Halt und Trost in der Trauer

Die beiden KDFB-Trauerbegleiterinnen Ulrike König (links) und Brigitte Hartl bestärken die Teilnehmer:innen der festen Trauergruppe darin, ihrer Trauer Raum zu geben, damit tiefgreifende Verluste verarbeitet werden (Foto: KDFB)

KDFB bietet ab 6. Oktober feste Trauergruppen an

Passau. Zuhören, ohne zu werten – Perspektiven aufzeigen, ohne den Schmerz zu verleugnen: Brigitte Hartl und Ulrike König, zwei langjährige Trauerbegleiterinnen des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in der Diözese Passau, bieten ab Oktober erneut eine feste Trauergruppe an. Sie möchten Trauernden dabei helfen, den Weg zurück ins Leben zu finden.

Für Trauer gibt es kein Konzept. Jeder Mensch trauert anders und geht mit der Bewältigung des Verlustes individuell um. Während bei manchen Trauernden die Aufarbeitung unmittelbar nach dem Todesfall beginnt, benötigen andere etwas mehr Zeit. „Grundsätzlich ist unsere Botschaft: Die Aufarbeitung kann jederzeit starten“, sagen Hartl und König. Die feste Trauergruppe beginnt am 6. Oktober 2021. An diesem Tag und den sieben darauffolgenden Mittwochen wird die Gruppe jeweils zwei Stunden zusammenkommen. Der Zeitraum wurde dabei ganz bewusst gewählt. „Allerheiligen fällt hinein und wir nähern uns dem Advent und Weihnachten. Das ist immer eine sehr schwierige Zeit für Trauernde und deshalb eine sehr passende Zeit für unsere Trauergruppe“, so König. In der Gruppe soll ein wertvolles Miteinander entstehen, das die Teilnehmer*innen ein Stück weit durch die emotional und körperlich sehr belastende Zeit tragen kann. „Es geht uns darum, Trauernden einen geschützten Raum zu bieten, in dem sie sich begegnen können. In der Gruppe werden neue Bekanntschaften geschlossen. Nicht selten entstehende tiefe Freundschaften“, sagt König. Gerade nach den langen Monaten der coronabedingten Isolation sei es besonders wichtig, Möglichkeiten zum Austausch zu eröffnen. In der Lockdown-Zeit hätten sich viele Menschen sehr alleine gefühlt. „Für Trauernde ist es aber sehr wichtig, dass da jemand ist, der ihnen zuhört und sie versteht“, folgert König. Die feste Trauergruppe kann das bieten. Hier kommen Menschen zusammen, die etwas ähnliches erlebt haben. Die Trauer ist das verbindende Element. „Das Erinnern und Sprechen über die gemeinsam verbrachte Zeit mit der verstorbenen Person ist sehr wichtig. Trauer gehört ausgedrückt, damit sie sich nicht in die Seele eindrückt und krank macht. Sie muss nach außen gelangen. Wir zeigen Elemente, wie das gelingen kann“, so König weiter.

Im Zuge der Trauergruppe werden die Teilnehmer*innen darin bestärkt, Werkzeuge zu entdecken, die ihnen bei der Trauerbewältigung helfen oder auch nur etwas Ablenkung schenken, um neue Kraft zu tanken. „Da schlummert viel in uns, das uns in unserem Leben vielleicht schon einmal in schwierigen Zeiten geholfen hat, aber vergessen wurde. Wir möchten den Trauernden bei der Wiederentdeckung helfen“, schildert Brigitte Hartl. Auch der konkrete Termin einmal in der Woche helfe den Teilnehmer*innen, weil er Halt gibt. „Für viele ist es anfangs ungewohnt, sich in einer Gruppe zu öffnen. Das lässt im Vorfeld vielleicht Angst oder ein Unwohlsein aufkommen. Wir sehen aber immer wieder, dass sich im Laufe der Zeit ein sehr wertvolles, gegenseitiges Vertrauen aufbaut. Beim letzten Treffen sind die Teilnehmer*innen oft überrascht, was sich in den vergangenen acht Wochen alles verändert hat. Der Weg bleibt steinig, aber sie sind ein gutes Stück vorangekommen“, so Hartl. Was die beiden Trauerbegleiterinnen besonders freut: Viele Teilnehmer*innen treffen sich nach Abschluss der Gruppe noch jahrelang privat oder besuchen gemeinsam das Trauerfrühstück, das der KDFB jeden dritten Donnerstag anbietet. Sie begleiten sich damit gegenseitig und werden zu wichtigen Stützen füreinander.

Eine weitere zentrale Botschaft der beiden Trauerbegleiterinnen: Alle Gefühle sind richtig und wichtig. Und: Trauer und Freude gehören zusammen. Man darf trauern, aber man sollte sich auch zugestehen, dennoch zu lachen oder Freude zu empfinden. „Es braucht diese Kraftquellen, um neue Energie für das Leben zu gewinnen. Viele Trauernde haben aber ein schlechtes Gewissen, denn sie haben das Gefühl, dass sie nach dem Verlust nicht mehr lachen dürfen. Doch nur, weil man wieder lacht, heißt das nicht, dass die verstorbene Person vergessen ist“, betonen König und Hartl. Sie arbeiten bereits seit fünf Jahren zusammen. Das ist Basis für tiefes gegenseitiges Vertrauern. Fast schon automatisch strahlen König und Hartl in der Gruppe Geborgenheit aus, was beim Prozess des sich Öffnens hilft. Zudem sind beide jederzeit zur Stelle, falls eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer eine intensivere Begleitung benötigt. „Wenn wir merken, dass es für einen Trauernden zu viel wird, nehmen wir die Person auch mal zu Einzelgesprächen aus der Gruppe, damit die Gefühle abgebaut werden können. In der Zwischenzeit bleibt die jeweils andere Trauerbegleiterin bei der Gruppe“, sagt Brigitte Hartl. Sie weist zudem darauf hin, dass in der Gruppe Schweigepflicht besteht. Das trage nochmals sehr zu der geborgenen Atmosphäre bei.


Die feste Trauergruppe findet ab dem 6. Oktober 2021 immer mittwochs (06.10./13.10./20.10./27.10./03.11./10.11./17.11./24.11.) von 15 bis 17 Uhr in Passau statt. Die genaue Örtlichkeit wird bei der Anmeldung bekannt gegeben. Die Teilnahmegebühr beläuft sich auf 50 Euro. Selbstverständlich werden im Zuge der Corona-Pandemie die geltenden Hygiene- und Schutzvorschriften umgesetzt. Eine Anmeldung ist im KDFB-Diözesanbüro unter Telefon 0851 36361 oder per E-Mail unter kdfb.passau@bistum-passau.de möglich oder direkt bei Ulrike König unter Telefon 08501 914422.