte sind sich mittlerweile einig, dass Vergehen an Tieren vermehrt Aufmerksamkeit verlangen. Aggressionsforscher Dr. Christoph Paulus von der Universität des Saarlandes dazu: „Geschätzte 80 bis 90 Prozent aller extremen Gewalttäter haben vorher bereits Tiere gequält.“ [1] Über den Zusammenhang von Tierquälerei und Gewalttaten klärt PETA in der Broschüre „Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei“ auf, die als Informationsquelle für Staatsanwälte, Richter, Polizeibeamte und Sozialarbeiter dient.

PETA setzt regelmäßig Belohnungen in Fällen von misshandelten Tieren aus, um bei der Ermittlung der Täter zu helfen.


[1] Gespräch mit PETA Deutschland e.V., 2010.

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