Famos gut ist das neue Voodoo Jürgens-Album „’S klane Glücksspiel“. Am 20.2. live im Zauberberg

(von Tobias Schmidt)

Österreich taugt immer wieder für Popwunder. Mainstreamradio-taugliche, Herzaufgeh-Bergwerker-Liedermacher, Gegen-den-Strich-Bürst-Folkloristen, Anarcho-Schockrocker, und Musiker mit Schmäh-meets-Indie-Attitüde. Kreisky, Wanda, Leyya, Bilderbuch in ihren Anfangstagen, Der Nino aus Wien, Ankathie Koi und aktuell Pauls Jets fallen in letztere Kategorie. Und dann ist da noch David Öllerer, alias Voodoo Jürgens, der gegenwärtig das Wienerlied mit all seinen morbid-dunkelgrauen Facetten zeitgemäß neu belebt. „Ansa Woar“ hieß sein, im Oktober 2016 auf Herwig „Fuzzman“ Zamerniks und Ex-Wanda-Manager und Nino-Bassist Stefan Redelsteiners seinerzeit gerade erst gegründeten Verlag Lotterlabel erschienenes, im gesamten deutschsprachigen Raum beachtetes Debütalbum. Und „Heite grob ma Tote aus“ hieß der darauf enthaltene Hit, der über seine Mitsing-Qualitäten auch so wunderbar die alte Stilverwandschaft von Wienerlied und nordamerikanischem Novelty Song zelebrierte. Einstieg direkt auf Platz 1 der österreichischen Albumcharts. Na war ja klar, dass es beim Passauer Voodoo Jürgens-Konzert im Januar 2017 beim Impuls Festival kein Halten mehr gab.

Voodoo Jürgens (Foto: Ingo Pertramer)

Am 20. Februar kann man den Wiener Liedermacher nun erneut in der Dreiflüssestadt erleben. Dann spielen Voodoo Jürgens und seine Band Ansa Panier im Liveclub Zauberberg. Im Gepäck haben sie das vor drei Monaten, abermals bei Lotterlabel erschienene, zweite Album „’S klane Glücksspiel“. Gedehnt deklamierend singt sich Voodoo Jürgens darauf durch bestechend genaue Beobachtungen gestrauchelter Glücksritter, ganz gleich ob in Liebesdingen („Eislaufplotz“, „Scheidungsleichn“) oder am Spielautomaten irgendeiner Boazn („’S klane Glücksspiel“, „Kumma ned“). Hintersinnig ist auch die Musik: Manche somnambule Jazzpiano-Karikatur zur Verfolgungsjagd („Taxler“) hätte auch ein Tom Waits nicht gepflegter hinbekommen. Und wenn ein Lied schon dem Titel nach ein „Ohrwurm“ sein soll, dann macht Voodoo Jürgens daraus sicherlich eine Karikatur auf nichtssagende Loungemusik („Ohrwaschlkräuler“).

Underdogs statt Underground

Musikalisch borgen der Wiener Gemeindebau-Poet und seine Band ziemlich gewieft und abseits vom Klischee aus der Balkanfolklore, und so ist dieses Album ist angefüllt mit Violinen, Klarinetten, Akkordeons und allerlei Blechbläsern. Um bei drei der besten Songs gleich wieder aus diesem Raster zu fallen: Um alte Wiener, denen vor lauter Vereinsamung auch die Stadt fremd geworden ist (und wogegen auch die schönste Akkordeonbegleitung nichts auszurichten vermag) geht’s in der melancholischen Ballade „Ollas nimma deins“. Und nach Art einer Freakfolk-Schrammelhymne gebaut, die etwa einem Adam Green gut zu Gesicht gestanden hätte, ist „2L Eistee“. Soziales Außenseitertum und die Arroganz von Bildungsanstalten werden hier thematisiert. Auch so ein durchaus großes, ewiges Pop-Thema, dieser Herz-Schmerz der etwas anderen Art. Dass es bei ihm mehr um Underdogs als um Underground geht, stellt Voodoo Jürgens in „Angst haums“ klar, einer Philippika mit bedrohlich-aufgeregter Violine. Hier kommen die gesellschaftlich Abgehängten, die Vermeintlich-zu-kurz-Gekommenen zu Wort. Ist das die Großmannssucht jener, in den anderen Songs besungenen „kleinen Leute“? Wer sucht hier klare Verhältnisse und starke Führungsgestalten, die sich noch etwas sagen trauen? Populismus durchsetzt viele europäische Gesellschaften, weil er mit der Angst spielt, wo kein Angstdiskurs geführt wird. Vielleicht wär‘s ja allerhöchste Zeit dafür, scheint einem dieser doppelbödig-dräuende Song zuzurufen.

Voodoo Jürgens & Ansa Panier (Foto: Ingo Pertramer)

Auf dieses und viele weitere Lieder darf man sich am Donnerstag, 20. Februar um 20 Uhr im Liveclub Zauberberg, Franz-Stockbauer-Weg 1 in Passau, beim Konzert Voodoo Jürgens und Ansa Panier freuen. Weitere Informationen und Onlinetickets im Vorverkauf gibt es unter: www.zauberberg-passau.com.